Fiji: Ein Südseetraum in Bildern

Nach der Ankunft erst einmal ein kühles Bad nehmen

Nach der Ankunft erst einmal ein kühles Bad nehmen

 

Der Nachbar meinte es wohl etwas zu gut mit der Verteibung der bösen Geister zum Diwali-Fest

Der Nachbar meinte es wohl etwas zu gut mit der Verteibung der bösen Geister zum Diwali-Fest.

 

Wo kann man schon mal so nah am Regierungssitz Rugby spielen und Fussi bolzen?

Wo kann man schon mal so nah am Regierungssitz Rugby spielen und Fussi bolzen?

 

Im Gegensatz zur Hauptstadt sieht die traditionelle Unterkunft in den Dörfern ganz anders aus

Im Gegensatz zur Hauptstadt, sieht die traditionelle Unterkunft in den Dörfern ganz anders aus.

 

Die Neugierde lässt die Angst vor den Fremden überwinden

Die Neugierde lässt die Angst vor den Fremden überwinden

 

Wer stört mich bei meiner Morgentoilette?

Wer stört mich bei meiner Morgentoilette?

 

Manchmal sieht man doch recht deutlich, dass einige männliche Familienmitglieder weiblich erzogen werden, da es sonst an Haushaltshilfen fehlen würde.

Manchmal sieht man doch recht deutlich, dass einige männliche Familienmitglieder weiblich erzogen werden, da es sonst an Haushaltshilfen fehlen würde.

 

Kein Pal-Steg, aber immerhin auch eine feste Verbindung

Kein Pal-Steg, aber immerhin auch eine feste Verbindung

 

Juhu, es geht endlich auf zum Insel-Hopping auf die Yasawas!

Juhu, es geht endlich auf zum Insel-Hopping auf die Yasawas!

 

Oh ja, und dann wird erst einmal ausgespannt

Oh ja und dann wird erst einmal ausgespannt

 

Endlich angekommen. So muss es sein, dann bleibt man doch gerne etwas länger

Endlich angekommen! So muss es sein, dann bleibt man doch gerne etwas länger.

 

Ein Südseeblick wie aus dem Reisekatalog

Ein Südseeblick wie aus dem Reisekatalog

 

So gut untergebracht übersteht man sogar einen Zyklon, ohne dass das Dach wegfliegt

So gut untergebracht übersteht man sogar einen Zyklon, ohne dass das Dach wegfliegt.

 

Die Frau sammelt Beeren und der Mann betrinkt sich beim Angeln...so war das doch schon immer, oder nicht?

Die Frau sammelt die Beeren und der Mann betrinkt sich beim Angeln…so war das doch schon immer, oder nicht?

 

...und plötzlich kam dann dieser Kollege vorbei geschwommen - natürlich mussten wir dann sofort die Schnorchelsachen holen und ins Wasser gehen.

…und plötzlich kam dann dieser Kollege vorbei geschwommen – natürlich mussten wir dann sofort die Schnorchelsachen holen und ins Wasser gehen.

 

 

Bei Mama Lo gab's ein Stück Schokokuchen, einen Teebeutel und einen ordentlichen Nescafé

Bei Mama Lo gab’s ein Stück Schokokuchen, einen Teebeutel und einen ordentlichen Nescafé

 

Die Beine auf dem Sunset-Deck ausgestreckt, ein Cocktail in der Hand und den Blick übers Wasser gleiten lassen...

Die Beine auf dem Sunset-Deck ausgestreckt, ein Cocktail in der Hand und den Blick übers Wasser gleiten lassen…

 

Auf den Fijis zwischen Luxus, Armut, Tradition und Zyklonen

Laut Tourismusbranche erwarten Reisende zu den Fiji-Inseln ein „warm welcome“ durch die immer gut gelaunten, freundlichen Einwohner und das fast durchgängig sonnige Südseewetter. Zumindest was das „warm welcome“ betrifft, werden unsere Erwartungen bereits am ersten Abend übererfüllt, als auf dem Nachbargrundstück unseres Hotels in Nadi plötzlich ein Feuer ausbricht. Lange Zeit scheinen wir die einzigen zu sein, die die lichterloh brennenden Palmen rund um einen Gastank ziemlich beunruhigend finden. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit trifft endlich ein Feuerwehrauto ein und vermittelt uns eine erste Lektion, was unter der Lebensphilosophie „Fiji time“ zu verstehen ist: Statt einem zackigen „Wasser Marsch“ läuft erstmal ein Feuerwehrmann auf dem Gelände herum und versucht die Flammen auszuklopfen. Als die Mannschaft schließlich einsieht, dass diese Ein-Mann-Klopf-Methode nichts bringt, wird schließlich doch noch die Wasserpumpe angeworfen und der Brand notdürftig gelöscht. Dass danach noch immer einige Stellen kokeln, scheint bis auf die besorgten Touris niemand zu stören, denn die Mannschaft zieht schnell wieder ab und nimmt beim Wegfahren noch das halbe Eingangstor mit.

