Kambodscha: Rund um Siem Reap

Solche und andere Arten von Prothesen begegnen einen auch heute noch überall in Kambodscha. Jede Armee hat ihre eigenen Minen gelegt und natürlich nicht wieder ausgegraben als sie nach Kriegsende das Land verließ. Das internationale Abkommen über das Verbot von Landminen wurde unter anderem von den größten Waffenherstellernationen bis jetzt nicht unterzeichnet. Darunter so klangvolle Namen wie China, Russland und den USA.

Solche und andere Arten von Prothesen begegnen einem auch heute noch überall in Kambodscha. Jede Armee hat ihre eigenen Minen gelegt und natürlich nicht wieder ausgegraben, als sie nach Kriegsende das Land verließ. Das internationale Abkommen über das Verbot von Landminen wurde unter anderem von den größten Waffenherstellernationen bis heute nicht unterzeichnet. Darunter so klangvolle Namen wie China, Russland und die USA.

 

Das Land hat aber noch ein großes Problem: Die Müllentsorgung! Was nicht einfach, begleitet von einem bestialischen Gestank, an Ort und Stelle verbrannt wird, landet in den Gewässern oder wird einfach irgendwo entsorgt.

Das Land hat noch ein weiteres großes Problem: Die Müllentsorgung! Was nicht einfach – begleitet von bestialischem Gestank – an Ort und Stelle verbrannt wird, landet in den Gewässern oder wird einfach irgendwo in der Landschaft entsorgt.

 

Unter Umständen leben die Menschen dann mitten im Müll und Dreck, obwohl es sehr schön sein könnte. Der Gestank ist atemberaubend und wir kippen beinahe vom Moped.

Unter Umständen leben die Menschen dann mitten in Müll und Dreck, obwohl es sehr schön sein könnte. Der Gestank ist atemberaubend und wir kippen beinahe vom Moped.

 

Gleich daneben erscheint alles sehr schön Grün und wie ein Idyll. Aber überall werden Öl, Fäkalien und anderer Unrat einfach ohne Gedanken an die Umwelt und die Zukunft ihrer Kinder entsorgt.

Gleich daneben erscheint alles sehr schön, grün und fast idyllisch. Trotzdem werden Öl, Fäkalien und anderer Unrat einfach ohne Gedanken an die Umwelt und die Zukunft ihrer Kinder entsorgt.

 

Dann ist so ein Arbeitsplatz nicht nur sehr feucht und unangenehm, sondern auch extrem gefährlich.

Dann ist so ein Arbeitsplatz nicht nur sehr feucht und unangenehm, sondern auch extrem gefährlich.

 

Man hat das Gefühl, dass in diesem Land alles mit Zweirädern oder ähnlichen Fortbewegungsmitteln transportiert wird...und das ständig und überall. Hier ist die Neckermann-Frau gerade auf dem Weg ins Hinterland. Nicht im Bild die Tupper-Dame und die AVON-Beraterin.

Man hat das Gefühl, dass in diesem Land alles mit Zweirädern oder ähnlichen Fortbewegungsmitteln transportiert wird – und das ständig und überall. Hier ist die Neckermann-Frau gerade auf dem Weg ins Hinterland. Nicht im Bild: die Tupper-Dame und die Avon-Beraterin.

 

Der Döner-Mann beweist Frische bei der Lieferung seines Fleisches. Garantiert kein Pferdefleisch

Der Döner-Mann beweist Frische bei der Lieferung seines Fleisches. Garantiert kein Pferdefleisch!

 

Die Feuerholzlieferung direkt vor die Tür.

Die Feuerholzlieferung erfolgt direkt vor die Tür.

 

Mist, Schulbus verpasst. Jetzt heißt es schwitzen.

Mist, Schulbus verpasst. Jetzt heißt es schwitzen.

 

Der nette Herr von „Pflanzen-Huber“ liefert die neuen Gartenwerkzeuge und frisches Quellwasser.

 

Jetzt wissen wir auch, warum Kambodscha in manchen Kreisen noch immer als „gefährlich“ gilt. Eine falsche Bremsung oder ein Ausweichmanöver und das Ding geht ab wie ein Torpedo.

 

Ikea-Liefer-Service. Mit Aufbauanweisung versteht sich.

Ikea-Liefer-Service. Mit Aufbauanweisung versteht sich.

 

Auch ein Tuk-Tuk-Fahrer muss mal zum Schröpfen. Danach noch kurz das Essen in der Tüte mitgenommen und ab nach Hause.

Auch ein Tuk-Tuk-Fahrer muss mal zum Schröpfen. Danach noch kurz das Essen in der Tüte mitgenommen und ab nach Hause.

 

Auf dem Weg kann man sich ja noch eine Melone mitnehmen. Die sind, wie ja deutlich zu erkennen ist, nach Größen/Preisen sortiert. 30 mittelgroße Exemplare kosten ungefähr 8 US$.

Auf dem Weg kann man sich ja noch eine Melone mitnehmen. Die sind, wie deutlich zu erkennen, nach Größen bzw. Preisen sortiert. 30 mittelgroße Exemplare kosten ungefähr 8 US$.

 

It a long way back home.

It’s a long way back home.

 

Da muss man mit allem auf der Straße rechnen. Diese Tierchen sind definitiv stärker als unser Moped.

Da muss man mit allem auf der Straße rechnen. Diese Tierchen sind definitiv stärker als unser Moped.

 

So sieht nahezu alles links und rechts der Nebenstraßen aus. Besonders die Bäume und Häuser sind mit einer feinen Sandschicht bedeckt.

So sieht nahezu alles links und rechts der Nebenstraßen aus. Besonders die Bäume und Häuser sind mit einer feinen, roten Sandschicht bedeckt.

 

Die Damen haben leider Feierabend. Schade, eine gegrillte Banane hätte noch Platz.

Die Verkaufsdamen haben leider schon Feierabend. Schade, eine gegrillte Banane hätte noch Platz im Magen.

 

Zum Glück kann mir unser Stamm-Bananenmann noch ein paar drauflegen.

Zum Glück kann mir unser Stamm-Bananenmann noch ein paar drauflegen.

 

Mittagspause an der High School.

Mittagspause an der High School

 

Der Bayon. Sehr beeindruckend und wunderschön-wenn keine Touristen darauf rumkraxln.

Der Bayon bei Angkor Wat. Sehr beeindruckend und wunderschön – wenn keine Touristen darauf rumkraxln.

 

Genauso schön und beeindruckend ist Ankor Wat. Am Hintereingang ist am wenigsten los.

Genauso schön und beeindruckend ist Ankor Wat. Am Hintereingang ist am wenigsten los.

 

Die kleineren und weniger frequentierten Tempel halten oftmals auch ein paar schöne Motive bereit.

Die kleineren und weniger frequentierten Tempel halten oftmals auch ein paar schöne Motive bereit.

 

Einen krassen Gegensatz zu der ruhigen Tempelanlage am frühen Morgen bildet am Abend die Pub-Street. Jedes Kind kennt den Weg mit verbundenen Augen dorthin.

Einen krassen Gegensatz zu der ruhigen Tempelanlage am frühen Morgen bildet am Abend die Pub-Street von Siem Reap. Jedes Kind kennt den Weg mit verbundenen Augen dorthin, leider.

 

Unsere letzte kostenfreie Fahrt durch die Tempelanlage mit dem NGO-Ausweis zur Schule. Da muss nochmal ein Erinnerungsbild vor dem Haupttor von Ankor Thom geschossen werden.

Am Tag unserer letzten kostenfreien Fahrt durch die Tempelanlage mit dem NGO-Ausweis zur Schule nach Peak Sneng. Da muss nochmal ein Erinnerungsbild vor dem Haupttor von Ankor Thom geschossen werden.

 

Servus und goodbye Kambodscha, jetzt liegt Myanmar vor uns.

Servus und Goodbye Kambodscha, jetzt liegt Myanmar vor uns.

 

 

 

 

 

Angkor Thom Junior High School

Willkommen an der Ankor Thom Junior High School (JHS).

Willkommen an der Angkor Thom Junior High School (JHS)!

 

Die Schulflagge hängt zu Ehren der Kremierung des ehemaligen Königs auf Halbmast.

Die Schulflagge weht zu Ehren der Kremierung des ehemaligen Königs auf Halbmast…wenn denn mal Wind aufkommt.

 

Das neue Boardinghouse bietet viel mehr Platz.

Das neue Boardinghouse bietet viel mehr Platz als der eingeschossige Altbau. Jetzt können mehr bedürftige Schüler gut untergebracht werden.

