Myanmar: Die Zeiten ändern sich – nicht immer zum Positiven

„Myanmar wird euch bestimmt gefallen!“, „Myanmar ist wirklich toll!“ und ähnliche Lobeshymnen hatten wir ausnahmslos von allen gehört, die in den vergangenen Jahren im ehemaligen Birma Urlaub gemacht hatten. Entsprechend zuversichtlich und gespannt waren wir auf unser vorletztes Reiseland, bis wir sechs Wochen später Ende März 2013 wieder unsere Heimreise nach München antreten würden. Doch wider aller Erwartungen und Empfehlungen konnten wir uns für Myanmar aus verschiedenen Gründen bislang leider nicht wirklich begeistern.

Das Visum für Myanmar hatten wir uns problemlos beim Konsulat in Kunming in China besorgt. Die zweimalige 45-minütige einfache Fahrt zum Konsulat hätten wir uns jedoch sparen können, denn entgegen unserer damaligen Recherchen kann man derzeit auch als Tourist direkt am internationalen Flughafen in Yangon ein „Visa on Arrival“ bekommen.

Dass sich die Zeiten in Myanmar in einigen Bereichen sehr schnell ändern, wird uns noch des Öfteren während unseres Aufenthalts bewusst. So begegnet uns zu unserer Überraschung bereits am Flughafen Werbung für Kreditkarten und tatsächlich kann man seit Kurzem bei drei Banken (KBZ, Cooperative und Myanmar Oriental Bank) mit Visa-Kreditkarte am Automaten die lokale Währung Kyat abheben. In der Vergangenheit blieb Ausländern keine andere Wahl, als ihr gesamtes Reisebudget in bar mit sich herumzutragen. Entsprechend hieß es auch für uns im Vorfeld genau kalkulieren, wie viel Geld wir für unseren vierwöchigen Aufenthalt benötigen würden.

Ausgebucht und vergleichsweise teuer

Die Erfahrung, dass man tatsächlich gezwungen ist, seine Reisekasse unterwegs aufzustocken, machen derzeit wohl mehrere Backpacker, denn für Unterkünfte muss man richtig in die Tasche greifen. Es gibt einfach nicht genug Übernachtungsmöglichkeiten für Ausländer mit begrenztem Budget. Vermutlich versucht sich Myanmar noch stärker als Reiseland für organisierte Gruppentouren zu positionieren, als es das ohnehin schon tut. Ähnlich wie in China benötigen Hotels und Gasthäuser eine entsprechende Lizenz und die wird derzeit wohl nur selten vergeben. Entsprechend sind fast alle Budget-Unterkünfte, die wir im Wettbewerb mit anderen Backpackern kontaktieren, ausgebucht – bis zu einem Monat im Voraus.

Die Preise für Doppelzimmer kann man gerade noch verschmerzen, wobei sie mehr als doppelt so hoch liegen, als in Reiseführern von 2012 für die Hauptsaison genannt werden. Besonders hart trifft es Einzelreisende, denen teilweise Zimmer für $50 oder $60 angeboten werden. Kostengünstige Schlafsäle oder so genannte Dorms sind uns in Myanmar bislang noch nirgendwo untergekommen.

Telekommunikation wie Anno Dazumal

Da die wenigsten Budget-Hotels und Gasthäuser per Email zu erreichen sind, bleibt uns nur quer durchs Land zu telefonieren, entweder vom Guesthouse aus oder bei einem der zahlreichen Telefonisten, die es in jedem Ort gibt. Ein Funktelefon, ein kleiner Tisch und Stuhl sowie eventuell ein Sonnenschirm machen die lokale Telefonzelle perfekt. Nur leider klappt es mit der Verbindung gerade einmal bei etwa vier von zehn Versuchen. Ausländische Mobiltelefone funktionieren im ganzen Land nicht. Wer sein Handy also mal richtig abschalten möchte, der ist in Myanmar genau richtig. Internet gibt es immer häufiger, wobei regelmäßige Stromausfälle und die teilweise Blockierung ausländischer E-Mail-Anbieter Reisenden einiges an Geduld abverlangen.

