Erholsamer Strandurlaub in Thailand? Weit entfernt

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Nach ein paar Tagen Großstadt-, Party- und Shopping-Wahnsinn in Bangkok machen wir uns mit dem Flieger auf den Weg Richtung Süden zur Insel Koh Lanta. Für die ersten Tage quartieren wir uns im “Lanta Nice Beach Resort” ein, eine eher funktionale Unterkunft am Strand von Klong Nin, bei dem Preis und Leistung immerhin in einem akzeptablen Verhältnis stehen. Der Preis von gut 30€ entspricht dem Niveau der Hochsaison, allerdings ist es am Strand trotzdem relativ ruhig. 1-2km Sandstrand, blau-türkisgrünes Meer, ein paar Restaurants und Bars, sonnenverbrannte Europäer, Lounge-Musik und Feuershows, alles so, wie man es von einem Strandurlaub in Thailand erwarten würde. Nur die vielen Muslima, die trotz 34 Grad Hitze in langen Hosen und mit Kopftuch bedeckt in den Resorts als Servicekräfte arbeiten, passen nicht ganz ins Bild.

Wir versuchen uns in die allgemeine Urlaubsatmosphäre einzugliedern und uns zu entspannen, was uns jedoch nicht so einfach gelingt. Zum einen sitzt uns das Ende unserer Auszeit und was wir bis dahin noch erledigen müssen etwas im Nacken. Zum anderen haben wir in den vergangenen Monaten viele beeindruckende Orte bereist und im Vergleich dazu kann Thailand leider nicht mithalten. Vor allem an unsere traumhafte Zeit auf Samoa und Barefoot Island auf Fiji kommt Koh Lanta einfach nicht heran.

08/15 und der tägliche Kampf um Liegeplätze

Außerdem kennen wir die Preise und was man dafür an Service, Leistung, Unterkunft und Essen bekommen kann aus den anderen südasiatischen Nachbarländern, und auch hier schneidet Koh Lanta leider in jeder Hinsicht schlecht ab. Wir versuchen die Zeit trotzdem zu genießen und nicht an das Geld zu denken, das wir dafür ausgeben müssen. Leider kommt Stefanie bereits am zweiten Tag mit den Tentakeln einer Qualle in Kontakt, sodass sogar die Badefreuden deutlich getrübt werden. Auch an die typischen Touristen, denen wir während unserer Auszeit so gut wie gar nicht begegnet sind, müssen wir uns erst gewöhnen. Zu unserem Entsetzen gibt es hier tatsächlich Österreicher [sic!], die pünktlich jeden Morgen ihre angestammten Plätze am Strand mit riesigen Handtüchern belegen, auf denen in unmissverständlichem Weiß auf Rot “RESERVIERT” prangt.

Nach knapp einer Woche siedeln wir auf die Empfehlung eines Freundes hin in das “Relax Bay Resort” über. Uns war zwar bereits bei der Buchung klar, dass der Aufenthalt mit knapp 60€ pro Nacht unser angedachtes Budget deutlich übersteigen würde. Zum Abschluss wollten wir uns jedoch etwas Luxus gönnen und hatten gleich fünf Übernachtungen gebucht.

Relax Bay – viel Ärger für viel Geld

Um es kurz zu machen: Das Geld hätten wir deutlich besser investieren können, denn das “Relax Bay Resort” entpuppt sich als ziemliche Enttäuschung. Beim Betreten unseres “Premier Bungalows” denken wir zunächst beide, wir hätten uns verrochen, aber es stinkt zweifelsohne nach Urin. Als wir uns an der Rezeption beschweren, versucht uns der Rezeptionist einzureden, dass es wohl nach Bambus riechen würde. Als wir darauf bestehen, dass es eher danach riecht, als ob jemand in die Ecke gepinkelt hätte, verspricht er uns widerwillig eine erneute Reinigung. Als wir in den Bungalow zurückkommen riecht es unverändert und wir beschweren uns erneut. Diesmal bekommen wir zu hören, dass wir doch den Toilettendeckel beim Spülen schließen sollten. Das würde helfen.