 

Das Toilettenhaus der Schülerinnen und Schüler hinter dem Hauptgebäude.

Das Toilettenhaus der Schülerinnen und Schüler hinter dem Hauptgebäude

 

Das Toiletten- und Waschhaus für die Lehrer und die im Boardinghouse untergebrachten Schülerinnen und Schüler.

Das Toiletten- und Waschhaus für die Lehrer und die im Boardinghouse untergebrachten Schülerinnen und Schüler

 

Der hintere Küchenbereich mit dem Turm für den Wasserspeicher um das notwendige Gefälle gewährleisten zu können.

Der hintere Küchenbereich mit einem Turm für den Wasserspeicher.

 

Die neue Wasserstelle, die nun zusätzlich Wasser für die Toiletten und der Küchenbereich bereitstellen soll. Gerade wenn die Stromversorgung für die Pumpe nicht ausreicht eine notwendige Erweiterung.

Die neue Wasserstelle, die nun zusätzlich Wasser für die Toiletten und den Küchenbereich bereitstellt. Gerade wenn die Stromversorgung für die WasserPumpe nicht ausreicht eine notwendige Erweiterung.

 

Die beiden großen mit Holz betriebenen Kochstellen. Das Essen ist lecker und bekommt von uns durchweg gute Noten.

Die beiden großen mit Holz betriebenen Kochstellen: Das Essen ist lecker und bekommt von uns durchweg sehr gute Noten.

 

Der Abwasch- und Handreinigungsbereich. Hier herrscht nach dem Essen immer Hochbetrieb.

Der Abwasch- und Handreinigungsbereich. Hier herrscht nach dem Essen immer Hochbetrieb.

 

Der große und einladende Kantinenbereich. Hier wird gegessen, geplaudert und hier finden alle großen Besprechungen statt.

Der große und einladende Kantinenbereich. Hier wird gegessen und geplaudert, außerdem finden hier alle großen Besprechungen statt.

 

Die Einfahrt zu dem wirklich großen schuleigenen Garten.

Die Einfahrt zu dem wirklich großen und schönen schuleigenen Garten: Hier werden neben Bananen, Papaya und den für die Region typischen Obstbäumen demnächst auch Moringabäume angepflanzt. Versuche weitere vitaminreiche Sorten zum Gedeihen zubringen sind geplant. Ein schwieriges Unterfangen bei dem harten und trocknen Boden.

 

...zu dem Gelände gehört auch ein reichhaltiger angelegter Gemüsegarten. So kommt gesunde Abwechslung auf dem Tisch.

Zu dem Gelände gehört auch ein reichhaltig angelegter Gemüsegarten. So kommt gesunde Abwechslung auf dem Tisch.

 

Heute steht Gartenarbeit auf dem Programm. Mr. Savourn teilt die einzelnen Gruppen ein, damit es nicht so ein Durcheinander wird.

Heute steht Gartenarbeit auf dem Programm. Mr. Saveourn teilt die einzelnen Gruppen ein, damit es später nicht so ein Durcheinander gibt.

 

Alles hört auf mein Kommando!

Alles hört auf mein Kommando!

 

...und auf Stefanies natürlich auch!

…und auf Stefanies natürlich auch!

 

He, was heißt hier halbe Portion?

He, was heißt hier halbe Portion?

 

Auch wir haben neben der wichtigen Aufsichtsarbeit unsere Aufgaben neben bekommen. Mr. Sokhea, Vichhay, Cheourm und ich.

Auch wir haben neben der wichtigen Aufsichtsarbeit unsere Aufgaben: Cheourm, Vichhay, Mr. Sokchea und ich.

 

Hinterher sieht alles sehr schön und ordentlich aus - gut gemacht

Hinterher sieht alles sehr schön und ordentlich aus – gut gemacht!

 

Es sind auch neue Beete entstanden, auf denen man die geplanten Neupflanzungsversuche durchführen kann.

Außerdem sind neue Beete für weitere Test-Pflanzungen entstanden. Aber erst einmal müssen darauf Rasen und Stroh kompostiert werden, da der Boden noch zu unfruchtbar und trocken ist.

 

Leider ist bei den Arbeiten auch eine Wasserleitung beschädigt worden. Zum Glück kommt am nächsten Tag der Bürgermeister vorbei, mit dem ich gleich mal den Schaden repariere. Ein Mann der Tat und mit guten Beziehungen zum ortsansässigen Laden für Wasserzubehör.

Leider ist bei den Arbeiten auch eine Wasserleitung beschädigt worden. Zum Glück kommt am nächsten Tag der Bürgermeister vorbei, mit dem ich gleich mal den Schaden repariere. Ein Mann der Tat und mit guten Beziehungen zum ortsansässigen Laden für Wasserzubehör. Danke Mr. Claude!

 

Zum Dank, wenn wir mal wieder hilfreich waren, läßt Mr. Savourn frische Maniokwurzel für uns schälen und kochen. Superlecker und eine große Geste, da es tatsächlich das Einzige ist was er hat und uns geben kann.

Zum Dank, wenn wir mal wieder hilfreich sein konnten, lässt Mr. Saveourn frische Maniokwurzel aus seinem Privatbestand für uns ausgraben, schälen und kochen. Superlecker und eine große Geste, da es tatsächlich das Einzige ist, was er hat und uns geben kann.

 

Vorbereitungen auf die Deutschstunde.

Vorbereitungen auf die Deutschstunde

 

Die Deutschklasse schlägt sich tapfer bis zum letzten Tag.

Die Deutschklasse schlägt sich tapfer bis zum letzten Tag, nur die beiden Jungs kommen leider zu spät und fehlen auf dem Foto.

 

Stefanie sorgt nicht nur bei der Aussprache im Englischunterricht für Abwechslung.

Stefanie sorgt nicht nur bei der Aussprache im Englischunterricht für Abwechslung.

 

Heute steht ein Foto-Shooting für die Patenkinder auf dem Programm. Sieht doch recht professionell aus.

Heute steht ein Foto-Shooting für die Patenkinder auf dem Programm. Sieht doch recht professionell aus!

 

In den Mittagspausen wird von den Schülern der Rasen gewässert...und meistens nicht nur der...

In den Mittagspausen wird von den Schülern der Rasen gewässert – und meistens nicht nur der…

 

Wir zeigen unsere Familienfotos und Fotos von Freunden, Deutschland, Schnee und Bergen. Für Mr. Savourn, der bis jetzt nie aus Kambodscha raus kam, Bilder aus einer anderen Welt und besonders Schnee und Berge interessieren ihn sehr.

Wir zeigen unsere Familienfotos und Fotos von Freunden, Deutschland, Schnee und den Bergen. Für Mr. Saveourn, der bis jetzt nie aus Kambodscha raus gekommen ist, Bilder aus einer anderen Welt. Besonders Schnee und Berge interessieren ihn sehr.

 

Vielen Dank Mr. Chhoy für die tolle Unterstützung. Es hat richtig viel Spaß gemacht und hoffentlich sieht man sich bald wieder.

Vielen Dank Mr. Chhoy für die tolle Unterstützung! Es hat richtig viel Spaß gemacht und hoffentlich sieht man sich bald wieder.

 

Freiwilligenarbeit: Es gibt noch mehr zu tun

Im Rahmen unserer Freiwilligenarbeit kümmern wir uns neben der Angkor Thom Junior Highschool um einige weitere Aufgaben, die der Verein Hilfe für Kinder in Kambodscha unterstützt. Dazu zählt zum Beispiel die Familie der geh- und sprechbehinderten 13jährigen Sreynit.

Ihre Familie gehört zu den sogenannten Seenzigeunern, die auf dem Tonle-Sap-See in Hausbooten als Fischer leben. Seit einiger Zeit wohnt Sreynit jedoch mit ihrer Mutter und ihren drei kleinen Geschwistern am Rand von Siem Reap in einem neuen Holzhaus, das Gerlinde Zinkeisen von Hilfe für Kinder in Kambodscha für die Mädchen hat bauen lassen. Der Stiefvater hat Hausverbot, da er trinkt und des Öfteren gewalttätig wird. Trotzdem ist er auf dem Nachbargrundstück bei seiner Schwägerin, als wir vorbeischauen, und blickt uns grimmig entgegen.