Alles in allem bedeutet das für uns, dass wir unsere Reiseroute ebenso wie Übernachtungen weit im Voraus festlegen müssen. In der Hoffnung, dass wir am Ende des Tages auch tatsächlich ein Bett zum Schlafen haben, lassen wir uns unsere Reservierung zwei Tage vor Ankunft nochmals telefonisch bestätigen. Einige Backpacker, die keine Unterkunft gefunden haben, weichen auf Klöster auf, die ortsabhängig jedoch nur eine begrenzte Menge oder gar keine Reisenden aufnehmen dürfen. Wiederum andere entscheiden sich kurzerhand Myanmar zu verlassen und reisen stattdessen enttäuscht Richtung Thailand ab.

Reisegruppen haben das Land fest im Griff

Nicht nur wegen der relativ teuren und ausgebuchten Unterkünfte und der fehlenden Flexibilität, was die Reiseplanung betrifft, spielen wir ebenfalls hin und wieder mit dem Gedanken Myanmar den Rücken zu kehren. Nicht nur, dass die Sehenswürdigkeiten mit Massen an Touristen und insbesondere Reisegruppen älteren Semesters bevölkert sind, die einheimischen Souvenir- und Snackhändler sind derart aufdringlich, dass einem die Lust aufs Besichtigen gründlich vergeht.

Zur Kasse gebeten werden Touristen ohnehin bei jeder Gelegenheit. Wir weigern uns jedoch zum Beispiel, für das Abstellen unserer Schuhe beim Besuch der Mahamuni-Pagode in Mandalay 200 Kyat pro Paar zu bezahlen (für 500 Kyat bekommt man in kleineren Restaurants bereits ein Essen). In der Hand tragen dürfen wir die Schuhe als Ausländer nicht, bei den Einheimischen schert sich dagegen niemand darum. Also bleiben die Schuhe an unseren Fahrrädern, was bei der Schuhbewachungsdame auf großes Unverständnis trifft.

Generell haben wir leider oftmals das Gefühl, dass Einheimische, die uns ansprechen, ausschließlich an unserem Geld interessiert sind. In einem armen Land wie Myanmar, das auf den Tourismus als Einnahmequelle angewiesen ist, ist das zwar durchaus verständlich, trotzdem hinterlässt es einen faden Beigeschmack.

Weniger Touristengeld für die Regierung?

Was wir in punkto Geld positiv erwähnen können: Wir haben weder in Bagan noch in Mandalay die obligatorische $10 Besichtigungsgebühr für die Hauptsehenswürdigkeiten bezahlt, die in die Tasche der Regierung fließen würde. In Bagan konnte uns die Rezeptionistin im Hotel angeblich noch nicht einmal sagen, wo man das Ticket hätte kaufen können. In Mandalay und Amarapura hat uns ebenfalls niemand darauf angesprochen, die Hinweisschilder haben wir geflissentlich ignoriert. Wobei sich uns die Frage stellt, ob die Regierung bereits genug am Tourismus verdient, sodass sie auf Kontrollen verzichtet, oder ob die Einheimischen einfach keine Lust haben, das Geld für ihre unliebsamen Volksvertreter einzutreiben?

Trotz einiger negativer Erfahrungen werden wir zum Glück auch immer wieder positiv überrascht. Als wir beispielsweise in Yangon an einem Straßenstand wirklich lecker essen, bezahlt plötzlich die Frau neben uns für unser Gericht. Es stellt sich heraus, dass sie sehr gut Englisch spricht und mit uns gerne einen Plausch hält. Sehr nett ist auch die Dame, die uns erklärt, um was es sich für ein imposantes aber total heruntergekommenes Gebäude handelt, vor dem wir gerade fragend stehen, und dass die Regierung leider nichts für den Erhalt tut.