Reichlich fassungslos bestehen wir darauf, dass das Problem nicht die Toilette sei, sondern der Boden oder etwas anderes im Raum selbst. Ein weiteres Mal wird eine Putzfrau losgeschickt, die nur einen Duschvorleger und eine Spraydose mitnimmt. Was sie damit ausrichten will? Keine Ahnung. Absolut sicher ist jedoch, dass sie nicht in unseren Bungalow geht, wie wir von der Rezeption aus sehen. Als uns mitgeteilt wird, dass nun alles in bester Ordnung sei, fragen wir noch mal nach, ob die Putzfrau auch tatsächlich in der Nummer 6 gewesen sei. Jaja, sicher doch. Wir lassen nicht locker, bis die Dame am Tresen noch mal ihre Kollegin fragt, wo sie denn eben gewesen sei. Offensichtlich im falschen Bungalow, denn die Rezeptionistin entschuldigt sich daraufhin ausgiebig bei ihrer Kollegin, bis sie gütiger Weise schließlich auch uns gegenüber zugibt, dass sie da wohl etwas verwechselt hat. In diesem Stil geht es leider auch mit einer defekten Lampe weiter und wir sind an den beiden ersten Tagen quasi Dauergast an der Rezeption.

Enttäuschung statt Erholung

Wir haben in den vergangenen sechs Monaten zum Teil in wirklich einfachen Unterkünften gehaust, wo man so etwas wie “Service” und “Dienstleistung” nur im Ansatz erwarten konnte. Was durchaus ok ist, da der Tourismus vor Ort noch nicht so weit entwickelt ist, wir als Backpacker unterwegs waren und auch entsprechend wenig Geld dafür bezahlt haben. Auf eine Herberge wie das “Relax Bay Resort” trifft jedoch kein einziger dieser Punkte zu, sodass wir am liebsten unsere Sachen gepackt und abgereist wären. Da wir jedoch leider bereits im Voraus über einen Online-Anbieter gebucht und bezahlt hatten, bleiben wir. Wir versuchen das beste daraus zu machen und quartieren uns für die letzte Nacht, für die wir noch nichts gebucht haben, ein paar Meter weiter für weniger als ein Sechstel des Übernachtungspreises in einer einfachen Bambushütte bei den “Andaman Bay Bungalows” ein.

(Zu den “Andaman Bay Bungalows” findet sich nur ein einziger Eintrag im Internet, in dem berichtet wird, dass im Februar 2013 ein Tourist ausgeraubt wurde und der Betreiber das Geld lieber in bar zurückerstattete, als zuzulassen, dass die Polizei hinzugezogen wird. In weiteren Kommentaren wird behauptet, dass dies bereits schon einmal vorgekommen sei. Außerdem wird in den Kommentaren spekuliert, dass 1) die Diebe die Betreiber selbst waren oder 2) die Betreiber wohl kein “tea money” – sprich Schmiergeld – bezahlen und deshalb nichts mit der Polizei zu tun haben wollen. Willkommen im weit entwickelten Urlaubsparadies Thailand!)

Touristen sind zum Ausnehmen da

Leider scheinen im sogenannten Urlaubsparadies auf der Insel Koh Lanta die Geschäftemacher nicht auf einzelne Touristen angewiesen zu sein. Stattdessen können sie wohl einfach darauf vertrauen, dass es vor Ort sowieso genügend Touristen gibt und sich früher oder später irgendwer trotzdem in ihre Lokalität verirren und Geld da lassen wird. Als wir zum Beispiel während der Happy Hour in der “Jah-Bar” in der Relax Bay ein paar Cocktails schlürfen, berechnet der Barkeeper ohne mit der Wimper zu zucken 10 Baht mehr pro Cocktail, als auf dem Schild direkt über der Bar ausgewiesen ist. Da wir dort einen schönen Sonnenuntergang genießen konnten, ärgern wir uns nicht weiter, geben dafür aber eben kein Trinkgeld.

Als wir am nächsten Abend es wagen, in der gleichen Bar wieder zur Happy Hour zwei Cocktails zu bestellen, schnauzt der Barmann uns an, ob wir nicht etwas einfaches wie ein Bier bestellen könnten. Cocktails seien so aufwändig. Wir sind die einzigen Gäste weit und breit und ziemlich sprachlos. Allerdings hatte uns am Tag zuvor der Kneipen-Nachbar bereits versucht, zwei Bananen zu einem schlichtweg unverschämten Preis zu verkaufen. Als wir fragten, ob das sein Ernst sei, halbierte er den Preis einfach.