Kein Zuhause zum Wohlfühlen

Das Grundstück der Schwägerin ist total vermüllt, Hühner, Enten und Hunde laufen überall herum und verteilen den Dreck noch mehr, zum Teil stehen Töpfe und Teller mit Essensresten in der sengenden Hitze, auf denen die Fliegen herumkrabbeln. Mittendrin sitzt Sreynit auf einer Pritsche und lächelt, als wir auf sie zukommen. Ihre Kleidung ist verdreckt, an Händen und Füßen hat sie einen schlimmen Ausschlag, ihre Bewegungen sind durch spastische Lähmungen eingeschränkt. Da sie sprechbehindert ist, kann sie sich außer über ihre Mimik leider nicht mitteilen.

Daneben steht etwas benommen ihre kleine Schwester mit aufgeblähtem Bauch, vermutlich hat sie Würmer. Nur das zweitälteste Mädchen macht einen gesunden und aufgeweckten Eindruck, wobei sie wie ihre Geschwister schmutzig ist und zerschlissene Kleidung trägt. Das kleinste Baby wird gerade von der Mutter im Stehen gestillt, die einen verhärmten und unglücklichen Eindruck macht. Sie ist offensichtlich überfordert und es ist ihr deutlich unangenehm, dass wir die Familie und ihr Zuhause in diesem verwahrlostem Zustand antreffen. Wir fühlen uns wie Eindringlinge und zugleich hilflos, als wir mit der Mutter versuchen zu sprechen (mithilfe einer Nachbarin, die Englisch kann) und ein wenig mit den Kindern spielen.

Nach unserem Besuch treffen wir uns mit zwei Mönchen der kambodschanischen Partnerorganisation Life and Hope Association, die die Familie regelmäßig mit kostenlosem Reis unterstützen und die Umstände kennen. Sie stellen uns ein Tuk Tuk und einen Fahrer zur Verfügung, um Sreynit und ihre kranke Schwester ins Krankenhaus zu bringen. Zwei Englisch sprechende Mädchen aus dem Nachbarhaus begleiten uns, die sich auch sonst zusätzlich um Sreynit kümmern, etwa um sie zu waschen, wenn die Mutter es von sich aus mal leider wieder nicht tut.

Besuch im Kantha Bopha Kinderkrankenhaus

In das Krankenhaus der Kantha-Bopha-Stiftung, in dem Kinder kostenlos versorgt werden, lassen sie uns als Ausländer nicht mit hinein. Also warten wir draußen bis wenig später die Familie wieder zurückkommt. Die Mutter hat eine Tüte voller Medikamente und Vitamine bekommen, die gegen Würmer und andere Parasiten helfen sollen. Als wir mit dem Tuk Tuk durch die Stadt zurück zum Haus fahren, strahlen Sreynit und ihre Mutter um die Wette und genießen sichtlich die Fahrt. Für uns ist es das erste Mal überhaupt, dass wir die Frau lächeln sehen. Bleibt zu hoffen, dass sie die Medikamente auch tatsächlich regelmäßig verabreicht, damit sie wirken können.

Ein paar Stunden später fahren wir nochmals ins Kantha Bopha, um Blut zu spenden. Diesmal werden wir problemlos ins Krankenhaus hineingelassen. Wir erfahren, dass heute bereits acht weitere Ausländer Blut gespendet haben, der Bedarf jedoch weit höher liege.

Zuwachs für das Health Center von Peak Sneng

Ein weiteres Projekt, das Hilfe für Kinder in Kambodscha unterstützt, ist die Vergrößerung des Health Centers von Peak Sneng. Bislang besteht das Health Center nur aus zwei kleinen Gebäuden, die nicht ausreichen, um den medizinischen Bedürfnissen der rund 9.000 Seelen-Gemeinde gerecht zu werden – ganz abgesehen davon, dass die Ausstattung und der Zustand vor allem der sanitären Anlagen in keinem Vergleich zu denen an deutschen Krankenhäusern steht. Ein Arzt ist wohl nur ein Mal pro Woche anwesend, ansonsten liegt die medizinische Versorgung in den Händen der örtlichen Krankenschwestern.

Deshalb ist es für uns besonders spannend, bei den Vertragsverhandlungen für den Bau eines weiteren Gebäudes dabei sein zu dürfen, das der Verein mit finanziellen Mitteln unterstützt. Vor dem bestehenden Gebäude wird ein Tisch im Schatten aufgestellt, um den sich der Community Chief, der Bürgermeister von Peak Sneng, der Leiter des Health Centers, eine Krankenschwester, Siggi (Siegfried Zinkeisen) als Vertreter des Vereins, Mr. Chhoy und wir uns reihen. Mr. Chhoy spricht als einziger Englisch und Khmer und vermittelt zwischen deutschen und kambodschanischen Vertretern.

Nachdem sich die Verantwortlichen auf die Details verständigt haben, etwa in wie weit sich die Gemeinde einbringt und mit welchen Kosten maximal zu rechnen ist, werden die wichtigsten Vertragspunkte zu Papier gebracht, ein Stempelkissen wird gezückt und nacheinander setzen der Community Chief, der Bürgermeister und Siggi ihren Daumenabdruck unter das Dokument. Ein weiterer Händedruck und ein Beweisfoto machen den Deal perfekt, nur wenige Tage später beginnen die Bauarbeiten.

Eine Schule für Steinmetze und Näherinnen

Noch nicht ganz so weit gediehen sind die Pläne, eine Schule für Steinmetze und Näherinnen in Peak Sneng zu bauen, um weiteren Schülern und Schülerinnen eine berufliche Perspektive zu ermöglichen. Wir schauen uns das Grundstück an, um einen Eindruck zu bekommen, wie das Gebäude aussehen könnte, das jeweils einen Raum für die Steinmetze und Näherinnen, einen kleinen Laden sowie Schlaf- und Waschräume für Lehrer und Schüler von außerhalb umfassen soll. Zudem stellt Kai erste Überlegungen an, was die elektrische Ausstattung und Versorgung des Gebäudes betrifft.

Als unser Aufenthalt in Kambodscha zu Ende geht, haben wir zusammen mit Mr. Chhoy einen ersten Entwurf erarbeitet, wie das neue Gebäude aussehen könnte, und sind natürlich auf die weitere Umsetzung sehr gespannt.

Peak Sneng – Ein Dorf abseits des Tempeltourismus

Nicht nur für uns wird der tägliche Schulweg zu einer staubigen Angelegenheit.

Nicht nur für uns wird der tägliche Schulweg zu einer staubigen Angelegenheit. Zum Teil geht es nur noch neben der Straße weiter, da sich ein LKW an den nächsten reiht.

 

Willkommen in Peak Sneng.

Willkommen in Peak Sneng!

 

Die Tankstelle wurde auch für uns schon zum rettenden Strohhalm, um zurück in die Stadt zu kommen.

Diese Tankstelle wurde auch für uns schon zum rettenden Strohhalm, um mit dem Moped zurück in die Stadt zu gelangen.

 

Die Ortsmitte mit einigen Einkaufsmöglichkeiten.

Die Ortsmitte mit einigen Einkaufsmöglichkeiten.

 

Die Peak Sneng Primary School, die der Verein "Hilfe für Kinder in Kambodscha" Dank einiger Sponsoren ebenfalls unterstützt, etwa beim Bau eines neuen Gebäudes.

Die „Peak Sneng Primary School“, die der Verein „Hilfe für Kinder in Kambodscha“ Dank einiger Sponsoren ebenfalls unterstützt, etwa beim Bau eines neuen Gebäudes.

 

Eine Versammlung für die offizielle Überreichung der neuen Uniformen für die Lehrer. Siegfried (Siggi) Zinkeisen ergreift das Wort.

Siegfried (Siggi) Zinkeisen, Vorsitzender des Vereins, übergibt offiziell das neue Gebäude und die neuen Uniformen für die Lehrer.

 

Aber die Besucher, der zum Teil von hinten ein paar Fotos macht, ist auch interessant.

Aber die Besucher, die von hinten ein paar Fotos machen, sind auch interessant.

 

Danach geht der Unterricht für die ganz Kleinen weiter.

Danach geht der Unterricht für die ganz Kleinen weiter.

 

Der von "Hilfe für Kinder in Kambodscha" gesponserte Neubau eines Notfallraumes im örtlichen Health Center geht voran, hier gerade mal 3 Wochen nach Vertragsunterzeichnung und einer handgemalten Skizze. So schnell kann es gehen, wenn die Notwendigkeit gegeben ist und die entsprechenden Mittel zur Verfügung stehen.

Der von „Hilfe für Kinder in Kambodscha“ gesponserte Neubau eines Notfallraumes im örtlichen Health Center geht voran, hier gerade mal drei Wochen nach der Vertragsunterzeichnung und einer handgemalten Skizze. So schnell kann es gehen, wenn die Notwendigkeit gegeben ist und die entsprechenden Mittel zur Verfügung stehen.