Tempelerkundung abseits des Touristenrummels

Ein ebenso positives Erlebnis unserer Reise ist die Radtour durch die Ebene von Bagan mit seinen rund 2.000 mehr oder weniger verfallenden Tempeln und Stupas. Nachdem wir uns am Tag zuvor mit dem Pferdewagen einen ersten Überblick verschafft haben, erkundigen wir tags darauf auf eigene Faust weitere Tempel. In der sengenden Mittagshitze sind wir fast alleine unterwegs (verständlicher Weise), einige kleinere Tempel sind geschlossen.

Fast immer findet sich jedoch der Schlüsselwärter in einem schattigen Plätzchen, der uns gegen ein Trinkgeld aufsperrt und eine Taschenlampe reicht, sodass wir für kurze Zeit die Kühle im Inneren genießen können. Da wir einige weniger bekannte Tempel ansteuern bzw. zu Zeiten unterwegs sind, in denen keine Touribusse über die staubigen Sandwege holpern, können wir fast ungestört die Wahnsinnsaussicht auf die Ebene von der oberen Terrasse einiger Tempel genießen. Ein weiterer Vorteil der Mittagshitze: Sogar die Verkäufer machen lieber ein Mittagsschläfchen und lassen uns weitgehend in Frieden.

Buddha-Wahnsinn live und in Farbe

Die einstige Hauptstadt Mandalay hört sich leider weitaus vielversprechender an, als es tatsächlich zu sehen gibt. Der Weg auf den Mandalay Hill gleicht einem Spießrutenlauf entlang nerviger Händler und oben angekommen erwartet uns nur ein weiterer goldener Buddha, von denen es allein in Mandalay gefühlte 1.000 gibt.

Mandalays berühmtester Buddha ist zweifelsohne Mahamudi, der mit einem ganz besonderen Spektakel aufwartet: Da Frauen den unmittelbaren Raum um die Statue herum nicht betreten dürfen, wird auf den hinteren Rängen das Geschehen aus dem innersten Raum über Flachbildschirme live übertragen. Was das ganze noch surrealer macht: Jeden Morgen um 4h putzt ein Mönch dem Buddha die Zähne, ein Spektakel, das wir uns entgehen lassen. Wir waren bereits tags zuvor um 3h mit dem Nachtbus in Mandalay gelandet und mussten uns bis 6h morgens die Nacht um die Ohren schlagen, da wir nicht einsahen, $30 für zwei Stunden mehr in unserem reservierten Zimmer zu zahlen. Selbst für $15 wollte uns der Herr an der Rezeption nicht früher ins leer stehende Zimmer lassen.

Da um diese Uhrzeit noch nichts geöffnet hat, streiften wir müde durch die dunklen Straßen. Mandalay ist mit seinem Verkehr und Lärm tagsüber schon keine schöne Stadt, doch vor allem nachts zeigt sich ihr hässliches Gesicht. Nicht gerade wenige Menschen schlafen auf der Straße, in ihren Autos, auf der Ladefläche von Pickups oder auf den Tischen der Teashops. Wer es sich leisten kann, hat ein Moskitonetz aufgespannt. Dass es sich dabei nicht nur um Arbeitslose handelt, zeigt sich bei den Teashop-Schläfern: Es sind deren Angestellten, die zum Teil gerade mal zwölf Jahre alt sein dürften und dort den ganzen Tag über arbeiten. Wir sehen sie morgens um halb fünf und abends um neun noch immer im Einsatz.

Alltag in Armut und Müll

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in anderen Städten: Ganze Familien leben auf den Bahnsteigen oder in ausrangierten Bahnwagons, vor allem Männer nutzen die Wagons für ein Nickerchen bis zur nächsten Abfahrt im Morgengrauen. Ebenso wie Kambodscha und Laos ist das Land mit Müll übersäht, besonders entlang der Bahnstrecken, wo Verpackungen, Flaschen u. a. einfach aus dem Fenster geworfen werden. Die ausgedehnten Müllhalden dienen als Wäschetrockenplatz, für Ziegen zum weiden und wir sehen auch ein paar Kindermönche, entweder auf der Suche nach etwas zu essen oder beim Spielen.