Mund halten und bezahlen

Etwas später bestellen wir unser Abendessen bei “Baan Country Lao”, ein halbes Huhn vom Grill, einen Glasnudelsalat, einen Bananen-Shake und einen frischen Mangosaft. Das Huhn kommt relativ zügig und schmeckt gut, doch weder von den Getränken noch vom Glasnudelsalat ist etwas zu sehen. Irgendwann kommen dann die Getränke, Kai hat sein Huhn mittlerweile aufgegessen, doch der Salat bleibt noch weitere 15 Minuten unauffindbar, bis er endlich ohne Entschuldigung auf dem Tisch landet – dafür mit einem fetten Insekt unter der ersten Tomatenscheibe versteckt. Als Stefanie zur Bedienung meint, dass es schön wäre, wenn das Essen gleichzeitig und ohne Ungeziefer serviert werden würde, ernten wir nur ein verständnisloses “Sorry” mit Schulterzucken.

Um dem enttäuschenden Abendessen noch eins draufzusetzen, stellen wir auf dem Heimweg fest, dass Kais Tasche angeschmort wurde, als er sie neben dem Tisch abgestellt hatte. Vor lauter Frust führt unser Weg nun direkt in den Supermarkt, wo wir uns mit Schokolade und Cola eindecken, um noch einen Absacker in Form eines Cuba Libre mit Thai-Rum auf unserem Balkon zu trinken. Um dorthin zu gelangen müssen wir in unserem Luxusdomizil nur noch den Schlüssel an der Rezeption abholen, der leider nicht aufzufinden ist. Ob wir den denn überhaupt abgegeben hätten? Durchaus. Er liegt unangetastet wie zwei Stunden vorher für jedermann zugänglich in der “Key-Drop-Kokosnusshälfte” direkt vor der Nase der Mitarbeiterin. So viel zum Thema Sicherheit, das vom “Relax Bay Resort” nach eigenen Aussagen ganz groß geschrieben wird.

Beim nächsten Mal ohne uns

Für uns steht jedenfalls fest, dass wir aufgrund unserer insgesamt enttäuschenden Erfahrung in diesem Etablissement sicher nie wieder absteigen werden. (Während ich diesen Text abends in der Hängematte auf dem Balkon sitzend schreibe, jagt mir zu guter Letzt noch eine verirrte Fledermaus, die fast gegen meinen Kopf flattert, einen Riesenschreck ein. Was für Überraschungen hält dieser Abend denn noch für uns bereit???)

Irgendwie hatten wir uns den Abschluss unserer Auszeit weniger stressig und deutlich erholsamer vorgestellt. Zumindest konnten wir uns nicht vorstellen, dass der Ärger bereits morgens vor dem Frühstück beginnen würde, wenn man sich gegen Handtuch und Badehose werfende Rentner zur Wehr setzen muss, um noch einen der raren Schattenplätze am Strand zu ergattern. Die Relax Bay hält leider ganz und gar nicht, was Name und Webseite versprechen. Trotz der ganzen Enttäuschungen versuchen wir natürlich, noch das Beste aus unserer Zeit in Thailand zu machen. Allerdings steht für uns fest, dass wir in absehbarer Zeit hier sicher nicht mehr Urlaub machen werden.

Kleiner Nachtrag: Zwei Tage später geben wir dem “Baan Country Lao” noch eine Chance. Um es so einfach wie möglich zu machen, bestellen wir zwei Mal Huhn vom Grill. Das erste Huhn kommt innerhalb von zehn Minuten, allerdings mit der falschen Beilage. Und das zweite Huhn? Das kann noch dauern…

1 comment » Write a comment

  1. Das ist ja mehr als ärgerlich. So hat man sich seinen Strandurlaub dort ja ganz sicher nicht vorgestellt. Man kann nur hoffen, dass das nicht grundsätzlich alles dort so abläuft. Die Erholung bleibt da definitiv auf der Strecke.

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