 

Der Krankenwagen des Health Centers.

Der Krankenwagen des Health Centers.

 

Der Ortsausgang von Peak Sneng. Von hier aus sind es noch fünf Minuten Sandpiste bis zur Angkor Thom Junior High School.

Der Ortsausgang von Peak Sneng. Von hier aus sind es noch fünf Minuten Sandpiste bis zur Angkor Thom Junior High School.

 

Als Freiwillige an der Angkor Thom Junior Highschool

In den vier Wochen, in denen wir als Volunteers an der Angkor Thom Junior Highschool arbeiten, führt morgens unser erster Weg meist zu Mr. Chhoy, der sich als General Manager um alle Belange der Schule, des Boardinghauses und des dazugehörigen Grundstücks samt Garten kümmert, die nichts mit dem Lehrbetrieb zu tun haben. Mr. Chhoy ist auch das Bindeglied zwischen dem deutschen Verein Hilfe für Kinder in Kambodscha und der kambodschanischen Partnerorganisation Life and Hope Association, die ebenfalls in die Verwaltung der Schule involviert ist.

Leider haben die deutsche und kambodschanische NGO zum Teil recht unterschiedliche Vorstellungen, was beispielsweise von den Schülern verlangt werden kann oder was die Ausstattung und Versorgung betrifft. Das macht es nicht immer einfach, bestimmte Dinge zu ändern oder umzusetzen, doch ohne einen Partner vor Ort würde man sich als ausländische Organisation vermutlich noch schwerer tun. Mr. Chhoy spricht sehr gut Englisch, besitzt die richtige Portion Humor und ist unser Ansprechpartner Nr. 1 vor Ort, wenn es darum geht zu diskutieren und zu beschließen, was verbessert werden kann und was gemacht werden muss.

Es gibt viel zu tun

In den ersten beiden Wochen ist auch Siegfried Zinkeisen (von allen Siggi genannt), der Gründer und Vorsitzende von Hilfe für Kinder in Kambodscha mit uns vor Ort. Zusammen mit seiner Frau Gerlinde ist er die treibende Kraft des Vereins. Mit unglaublichem Engagement, Herzblut, Zeit, Geld und Energie sind sie seit dem ersten Tag bemüht, das Leben der Kinder und einiger anderer in Peak Sneng um einiges besser zu machen. Durch die Zusammenarbeit mit Siggi bekommen wir einen guten Überblick über die bisherigen und zukünftigen Aktivitäten der Organisation, aber auch die Schwierigkeiten, mit denen die deutsche NGO in Kambodscha zu kämpfen hat. Mit Gerlinde kommunizieren wir täglich per Email über offene Fragen, anstehende Aufgaben und Fortschritte – und es gibt jede Menge zu tun.

An der Angkor Thom Junior Highschool unterrichten derzeit elf Lehrer, die zum Teil wie einige Schüler vor Ort im Boardinghaus leben. Die Kommunikation mit ihnen ist nicht ganz einfach, da einige von ihnen kein oder nur ganz wenig Englisch sprechen (und wir kein Khmer) oder sie sich nicht wirklich trauen, sich mit uns zu unterhalten. Leider spricht auch der Schulleiter kein Englisch, sodass er immer darauf angewiesen ist, dass jemand übersetzt, worüber wir gerade sprechen. Übersetzungshilfe kommt zum Glück meistens von Herrn Sokchea, dem Englischlehrer, der sich von allen Lehrern am meisten engagiert, uns bei allen Anliegen unglaublich unterstützt und ein sehr modernes Verständnis vom Umgang zwischen Schülern und Lehrern hat, das man in Kambodscha bislang wohl eher selten findet.

Zur Schule gehen – für manche Schüler Luxus

Die rund 230 Schüler, die sich auf sechs Klassen der Stufen 7 bis 9 verteilen, kommen aus den umliegenden Dörfern. Einige, deren Familien weiter weg leben, deren Familien sehr arm sind, selbst Waisen oder Halbwaisen sind, können kostenlos im Boardinghaus neben der Schule wohnen. Um die Eltern zu motivieren, ihre Kinder tatsächlich zur Schule gehen zu lassen, statt sie wie oft üblich als Arbeitskraft einzusetzen, gibt es für alle Schüler kostenloses Frühstück und Mittagessen sowie Schuluniformen. Über die kambodschanische Organisation erhalten besonders bedürftige Familien zusätzlich Unterstützung in Form von 15kg Reis pro Monat. Die tägliche Versorgung der rund 250köpfigen Mannschaft ist ein kleines Meisterwerk der Köchinnen, da sie alle Speisen in großen Töpfen auf dem Holzfeuer zubereiten. Strom in der Küche? Fehlanzeige. Die Schule besitzt zwar eine Solaranlage, der Strom reicht allerdings nur für den Betrieb der Wasserpumpe, für den Computerunterricht und Elektrizität im Boardinghaus – doch je nach Verbrauch nur bis etwa 22h, danach ist es zappenduster.

Die Strom- und Wasserknappheit, Mängel an Installationen sowie andere technische Probleme auf dem gesamten Schulareal sind nur einige der Aufgaben, um die sich Kai neben dem Schulgarten vornehmlich während unseres Aufenthalts kümmert. Fast an jeder Ecke findet sich etwas, das repariert, aufgeräumt oder entsorgt werden könnte, um mehr Platz zu schaffen, Dinge besser zu nutzen oder sicherer zu gestalten. Es gibt zwar einen Hausmeister, der sich um solche Reparaturen eigentlich kümmert, doch offensichtlich liegen die kambodschanischen und deutschen Vorstellungen, was die Themen Wartung und Instandsetzung, Ordnung und Sicherheit betrifft, weit auseinander.

Selbstversorgung durch den Schulgarten

Einen Teil der Lebensmittel, der für die Versorgung der Schüler und Angestellten benötigt wird, kommt aus dem schuleigenen Garten, um den sich hauptsächlich Mr. Saveourn und Mr. Vansak kümmern. Auch bei den Schülern steht das Fach „Agriculture“ wöchentlich auf dem Stundenplan, bei dem sie im Garten mithelfen und mehr über Gemüse, Obst und andere Gewächse lernen. Die Klassen pflanzen hinter dem Schulgebäude außerdem selbst Gemüse wie Morning Glory an, das sie an die Schulküche verkaufen und somit ein wenig Taschengeld verdienen.

Da ein großer Teil des Schulgartens noch unbestellt ist, beschließen wir zusammen mit Mr. Chhoy, am nächsten Freitag einen Gartentag einzulegen, an dem die Schüler zusammen mit ein paar externen Arbeitern mit anpacken sollen. Am Freitag Morgen erscheinen die Schüler zwar, allerdings in ihren weiß-blauen Uniformen, die sich zur Gartenarbeit einfach nicht eignen. Ihnen hat niemand Bescheid gesagt, dass heute Gartenarbeit ansteht. Ob der Schulleiter die Lehrer nicht informiert hat oder die Lehrer nicht die Schüler oder ob der Schulleiter selbst davon nichts wusste?

Startschwierigkeiten bei der Gartenaktion

Wir können es nicht herausfinden, jeder schiebt die Schuld dem anderen zu, sodass die ganze Aktion leider einen entsprechend schlechten Start hat. Nichtsdestotrotz teilt Mr. Chhoy Schüler und Lehrer in Gruppen ein und der Gärtner Mr. Saveourn verteilt die Arbeiten. Einige Schüler beginnen nun immerhin zu werkeln, allerdings immer sehr bemüht, ihre weiß-blauen Schuluniformen nicht schmutzig zu machen. Von den Lehrern legt leider nur Mr. Sokchea selbst Hand an, die anderen sitzen im Schatten und kümmern sich nicht darum, was die Schüler machen.

Nach eineinhalb Stunden unterbrechen wir die ganze Aktion, die Schüler werden nach Hause geschickt, um sich umzuziehen und Gartengeräte mitzubringen. Entsprechend gering ist die Motivation am Nachmittag, viele Schüler sitzen lieber nichtstuend herum oder spielen Ball, zertrampeln dabei ein paar Pflanzungen und zerstören letzten Endes auch noch eine Wasserleitung. Die Lehrer kümmert das leider gar nicht, tatsächlich tauchen nach der Pause nur drei Lehrer überhaupt wieder auf.