Um ein wenig mehr vom Land zu erkunden, leihen wir uns in Mandalay ein Moped und fahren einige Kilometer Richtung Süden nach Amarapura, wo wir die U-Bein-Brücke besichtigen, eines der „am häufigsten fotografierten Motive Myanmars“, wie der Reiseführer anpreist. Uns haut die Brücke nicht gerade vom Hocker, allerdings, dass wir im Restaurant zur 500 m entfernten Bezahltoilette geschickt werden, oder zu einem kleinen, windschiefen Plumsklo 300 m weit auf dem Feld in der prallen Sonne. Die Restaurantpreise sind selbstverständlich etwas höher, wie es sich für einen Touristenort gehört.

Kommunikation mit Hindernissen

Noch etwas weiter südlich von Amarapura überqueren wir die historische Ava-Brücke und während alle Fahrer für die Überquerung eine Gebühr bezahlen müssen, winkt uns der Wärter freundlich mit einem Nicken durch. Ein paar Mal fahren einige Einheimische neben uns her und werfen uns ein paar Brocken Englisch zu. Leider ist deren englischer Wortschatz sehr begrenzt – und unser burmesischer sowieso, sodass sie recht schnell wieder Gas geben und grinsend weiterdüsen.

Von Mandalay nehmen wir den Zug nach Nordwesten nach Hsipaw. Die Fahrt dauert zwölf Stunden (zehn sind geplant) und es gibt nur einen Zug um 4h morgens. Noch ziemlich verschlafen nehmen wir gegen halb vier unsere Plätze ein, als der Schaffner bereits wissen möchte, woher wir kommen. Nachdem wir Deutschland genannt haben, lacht er uns auf deutsch ein „Unser Führer ist Adolf Hitler entgegen“, sodass wir sprachlos am liebsten im Boden versinken würden. Was für ein Start in den Tag.

Wir hatten auf unserer Reise zwar bereits ein paar Mal das zweifelhafte Vergnügen, dass sich Einheimische etwa auf Samoa und Fiji für Hitler & Co. begeistern, in Myanmar sind uns allerdings die haarsträubendsten Dinge untergekommen – und das leider nicht nur im Einzelfall: Wer etwas auf sich hält, dekoriert sein Moped mit „Iron Cross“-Aufklebern, wahlweise mit Einschusslöchern zum Aufkleben, oder schwarzem Hakenkreuz, rot umrandet auf weißem Grund. Besonders beliebt sind außerdem Mopedhelme im Design der Wehrmacht, mitunter dekoriert mit Hakenkreuz und Adler. Auch Bundeswehr-Hemden mit deutscher Flagge sieht man hin und wieder bei jüngeren Typen.

Das Militär zeigt noch immer Präsenz

Woher die Begeisterung für Army-Sachen kommt, ist für uns nicht nachvollziehbar, zumal in einem Land, das durchaus unter der eigenen Militärregierung zu leiden hatte bzw. immer noch zu leiden hat. Dem Militär gehören heute noch quer durch das Land riesige ummauerte oder mit Stacheldraht versehene Areale.

Rund um den Touristenort Pyin Oo Lwin gibt es gleich mehrere Defence Academies, zum Teil mit überlebensgroßen Soldatenstatuen vor dem prächtigen Eingangstor, geziert von Slogans wie „For the Triumphant Elite of our Future“. Auf Militärgruppen, die ihre Gewehre im Arm halten oder zumindest griffbereit in Reichweite neben sich lagern, treffen wir immer wieder, auch oder gerade an den entlegensten Straßen im Hinterland.

Mit der Bummelbahn ins Hinterland

Das frühe Aufstehen und die stundenlange schaukelnde Zugfahrt auf den unbefestigten Sitzen nach Hsipaw lohnen sich jedoch. Im Schneckentempo kriecht der Zug durch das Land, wir sehen viele Bauern auf ihren Feldern, grasende Wasserbüffel und sogar einen Arbeitselefanten an einer Baustelle. Durch die offenen Fenster dringt immer wärmer werdende Luft und niemand hat etwas dagegen, wenn wir an den offenen Türen zwischen den Wagons stehen, die Landschaft gemächlich an uns vorüberziehen lassen, während der Zug bedenklich auf und ab schwankt, quietscht und rattert. Ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit und Glück.

