Freiwilligenarbeit: Es gibt noch mehr zu tun

Im Rahmen unserer Freiwilligenarbeit kümmern wir uns neben der Angkor Thom Junior Highschool um einige weitere Aufgaben, die der Verein Hilfe für Kinder in Kambodscha unterstützt. Dazu zählt zum Beispiel die Familie der geh- und sprechbehinderten 13jährigen Sreynit.

Ihre Familie gehört zu den sogenannten Seenzigeunern, die auf dem Tonle-Sap-See in Hausbooten als Fischer leben. Seit einiger Zeit wohnt Sreynit jedoch mit ihrer Mutter und ihren drei kleinen Geschwistern am Rand von Siem Reap in einem neuen Holzhaus, das Gerlinde Zinkeisen von Hilfe für Kinder in Kambodscha für die Mädchen hat bauen lassen. Der Stiefvater hat Hausverbot, da er trinkt und des Öfteren gewalttätig wird. Trotzdem ist er auf dem Nachbargrundstück bei seiner Schwägerin, als wir vorbeischauen, und blickt uns grimmig entgegen.

Kein Zuhause zum Wohlfühlen

Das Grundstück der Schwägerin ist total vermüllt, Hühner, Enten und Hunde laufen überall herum und verteilen den Dreck noch mehr, zum Teil stehen Töpfe und Teller mit Essensresten in der sengenden Hitze, auf denen die Fliegen herumkrabbeln. Mittendrin sitzt Sreynit auf einer Pritsche und lächelt, als wir auf sie zukommen. Ihre Kleidung ist verdreckt, an Händen und Füßen hat sie einen schlimmen Ausschlag, ihre Bewegungen sind durch spastische Lähmungen eingeschränkt. Da sie sprechbehindert ist, kann sie sich außer über ihre Mimik leider nicht mitteilen.

Daneben steht etwas benommen ihre kleine Schwester mit aufgeblähtem Bauch, vermutlich hat sie Würmer. Nur das zweitälteste Mädchen macht einen gesunden und aufgeweckten Eindruck, wobei sie wie ihre Geschwister schmutzig ist und zerschlissene Kleidung trägt. Das kleinste Baby wird gerade von der Mutter im Stehen gestillt, die einen verhärmten und unglücklichen Eindruck macht. Sie ist offensichtlich überfordert und es ist ihr deutlich unangenehm, dass wir die Familie und ihr Zuhause in diesem verwahrlostem Zustand antreffen. Wir fühlen uns wie Eindringlinge und zugleich hilflos, als wir mit der Mutter versuchen zu sprechen (mithilfe einer Nachbarin, die Englisch kann) und ein wenig mit den Kindern spielen.

Nach unserem Besuch treffen wir uns mit zwei Mönchen der kambodschanischen Partnerorganisation Life and Hope Association, die die Familie regelmäßig mit kostenlosem Reis unterstützen und die Umstände kennen. Sie stellen uns ein Tuk Tuk und einen Fahrer zur Verfügung, um Sreynit und ihre kranke Schwester ins Krankenhaus zu bringen. Zwei Englisch sprechende Mädchen aus dem Nachbarhaus begleiten uns, die sich auch sonst zusätzlich um Sreynit kümmern, etwa um sie zu waschen, wenn die Mutter es von sich aus mal leider wieder nicht tut.

Besuch im Kantha Bopha Kinderkrankenhaus

In das Krankenhaus der Kantha-Bopha-Stiftung, in dem Kinder kostenlos versorgt werden, lassen sie uns als Ausländer nicht mit hinein. Also warten wir draußen bis wenig später die Familie wieder zurückkommt. Die Mutter hat eine Tüte voller Medikamente und Vitamine bekommen, die gegen Würmer und andere Parasiten helfen sollen. Als wir mit dem Tuk Tuk durch die Stadt zurück zum Haus fahren, strahlen Sreynit und ihre Mutter um die Wette und genießen sichtlich die Fahrt. Für uns ist es das erste Mal überhaupt, dass wir die Frau lächeln sehen. Bleibt zu hoffen, dass sie die Medikamente auch tatsächlich regelmäßig verabreicht, damit sie wirken können.

Ein paar Stunden später fahren wir nochmals ins Kantha Bopha, um Blut zu spenden. Diesmal werden wir problemlos ins Krankenhaus hineingelassen. Wir erfahren, dass heute bereits acht weitere Ausländer Blut gespendet haben, der Bedarf jedoch weit höher liege.

Zuwachs für das Health Center von Peak Sneng

Ein weiteres Projekt, das Hilfe für Kinder in Kambodscha unterstützt, ist die Vergrößerung des Health Centers von Peak Sneng. Bislang besteht das Health Center nur aus zwei kleinen Gebäuden, die nicht ausreichen, um den medizinischen Bedürfnissen der rund 9.000 Seelen-Gemeinde gerecht zu werden – ganz abgesehen davon, dass die Ausstattung und der Zustand vor allem der sanitären Anlagen in keinem Vergleich zu denen an deutschen Krankenhäusern steht. Ein Arzt ist wohl nur ein Mal pro Woche anwesend, ansonsten liegt die medizinische Versorgung in den Händen der örtlichen Krankenschwestern.

Deshalb ist es für uns besonders spannend, bei den Vertragsverhandlungen für den Bau eines weiteren Gebäudes dabei sein zu dürfen, das der Verein mit finanziellen Mitteln unterstützt. Vor dem bestehenden Gebäude wird ein Tisch im Schatten aufgestellt, um den sich der Community Chief, der Bürgermeister von Peak Sneng, der Leiter des Health Centers, eine Krankenschwester, Siggi (Siegfried Zinkeisen) als Vertreter des Vereins, Mr. Chhoy und wir uns reihen. Mr. Chhoy spricht als einziger Englisch und Khmer und vermittelt zwischen deutschen und kambodschanischen Vertretern.

Nachdem sich die Verantwortlichen auf die Details verständigt haben, etwa in wie weit sich die Gemeinde einbringt und mit welchen Kosten maximal zu rechnen ist, werden die wichtigsten Vertragspunkte zu Papier gebracht, ein Stempelkissen wird gezückt und nacheinander setzen der Community Chief, der Bürgermeister und Siggi ihren Daumenabdruck unter das Dokument. Ein weiterer Händedruck und ein Beweisfoto machen den Deal perfekt, nur wenige Tage später beginnen die Bauarbeiten.

Eine Schule für Steinmetze und Näherinnen

Noch nicht ganz so weit gediehen sind die Pläne, eine Schule für Steinmetze und Näherinnen in Peak Sneng zu bauen, um weiteren Schülern und Schülerinnen eine berufliche Perspektive zu ermöglichen. Wir schauen uns das Grundstück an, um einen Eindruck zu bekommen, wie das Gebäude aussehen könnte, das jeweils einen Raum für die Steinmetze und Näherinnen, einen kleinen Laden sowie Schlaf- und Waschräume für Lehrer und Schüler von außerhalb umfassen soll. Zudem stellt Kai erste Überlegungen an, was die elektrische Ausstattung und Versorgung des Gebäudes betrifft.

Als unser Aufenthalt in Kambodscha zu Ende geht, haben wir zusammen mit Mr. Chhoy einen ersten Entwurf erarbeitet, wie das neue Gebäude aussehen könnte, und sind natürlich auf die weitere Umsetzung sehr gespannt.

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