Entsprechend frustriert sind wir am Ende des Tages, wobei trotz allem zumindest die Grundlage für weitere Arbeiten gelegt ist. Ein Lichtblick sind die beiden älteren Jungs Vichhay und Cheourm, die uns bei der Aufgabenkoordination mit Übersetzen helfen und bei den Gartenarbeiten selbst mit Hand anlegen. Sie sind ebenfalls sichtlicht enttäuscht, vor allem von den Lehrern, die weder ihrer Rolle als Vorbild noch als Aufsichtsperson gerecht wurden. Wie den beiden geht es mehreren jungen Kambodschanern, die etwas verändern wollen, um ihr eigenes Leben und die Entwicklung des Landes voranzutreiben. Leider mangelt es oftmals an der Unterstützung oder den Möglichkeiten, eine fundierte Schulausbildung ist zumindest ein guter Anfang.

Schulunterricht auf kambodschanische Art

Englisch steht bei allen Klassen auf dem Stundenplan, sodass wir uns mit allen Schülern zumindest auf Englisch begrüßen und verabschieden können. Einige Schüler sprechen wirklich sehr gut Englisch und unterhalten sich mit uns über ihre beruflichen Pläne, das Leben in Kambodscha und was sie gerne ändern möchten. Da es sich bei der Angkor Thom Junior Highschool um eine staatliche Schule handelt, sind die Englisch-Lehrbücher, die das Bildungsministerium herausgibt, noch zum Teil von 1997. Ein Großteil des Unterrichts besteht aus gemeinsamem Wiederholen, wer aufgerufen wird oder etwas sagen möchte, muss aufstehen und bedankt sich mit gefalteten Händen vor der Brust, wenn der Lehrer das Ok zum wieder Setzen gegeben hat.

Richtige Wettkampfstimmung bricht dagegen aus, wenn Mädchen gegen Jungs an der Tafel antreten. Dann gibt es kein Halten mehr, die Schüler springen von ihren Bänken auf, klatschen in die Hände, rufen die (vermeintlich) richtige Lösung nach vorne und fiebern richtig mit. Generell läuft der Unterricht etwas lauter als in Deutschland ab, irgendwie ist immer eine Klasse am gemeinsamen Wiederholen, Fenster und Türen stehen aufgrund der Hitze sowieso offen und nicht selten schauen ein oder zwei Schüler von außen durchs offene Fenster ins Klassenzimmer, die gerade keinen Unterricht oder eine gute Ausrede haben. Weitere Abwechslung für den Englischunterricht bringt Stefanie, die mit ihrem seltsamen deutschen Akzent ein ganz anderes Englisch als der reguläre Lehrer spricht.

Ein paar besonders Mutige und der Englisch-Lehrer besuchen zudem den Deutschunterricht, den Stefanie während der Mittagspause gibt. Die Aussprache klappt überraschend gut, nur mit den Umlauten hapert es ein bisschen, sodass sie immer lieber „Auf Wiedersehen“ statt „Tschüss“ sagen. Am meisten Gelächter gibt es, wenn sie sich mit der deutschen Anrede „Herr“ und „Frau“ ansprechen sollen, um die Begrüßung zu üben. Trotz Umlaut ist ihr deutsches Lieblingswort „Gummibärchen“, welche natürlich am liebsten im Original getestet werden.

Kleiner Mann mit großem Herz

Während unseres Aufenthalts ist uns vor allem der spindeldürre Gärtner Mr. Saveourn ans Herz gewachsen. Da Kai ihm bei der Bestellung des Schulgartens tatkräftig unter die Arme greift und ihm ein paar neue Gartenwerkzeuge aus Siem Reap mitbringt, freut sich Mr. Saveourn so sehr, dass er uns in den nächsten Wochen immer mal wieder frischen Maniok, eine Art Süßkartoffel, aus seinem persönlichen Garten vor seiner Holzhütte auftischt. Maniok sei das einzige, was er geben könne, da er sonst nichts habe, übersetzt sein Sohn für uns, was wir gerne glauben.

Kommuniziert wird größtenteils mit Händen und Füßen, da er leider kein Englisch spricht. Außerdem versucht er unverdrossen und auf sehr herzliche Weise, uns ein paar Worte Khmer beizubringen. Wenn wir uns dann wieder fast die Zunge brechen, um einen Satz zu wiederholen, lacht Mr. Saveourn verständnisvoll, sodass man seine großen Zahnlücken sieht und redet unverdrossen weiter auf uns ein.

Dem Schicksal eine neue Richtung geben

Von den Menschen, die wir kennen lernen, hatten es einige in ihrem Leben oftmals nicht einfach, wie zum Beispiel Sohka, der mit seinen beiden Brüdern im Boardinghaus ein neues Zuhause gefunden hat, nachdem seine Mutter nach langer Krankheit gestorben ist. Nun möchte Sokha gerne Medizin studieren, um Arzt zu werden. Klassenbester in Chemie und Biologie ist er bereits. Ein ähnliches Schicksal teilt eine der Schülerinnen, die eine Ausbildung an der angeschlossenen Nähschule macht. Sie hat acht Jahre lang ihre bettlägerige Mutter gepflegt und sich um ihre jüngeren Geschwister gekümmert. Acht Jahre, in denen sie nicht zur Schule gehen konnte, sodass sie heute weder richtig schreiben noch lesen kann. Mit der Ausbildung zur Näherin, die der Verein ihr ermöglicht, kann sie künftig hoffentlich den Lebensunterhalt für sich und ihre Geschwister bestreiten.

Besonders mit Bopha, der geistig behinderten Tochter von Mr. Samnag, der aufgrund einer Kriegsverletzung selbst im Rollstuhl sitzt, hat es das Leben nicht immer gut gemeint. Da sie neben ihrer geistigen Behinderung nicht sprechen kann, war die Hemmschwelle für ihren Vergewaltiger wohl gering genug. Sie wurde schwanger und brachte einen gesunden Sohn zur Welt, um den sie sich aber nicht selbst kümmern kann. Glücklicher Weise sorgt sich heute die Mutter einer Schülerin um das Baby, deren eigene Tochter Dank der Unterstützung des Vereins eine lebensrettende Herz-Op in Deutschland erhalten hat.

Um viele wertvolle Erfahrungen reicher

Diese und ähnliche Schicksale machen uns bewusst, wie gut es uns wirklich geht und wie einfach wir es in unserem Leben haben. Doch nicht nur deswegen war unsere Zeit als Volunteer während unserer Auszeit eine ganz besondere Erfahrung, die uns sicherlich noch lange beeinflussen wird. Ein Monat ist natürlich viel zu kurz, um viel zu bewegen, längerfristige Projekte erfolgreich anpacken und umsetzen zu können. Auch ist es zu wenig Zeit, um die Leute, mit denen man zusammenarbeitet, näher kennen zu lernen oder die kambodschanische Mentalität und Gegebenheiten besser zu verstehen.

Auf jeden Fall sind wir Siggi und Gerlinde, dem Verein, Mr. Chhoy, den Lehrern und Schülern der Angkor Thom Junior Highschool sehr dankbar, dass sie uns diese großartige Gelegenheit gegeben haben, Kambodscha von einer ganz anderen Seite kennen zu lernen! Neben Siggi und Gerlinde möchten wir uns vor allem bei Mr. Chhoy, Mr. Sokchea, Mr. Savouen, Vichhay und Cheourm bedanken, die uns unglaublich unterstützt haben und unseren Aufenthalt zu etwas ganz Besonderem gemacht haben. Akun Trang und Sam Nang Laor (vielen Dank und viel Glück) – hoffentlich bis zu einem nächsten Mal!

Siem Reap: Endlich mal wieder selber am Herd stehen beim Khmer-Kochkurs

Die Vorspeise steht schon für die Zubereitung bereit.

Die Zutaten und die Messer stehen schon für die Zubereitung der Vorspeise bereit.

 

...und das auch noch

Auf die Plätze, fertig, los.

 

Für den Papayasalat muss ordentlich Hand angelegt werden.

Für den Papayasalat muss ordentlich Hand angelegt werden.

 

Der Meister am Werk.

Der Meister am Werk.

 

Danach sieht es so aus. Leider existiert kein Foto meines fertigen Papayasalates.

Danach sieht es so aus. Leider existiert kein Foto meines fertigen Papayasalates.

 

Danach wird die Hauptspeise zurecht geschnippelt.

Danach wird die Hauptspeise zurecht geschnippelt.

 

Die zweite Hauptspeise.

…auch noch Hauptspeise.

 

So schaut es hinterher aus, bevor es in den Mörser und in den Topf wandert.

So schauen die Zutaten hinterher aus, bevor sie in den Mörser und in den Topf wandert.