Als wir tags darauf mit dem Moped von Hsipaw einen Tagesausflug in das Bergstädtchen Nam Sam machen, bekommen wir vom Guesthouse eine – sagen wir mal – ungefähre Skizze des Weges. Dick eingezeichnet ist jedoch der Militärpunkt bei Nam Tu, ab dem es für Ausländer nicht mehr weitergeht. Insgesamt lassen uns sowohl Militär als auch Polizei in Ruhe und wir legen unsererseits keinen Wert auf irgendwelchen Kontakt.

Dass sie allerdings sehr wohl ein Auge auf Ausländer haben, zeigt uns, als in Mandalay am Bahnhof ein Polizist einer Einheimischen die Zeitung abnimmt und sie zurechtweist. Gerade eben hat sie noch mit uns gesprochen. Allerdings hatte sie sich bereits zuvor mit einem anderen Touristen unterhalten, was dem Polizisten offensichtlich ein Dorn im Auge war. Mit der Zeitung der Frau unterm Arm weist er uns freundlich darauf hin, dass unser Zug von Platform 2 im Untergeschoss abfahren würde. Zwar erst in einer halben Stunde, aber der Hinweis ist recht deutlich.

Quer durch die Shan-Wallachei

Im Hotel in Hsipaw hatte man uns bereits gewarnt, dass die meisten Leute eine Übernachtung im Shan-Städtchen Nam Sam einlegen und erst am nächsten Tag zurück nach Hsipaw fahren würden, und tatsächlich ist die Strecke alles andere als ein gemütlicher Rollerausflug. Zum Glück hat Kai bereits einiges an Fahrpraxis auf den übelsten Schotterpisten in Kambodscha gesammelt, denn der Weg ins abgelegene Nam Sam ist ebenso bescheiden wie anstrengend. Nicht selten balancieren wir knapp am Abhang entlang, da der eigentliche Straßenbelag nicht befahrbar ist.

Plötzlich stoppen uns mitten auf dem Weg ein paar Einheimische, die es sich entlang des Straßengrabens mehr oder weniger gemütlich gemacht haben. Warum sie uns aufhalten wird uns erst einige Augenblicke später klar, als wir die Explosion hören. Ein Teil der Felswand wird derzeit für die Straßenerweiterung weggesprengt. Ein Hinweisschild? Fehlanzeige.

Das nagelneue Moped haben wir von einem Hotelmitarbeiter geborgt, es fährt wunderbar und wir sind für die intakte Federung dankbar. Was er uns jedoch verschwiegen hat: Weder die Tankanzeige, noch der Tacho, noch der Kilometerzähler funktionieren, sodass wir ziemlich überrascht sind, als uns kurz vor unserem Ziel in Nam Sam das Benzin ausgeht. Zum Glück stranden wir vor einer Werkstatt, deren Besitzer uns eine Flasche Benzin verkauft, nachdem er uns zunächst zehn Minuten lang regungslos mit verschränkten Armen vor der Brust zugeschaut hatte. Nach einer kurzen Stärkung bei Nudelsuppe und Kaffee treten wir nachmittags die Heimfahrt an und landen pünktlich zum Sonnenuntergang müde und verstaubt wieder im Hotel in Hsipaw.

Mit den Locals und Beistand von oben die holprigen Straßen entlang

Von Hsipaw nehmen wir den Local Bus, um über Mandalay weiter Richtung Süden nach Thazi zu gelangen. Der klapprige Local Bus ist mit Reissäcken ausgelegt, über die alle zu ihren zugewiesenen abgewetzten Sitzplätzen klettern müssen. Im hinteren Teil des Busses stapeln sich Paletten mit Eiern und anderen Lebensmitteln sowie unsere Rucksäcke. Wir sind die einzigen Ausländer und werden entsprechend interessiert und misstrauisch beäugt. Bevor es los geht spricht der Busfahrer über das Lenkrad gebeugt ein kurzes Gebet, dann setzt er sein Fernfahrerkäppie auf, zündet sich eine Kippe an und rangiert den uralten chinesischen Bus mit vollem Körpereinsatz erstmal zur Tankstelle und raus aus der Stadt.