 

Ein ganzes Stück Arbeit.

Ein ganzes Stück Arbeit.

 

Die Meisterin an ihrem Werk.

Die Meisterin an ihrem Werk.

 

Das fertige Werk der großen Meisterin: Fresh Springrolls mit Erdnußsoße und Khmer Amok mit Huhn.

Das fertige Werk der großen Meisterin:
Fresh Springrolls mit Erdnußsoße und Khmer Amok mit Huhn.

 

Zu guter letzt ein Abschlussbild. Das klasse und hoffentlich klappt das Zuhause auch so gut.

Zu guter letzt ein Abschlussbild. Das war ein toller Vormittag und hoffentlich klappt das Kochen Zuhause auch so gut.

 

 

Raus aufs Land zur Angkor Thom Junior Highschool

Vier Wochen wollen wir als Freiwillige den deutschen Verein Hilfe für Kinder in Kambodscha unterstützen, so lange, wie unser Touristenvisum erlaubt. Den Kontakt haben wir über Kais Arbeitgeber Knorr-Bremse geknüpft, dessen Verein Global Care die Organisation beim Bau der Angkor Thom Junior Highschool 2007 finanziell unterstützt hat.

Die Angkor Thom Junior Highschool liegt etwas außerhalb des Dorfes Peak Sneng und ist unser zentraler Anlaufpunkt für diverse Aufgaben, mit denen wir uns einen Monat lang beschäftigen. Da wir in Peak Sneng selbst nicht wohnen dürfen, pendeln wir täglich von Siem Reap aus mit dem Moped zur Schule. Es sind nur 30 km, die das Dorf vom Touristenmekka Siem Reap entfernt ist, und doch liegt nur wenige Kilometer hinter den berühmten Tempelanlagen von Angkor Wat eine ganz andere Welt, die die wenigsten Touristen zu sehen bekommen.

Fahrtraining auf der Sandpiste

Das erste Stück der unbefestigten Straße verläuft schnurgerade, allerdings sehen wir meist nicht sehr weit, der rötliche Staub, den die LKWs aufwirbeln, hüllt alles regelmäßig in eine riesige Staubwolke. Die Sicht ist gleich Null, der Staub knirscht trotz Mundschutz auf unseren Zähnen, unser Moped drückt sich durch die zentimeterdicke Sandschicht, während Kai versucht, irgendeinen befahrbaren Weg durch die unzähligen Schlaglöcher zu finden ohne dabei anderen Moped- und Radfahrern oder Traktoren in die Quere zu kommen. Ab und an passieren wir ein mit Glöckchen behangenes Kuhgespann oder müssen einer zehnköpfigen Wasserbüffelherde ausweichen.

Noch voller wird es, wenn die Schüler der umliegenden Dörfer sich auf den Weg zu Schule machen oder auf dem Heimweg sind. Oftmals legen sie mehrere Kilometer auf der buckligen Schotterpiste zurück, meist auf klapprigen, viel zu großen Rädern, auf dem Gepäckträger noch ein kleines Geschwisterchen oder den Banknachbar balancierend. Wer kein Rad hat, geht zu Fuß, auch die allerkleinsten marschieren tapfer durch die Hitze, viele barfuß, da sie sich keine Schuhe leisten können. Allerdings gehen bei Weitem nicht alle Kinder zur Schule. Oftmals sehen wir, wie sie ihren Eltern auf dem Acker oder beim Fischen in schlammigen Wasserlöchern helfen, wenn sie eigentlich die Schulbank drücken sollten.

Leben entlang des Schlagloch-Highways

Rechts und links der Straße stehen größtenteils einfache Holzhäuser, dazwischen finden sich vereinzelt ein- oder zweistöckige Steinhäuser, die deutlich luxuriöser wirken. Dazwischen liegt der obligatorische Müll verstreut, hin und wieder kokelt eine Feuerstelle leise vor sich hin. Vor den Häusern sieht man oftmals Frauen, die per Hand Wasser aus der Quelle pumpen. Die Tankstellen erkennt man an dem aufgereihten Schnapsflaschensammelsurium an der Straße, die „schickeren Restaurants“ an den roten Plastikstühlen und natürlich darf bei diesen schlechten Straßenverhältnissen auch die ein oder andere Mopedwerkstatt nicht fehlen.

Alles, was sich innerhalb weniger Meter direkt an der Straße befindet, ist von einer roten Staubschicht überzogen. Hin und wieder kommen wir an einen Tümpel vorbei, in dem braunes Wasser stillsteht, wenn darin nicht gerade ein paar Fischer mit Netzen auf Jagd gehen. In einem Wasserloch haben sich erfreulicher Weise unzählige Lotusblumen angesiedelt, die je nach Sonnenstand wunderschön lila blühen.

Ruhiges Landleben? Von wegen

Schon von weitem hört man die Verkäufer auf ihren Mopeds, die über Lautsprecher ihr Sortiment anpreisen, was von Körben über Backwaren, Regale, Kleidung oder Küchenutensilien praktisch alles sein kann. Noch lauter ist nur die Musik, die aus riesigen Lautsprechern dröhnt, um eine Hochzeit oder Beerdigung kundzutun. Die freilaufenden Hunde lassen sich von alldem nicht stören, sie stehen oder liegen mitten auf der Fahrbahn und weichen erst in letzter Sekunde aus. Zum Glück sind sie überhaupt nicht aggressiv wie die keifenden Straßenköter, denen wir auf Fiji vorsichtig aus dem Weg gegangen sind.

Nach insgesamt knapp eineinhalb Stunden Fahrt erreichen wir verschwitzt, verstaubt und etwas abgekämpft aber glücklich die Angkor Thom Junior Highschool in Peak Sneng. Schnell aus den Überziehklamotten raus, Hände und Gesicht ein wenig säubern, ein Wasser hinunterstürzen und schon kann es mit der Arbeit losgehen.

Fortsetzung folgt.

Siem Reap: Ein Spaziergang durch die alte Markthalle

Eine große Auswahl erwartet einen.

Eine richtig große Auswahl erwartet einen hier.

 

Viele Sachen, die bei uns ein Vermögen kosten, sind hier ware Centartikel.

Viele Lebensmittel, die bei uns ein Vermögen kosten, sind hier für ein paar Cent zu bekommen.

 

Oups, da schläft ja jemand.

Oups, da schläft ja jemand.

 

Kühlkette unterbrochen?

Wie Kühlkette unterbrochen?

 

Kühl... was? Wovon reden die bloß?

Kühl… was? Wovon reden die bloß?

 

Hier bekommt man zu seinen Krebsen noch eine Gedenkschleife zu Ehren der Kremierung des ehemaligen Königs gereicht.

Hier bekommt man zu seinen Krebsen noch eine Gedenkschleife zu Ehren der Kremierung des ehemaligen Königs gereicht.

 

Lecker lecker Reiskuchen. Der ist so gut, dass er sogar den Heiligen als Opfergabe gereicht wird.

Lecker Reiskuchen. Der ist so gut, dass er sogar den Geistern als Opfergabe gereicht wird.

 

Diese Biester findet man überall und sind ganz besonders geschmacks- und geruchsintensiv.

Diese getrockneten Tintenbiester findet man überall und sie sind ganz besonders geschmacks- und geruchsintensiv.

 

Es scheint egal zu sein, dass man gerade in seiner einen Ware steht - Hauptsache man behält die Übersicht.

Es scheint egal zu sein, dass man gerade in seiner eigenen Ware steht – Hauptsache man behält die Übersicht.

 

ohne Worte.

… ohne Worte.

 

Die kambodschanische Art von Fischstäbchen.

Die kambodschanische Art der allseits beliebten Fischstäbchen.

 

Wer die Wahl hat, hat die Qual...aber schmecken tun sie alle.

Wer die Wahl hat, hat die Qual…aber schmecken tun sie alle.

 

Leben in Siem Reap – die zwei Gesichter eines Touristenmekkas

Es hätte uns deutlich schlechter treffen können. Während unseres vierwöchigen Aufenthalts in Kambodscha als Volunteers für Hilfe für Kinder in Kambodscha sind wir in Siem Reap untergebracht, rund 30 km von der Angkor Thom Junior Highschool entfernt, wo wir hauptsächlich tätig sind. In den ersten beiden Wochen kommen wir in einer für uns viel zu großen Wohnung bei der Familie der Buchhalterin der kambodschanischen Partnerorganisation unter.

Fließend Wasser? Nicht selbstverständlich

Zwar gibt es nur zwei kleine Zimmer, leider ohne Fenster, den meisten Platz nimmt dagegen der Vorraum und die Küche ein, wobei die Küchenausstattung gerade mal ein Waschbecken und einen Kühlschrank umfasst. Insgesamt ist die Wohnung sehr spartanisch eingerichtet, dabei bewohnen wir von den vier aneinander liegenden Wohnungen die komfortabelste, da wir als einzige fließend Wasser in Bad und Küche haben. Der Rest der Familie muss das Wasser nach wie vor aus der Quelle im Hof per Hand pumpen. Somit trifft man eigentlich rund um die Uhr jemanden an der Quelle, der gerade duscht, Wäsche wäscht oder das Essen zubereitet.

Mit dem Moped fahren wir direkt in unsere Wohnung, um es nachts nicht im Hof stehen lassen zu müssen, wo es wohl trotz Zaun eine attraktive Beute sein könnte. Leider gerät während unseres Aufenthalts einer der beiden Hunde unseres Nachbarn in die falschen Hände und landet vermutlich auf dem Teller. Einige Restaurants in Siem Reap zahlen für Hundefleisch gutes Geld, erklärt uns ein trauriger Mister Tou und passt seitdem auf seinen anderen Hund noch sorgsamer auf.

Siem Reap – Die Stadt der NGOs

Während der letzten beiden Wochen wohnen wir im Happy Guesthouse, wo außer uns noch weitere Volunteers anderer NGOs untergebracht sind. Allerdings sind wir die einzigen, die ein Moped haben, dafür aber auch täglich aufs Land raus fahren und abends total verdreckt von der Fahrt über die Schotterpiste wieder im Guesthouse eintrudeln. Da Ausländer in Siem Reap keine Mopeds oder Roller ausleihen dürfen, zählen wir neben einigen Expats zu den ganz wenigen Nicht-Kambodschanern, die auf zwei motorisierten Rädern unterwegs sind.

Durch die unmittelbare Nähe zu den Tempeln von Angkor Wat hat sich Siem Reap zu einer Touristenhochburg entwickelt, in der Reisende jeden Alters und mit jedem Budget fündig werden. Dabei reicht das Spektrum von Luxushotels mit manikürten Rasen und Swimmingpool bis zum in die Jahre gekommenen Backpacker-Hostel und allen möglichen Abstufungen dazwischen.

Ob schickes Thai-Restaurant, französische Weine, Pizza, Khmer-Küche für westliche Gaumen oder günstige Snacks, die auch bei den Einheimischen begehrt sind, die Auswahl an Essen ist riesig. Wer eher ein Faible für preisgünstige alkoholische Getränke hat, kann jeden Abend eine neue Bar testen, bis man alle durch hat, wird es eine Weile dauern. Der halbe Liter Bier lokaler Sorten wie Angkor oder Cambodia gibt es bereits ab $ 0,5, Cocktails um die $2 und wer in Kneipen geht, die mit dem Slogan werben „promoting irresponsible drinking“, der dürfte am nächsten Morgen wahrscheinlich nicht zu den Kulturtouristen gehören, die morgens um halb fünf Uhr mit dem Tuk Tuk zum Sonnenaufgang zu den Tempeln aufbrechen.

Tempelerkundung in Beng Mealea

Da wir 2010 schon einmal in Siem Reap waren, können wir uns mit den Tempelbesuchen etwas Zeit lassen. Entsprechend brechen wir erst nach zwei Wochen in die 65km von Siem Reap entfernte Tempelstätte Beng Mealea auf. Auch wenn noch vergleichsweise wenig Touristen den weiten Weg auf sich nehmen, so kann man inzwischen nicht mehr von einem echten Geheimtipp sprechen.

Trotzdem lohnt sich die Fahrt und der Besuch der großteils überwucherten Tempelanlage. Etwas vollmundig wird Beng Mealea in einigen Reiseführern als Indiana-Jones-Abenteuer angepriesen, die Behauptung, dass es wie Tha Prohm (der berühmte überwucherte Tempel aus dem Lara-Croft-Film) noch vor einigen Jahren aussieht, trifft schon eher zu. Wir schließen uns einem der Guides an, die überall auf dem Gelände herumstehen und schon geht es abseits des offiziellen Holzstegs in fast menschenleere Ecken, wir balancieren über umgestürzte Steine ins Innere der Tempelruinen und kraxeln auf schmalen Vorsprüngen die Mauern entlang. So kommt tatsächlich ein wenig Abenteuer-Feeling auf, allerdings gemischt mit Zweifeln, ob es so eine gute Idee ist, auf den antiken Steinen herumzulaufen. Den Guide plagt das schlechte Gewissen jedenfalls nicht, er möchte einfach nur ein paar Dollar verdienen.

Highlights von Angkor Wat

Am nächsten Tag fahren wir endlich zu den Tempeln rund um Angkor Wat hinaus, mit Mr. Mao, einem 65-jährigem Tuk-Tuk-Fahrer, der sich gegenüber seinen jüngeren Kollegen wohl etwas schwerer mit den Touris tut, da er kein Englisch spricht. Uns stört das nicht weiter, da wir diesmal weniger an historischen Daten und unaussprechlichen Königsnamen interessiert sind, sondern uns einfach nur von dem absolut beeindruckendem handwerklichen Geschick und den architektonischen Meisterleistungen der damaligen Zeit faszinieren lassen möchten. Im Vergleich zu 2010 sind deutlich mehr Touristen vor Ort, was zum einen an der zunehmenden Reisefreudigkeit asiatischer Touristen liegen könnte, zum anderen aber auch daran, dass wir diesmal wirklich zur Hochsaison hier sind. Deshalb suchen wir uns nur die Highlights heraus, die uns wirklich interessieren und sind trotzdem einen ganzen Tag in der sengenden Hitze unterwegs.

Ein weiterer Punkt unseres Ausflugsprogramms ist der Besuch des Landmine Museums etwa 25 km außerhalb Siem Reaps. In diesem privaten Museum informiert das Team rund um Aki Ra, der als Kindersoldat einst selbst Sprengkörper legte und später auf eigene Faust Landminen entfernte, über die Gefahren, die von noch immer verstreut in weiten Teilen Kambodschas herum liegender scharfer Munition ausgehen und die Schicksale von Minenopfern.

Die andere Seite von Siem Reap

Selbst wer sich nur in den Touristenstraßen in Siem Reap aufhält, trifft früher oder später auf Opfer mit amputierten Gliedmaßen, erblindet oder sonst wie versehrt, die um Geld betteln. Hinzu kommt eine ganze Armada an Kinder und Frauen, die ebenfalls um Geld oder Lebensmittel bitten – zum Teil leider so aggressiv, dass einem die Lust am Geben gründlich vergeht. Leider können wir nicht einschätzen, wer tatsächlich auf Unterstützung angewiesen ist. Wenn man den Lahmen am nächsten Tag mit neuen Sportschuhen und ohne Krücke durch die Straßen humpeln sieht, dann kommen einem berechtigte Zweifel. Gerade wenn man sich wie wir länger in der Stadt aufhält, trifft man immer wieder auf die gleichen Gestalten, die einen nicht selten mit einem schlechten Gefühl zurück lassen. Ob man Kindern, die statt in der Schule zu sein, betteln oder Souvenirs verkaufen, nun etwas gibt oder eben nicht, um sie für deren Familien nicht als Verdiener attraktiv zu machen, ist ebenfalls keine einfache Entscheidung.

Dass viele Leute tatsächlich nur knapp über die Runden kommen, daran besteht kein Zweifel. Meist sind es westliche Ausländer, denen gleich mehrere gut laufende Restaurants und Bars gehören und die damit eine ordentliche Summe verdienen, während ihre einheimischen Angestellten pro Tag nur eine Handvoll Dollar erhalten, mit denen sie gerade mal so die Ausbildung und Betreuung ihrer Kinder finanziert bekommen.

Endlich mal wieder selbst kochen

In Siem Reap kann man als Ausländer wirklich gut und vergleichsweise günstig essen, sowohl asiatische als auch westliche Küche. Trotzdem überkommt uns an manchen Tagen eine unglaubliche Lust auf westliches Essen, allen voran auf richtigen, guten Käse, frisches Brot mit Butter, Brezeln mit Obazter, Spätzle mit Soße, Kartoffeln mit Quark – wir könnten die Liste noch endlos fortsetzen! Seit wir im November 2012 aus Neuseeland weg sind, haben wir nicht mehr selbst gekocht – weil wir keine Möglichkeit dazu hatten und weil es vor allem in Asien günstiger ist essen zu gehen, als einzukaufen und selbst Hand anzulegen. Da wir Zuhause aber bestimmt wieder Lust auf asiatisches Essen haben, haben wir uns für einen Kochkurs bei Le Tigre de Papier entschieden. Innerhalb von drei Stunden bereitet jeder eine Vor- und Hauptspeise zu und da wir im Gegensatz zu den total erledigten jüngeren Teilnehmerinnen Spaß am Werkeln haben, machen wir auch noch das Dessert für die ganze Mannschaft mit. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Fresh Springrolls, scharfer Papaya-Salat, Amok mit Hühnchen, Somlor Kteas und Sticky-Rice-Bällchen mit Palmzucker. Bis auf das recht saure und scharfe Somlor alles sehr lecker, hoffentlich klappt das in Deutschland dann auch noch so!