Das mit dem Beten kommt wohl nicht von ungefähr, denn als wir den ersten Pass auf schlechter Straße erfolgreich hinter uns gebracht haben, tut sich der Blick auf einen weiteren, größeren und noch steileren Gebirgspass auf, auf dem unzählige LKWs, Pickups und Busse bewegungslos in einer kilometerlangen Schlange stehen. Nichts geht mehr und das für mehrere Stunden.

Stundenlanges Warten auf der einzigen Verbindungsstraße

Die Kneipen an der Straße sind auf den Megastau bestens vorbereitet: Es gibt Bremsklötze zum Ausleihen, während sich die Fahrer die Wartezeit bei einem zweifelhaften Bier-Whisky-Gemisch vertreiben. Unser Fahrer gehört beruhigender Weise nicht zu den Trinkern. Obwohl wir uns schon fragen, woher er den Mut nimmt, als er etwa 2,5 h später den Bus beherzt mit Schmackes vorbei an den stehenden LKWs und den Zuschauern den Berg entlang um eine steile Haarnadelkurve bugsiert – mit Erfolg. Wir waren die ganze Zeit über bereits wie auf Kohlen gesessen und sind entsprechend erleichtert, als es endlich weiter geht. Schließlich müssen wir nachmittags noch den letzten Zug nach Thazi erreichen.

Von Thazi aus geht es morgens um 6h mit der Bummelbahn nach Kalaw weiter. Wir sind mal wieder die einzigen Ausländer und haben uns den Luxus eines Tickets für die Upper Class gegönnt, wobei Upper Class für diesen Zug nur bedeutet, dass wir, statt direkt auf Holz, auf einem dünnen, durchgesessenen Schaumstoffbezug Platz nehmen dürfen. Der Dreck inklusive einer Maus auf Futtersuche ist derselbe wie in der Ordinary Class, doch die Aussicht auf die bergige Landschaft lenkt auch von unseren schmerzenden Hintern ab.

Im Zickzack schnauft sich die Diesellok die alte Bahntrasse hinauf, vorbei an kleinen Dörfern, vertrockneten Feldern, ein wenig wunderschönem Urwald und dem obligatorischen Müll. Die meisten Ortsschilder sind nur in Burmesisch beschriftet, eine Mischung aus Kreisen und Kringeln, sodass wir keine Ahnung haben, wo wir uns jeweils befinden. Fahrpläne sind laut Reiseführer als „Hoffnungsmanifeste“ zu verstehen, was wir durchaus bestätigen können. Stundenlange Verspätungen sind eher die Regel, als die Ausnahme.

Hochbetrieb an den Dorfbahnhöfen

Da pro Tag nur zwei Züge durch die Dörfer kommen, herrscht bei der Einfahrt in die Bahnhöfe jedesmal Hochbetrieb. Frauen und Kinder verkaufen Snacks, Gemüse, Obst oder Blumen, während Männer die bunte Fracht aus Reissäcken, Tontöpfen und vollgestopften Körben in den Zug ein- und ausladen. Die dargebotenen Snacks kann man zwar essen, meist sind sie jedoch vor Fett triefend und geschmacklich keine Sensation. Den Magen haben wir uns damit auf jeden Fall verdorben. Wovon man als Tourist definitiv Abstand halten sollte: Die Löffel, die unterwegs zu manchen Gerichten gereicht werden, sammelt die Verkäuferin nach Benutzung wieder ein, wischt sie kurz an einem speckigen Tuch ab und gibt sie wenig später an die nächsten Esser weiter. Lecker!

Nach acht Stunden rumpeliger Fahrt (sechs waren angesetzt) sind wir dann doch froh, als wir endlich im Städtchen Kalaw eintreffen, das ein beliebter Ausgangspunkt für Trekking-Touren ist. Wir kurieren jedoch erst einmal unsere Magenverstimmung aus und werden anschließend die nähere Umgebung erkunden.

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