Dass man sich noch nicht mal aus Siem Reap herausbewegen muss, um wirklich mit der Armut konfrontiert zu werden, die in Kambodscha vielerorts gang und gebe ist, wird uns bei einer Erkundungsfahrt an den südlichen Stadtrand von Siem Reap ganz deutlich bewusst. Je weiter wir uns vom Zentrum entfernen, umso häufiger treffen wir auf windschiefe Holzhäuser und Hütten mit nur einem Raum, die auf Stelzen entlang des dreckigen Flusses stehen. Vor den Häusern pumpen einige Frauen Wasser oder waschen sich und ihre Kinder direkt an der Quelle. Die Unmengen an Dreck und Müll um sie herum scheinen sie nicht zu stören. Ein klappriges Wasserrad aus Holz pumpt unregelmäßig braunes Wasser unter der staubigen, schlaglochübersähten Straße hindurch. Ob sie ans lokale Stromnetz angeschlossen sind? Schwer zu sagen, wohl eher nicht.

Slums vor den Toren von Siem Reap

Noch ein paar Kilometer südlicher nimmt die Armut und Vermüllung nochmals weiter zu. Rechts und links des schlammbraunen Flusses leben viele Fischerfamilien in slumartigen Verhältnissen in heruntergekommenen Holz- und Wellblechhütten, die nur knapp über dem Dreckwasser auf Stelzen zwischen herumliegendem und schwimmendem Müll stehen. Die Trostlosigkeit des Orts, der üble Gestank und die misstrauischen Blicke der Bewohner lassen uns relativ zügig wieder ins Zentrum von Siem Reap umkehren, wo uns eine vergleichsweise heile Welt erwartet.

Ein weiterer Ausflug führt uns an den Tonle Sap, Südostasiens größter See. Den See selbst bekommen wir zwar leider nicht zu sehen, da wir einige Kilometer zuvor ordentlich zur Kasse gebeten werden: Um zu den berühmten „schwimmenden“ Dörfern per Boot zu gelangen, sollen wir $ 25 auf den Tisch legen, dabei wollen wir weder ein Boot noch auf den See. Leider lässt der Herr an der Kasse nicht mit sich verhandeln, sodass wir kehrt machen und stattdessen parallel zum See über die Dörfer fahren, wo uns die Einheimischen lachend zuwinken. Hierher verirren sich wohl nur äußerst selten Touristen, vermutlich nur hin und wieder Vertreter ausländischer Hilfsorganisationen, wie uns einige Sponsoren-Schilder vermuten lassen.

Abschied von einem beliebten König

Während unseres Aufenthalts werden wir außerdem Zeuge, wie die Kambodschaner Abschied von ihrem früheren König Norodom Sihanouk nehmen, der auch lange nach seiner Amtszeit noch von vielen sehr verehrt wird. Ein Fernsehsender sendet bereits Wochen (evtl. seit dem Tod des ehemaligen Königs Mitte Oktober 2012?) nichts anderes als das eine Bild vom aufgebahrten Sarg des Verstorbenen, dazu immer die gleiche Trauermusik und das rund um die Uhr. Für die eigentlichen Kremierungsfeierlichkeiten, die unter einem Millionenaufwand in Phnom Penh stattfinden, sind vier Tage angesetzt, an denen sogar schulfrei ist. Sämtliche TV-Sender überschlagen sich nun mit Endlosdokumentationen, an vielen Straßen und vor den größeren Hotels sind Altäre oder Bildnisse mit Trauerflor zu finden, viele Kambodschaner haben sich eine Trauerschleife angesteckt. Am Abend der Einäscherung reihen sich vereinzelt mehrere Menschen auf Plätzen auf und beten.

Wenige Tage später sind die offiziellen Plakatwände in Siem Reap bereits verschwunden, doch die Lobeshymnen im Fernseher gehen weiter. Bleibt zu hoffen, dass der amtierende König einen positiven Einfluss auf den Prime Minister hat, um die Geschicke Kambodschas in die richtige Richtung zu lenken.

Als Volunteer in Kambodscha: Täglicher Wechsel zwischen zwei Welten

Unser knapp eineinhalbstündiger Arbeitsweg mit dem Moped vom Touristenzentrum Siem Reap in das etwa 30 km entfernte Dorf Peak Sneng versinnbildlicht die beiden völlig unterschiedlichen Welten, zwischen denen wir während unseres vierwöchigen Aufenthalts in Kambodscha als Freiwillige für den deutschen Verein Hilfe für Kinder in Kambodscha täglich wechseln.

Schönste Tempelansichten und das täglich

Der erste Teil unseres Arbeitsweges ist wohl einer der schönsten, den man sich überhaupt nur vorstellen kann: Wir fahren direkt an einigen der beeindruckendsten Tempel von Angkor Wat vorbei, inklusive des riesigen Wasserareals um Angkor Wat selbst. Mit unserem Moped ziehen wir an unzähligen Tuk Tuks, Bussen und Fahrrädern vorbei, die vor allem morgens in riesigen Schlangen vor der Ticketstation warten, und lassen uns den warmen Wind um die Nase wehen. Spätestens wenn wir durch das imposante Haupttor von Angkor Thom fahren, um wenig später direkt den wunderschönen Bayon zu passieren, wird uns jedesmal der pure Luxus dieser Fahrt bewusst.

Hinter den Tempeln beginnt das Entwicklungsland

Abseits der Touristenpfade, nur wenige Kilometer hinter den Haupttempeln, endet die asphaltierte Straße allerdings abrupt und uns erwartet ein völlig anderes Bild, das mit den Annehmlichkeiten, die Siem Reap zu bieten hat, rein gar nichts zu tun hat: Eine 16 km lange wirklich üble Schotterpiste mit Schlaglöchern größer als Badewannen führt durch Dörfer, in denen viele Menschen ihren Lebensunterhalt als Farmer bestreiten und nur knapp über die Runden kommen. Von Selbstverständlichkeiten für uns, wie fließend Wasser aus dem Hahn, Strom auf Knopfdruck oder eine weiterreichende medizinische Versorgung, können sie und ihre Familien meist nur träumen.

Vier Wochen Einsatz als Freiwillige

Am Ende unserer anstrengenden und staubigen Fahrt erreichen wir schließlich die Angkor Thom Junior Highschool, die der Verein Hilfe für Kinder in Kambodscha 2007 aufgebaut hat. Die Organisation rund um das unglaublich engagierte Ehepaar Siegfried und Gerlinde Zinkeisen kümmert sich seit der ersten Stunde nicht nur um die Finanzierung der Schule, sondern unternimmt alles Mögliche, um das Leben der Schüler und einiger weiterer Menschen kontinuierlich zu verbessern. Als so genannte Volunteers bzw. Volontäre wollen wir den Verein für vier Wochen bei ganz unterschiedlichen Aufgaben unterstützen. Da wir nicht auf dem Land in Peak Sneng wohnen dürfen (von offizieller kambodschanischer Seite aus Sicherheitsgründen), pendeln wir also täglich zwischen unserer Unterkunft in Siem Reap und der Schule in Peak Sneng. Ein Wechseln zwischen zwei Welten, der durchaus anstrengend, vor allem aber auch bereichernd ist – letzteres hoffentlich nicht nur für uns.

Mehr dazu gibt es hier:

Angkor Thom Junior Highschool

Es gibt noch mehr zu tun

Peak Sneng – Ein Dorf abseits des Tempeltourismus

Als Freiwillige an der Angkor Thom Junior Highschool

Siem Reap: Endlich mal wieder selber am Herd stehen beim Khmer-Kochkurs

Raus aufs Land zur Angkor Thom Junior Highschool

Siem Reap: Ein Spaziergang durch die alte Markthalle

Leben in Siem Reap – die zwei Gesichter eines Touristenmekkas

Kambodscha: Rund um Siem Reap