Wer in Nadi landet und traumhafte Zustände wie aus dem Werbeprospekt erwartet, wird erstmal schwer enttäuscht. Statt einsamer Palmeninseln in grünblauem Meer gibt es leider nur einen vermüllten und dunkelgrauen Strand. Fijis zweitgrößte Stadt dient hauptsächlich einem Ziel, nämlich Besucher möglichst schnell woanders hinzuschaffen – mit Erfolg. Den Weg zu unserem Hotel, dem Beachside Resort, hätten wir ohne Taxifahrer niemals gefunden, da es nur ein einziges Hinweisschild auf halbem Weg gibt, man zunächst am Strand entlang und weiter über eine üble Schotterpiste fährt, bis man schließlich bei einem kleinen, netten Hotel mit Pool landet. Schuld an der abenteuerlichen Wegführung sind eine Überschwemmung, die im März die Straße mitsamt Strommasten weggespült hat und die Regierung, die es bis jetzt nicht geschafft hat, die Zufahrt wieder herzustellen. So verlangen die Taxifahrer weiterhin einen zusätzlichen Dollar „Schmerzensgeld“ oder fahren zu den am Wailoaloa Beach gelegenen Hotels erst gar nicht hin.

Wir halten uns nicht lange in Nadi auf, sondern mieten ein Auto, um die Südseite der Hauptinsel Viti Levu mit seiner Coral Coast zu erkunden. Der sogenannte Mietwagen, den wir morgens am Hotel in Empfang nehmen, hat seine besten Tage bereits hinter sich. „Schlüssel gegen Cash auf die Hand“ heißt es, und der junge Typ mit Headset am Ohr teilt uns empört mit, dass wir die ersten seien, die auf einen Mietvertrag bestehen würden und dass es sich garantiert um einen offiziellen Mietwagen handeln würde. Nach einiger Diskussion erklärt er sich schließlich bereit, mit uns zu McDonalds zu fahren, um dort seinen Chef zu treffen. Ins Büro könne man auf keinen Fall. Auf dem Parkplatz treffen wir dann tatsächlich ein dünnes Männchen mit Goldkettchen und Badelaschen, das uns eine Quittung mit dem Betrag, der Mietdauer und seiner Handynummer ausstellt. Das Auto am Büro abgeben? Nein, einfach anrufen, er wird uns dann schon finden.

Auf Umwegen zum Strand

Endlich aus der Stadt heraus suchen wir eine Möglichkeit, um zu Natadola Beach zu kommen. Anscheinend handelt es sich tatsächlich um den schönsten Strand von Viti Levu, denn die großen Hotels haben sich den alleinigen Zugang zu diesem Küstenabschnitt gesichert. Wir versuchen es trotzdem auf eigene Faust und folgen einer Schotterpiste, nur um einige Kilometer später direkt am Loch 12 des Golfplatzes des Intercontinental Hotels herauszukommen. Wir winken den Spielern kurz zu, drehen um und nehmen eine andere Abzweigung, die uns durch ein kleines Dorf namens Malomalo führt. Kurz hinter den Dorf finden wir schließlich doch noch einen Zugang zum Strand und werden sofort von ein paar Kindern in Beschlag genommen, die relativ gut Englisch sprechen. Die teilweise zerrissenen Klamotten der Kinder lassen uns vermuten, dass es in deren Leben leider nicht allzu viel Luxus gibt, ganz im Gegensatz zu den Touristen, die sich in unmittelbarer Nähe in den Nobelhotels verwöhnen lassen.

Wir gönnen uns ebenfalls ein kleines bisschen Luxus und quartieren uns für die nächsten paar Tage an der Coral Coast im Mango Bay Resort ein, dem nach eigener Beschreibung „resort for flashpackers“, was es ganz gut trifft. Von dort aus erkunden wir die Südküste und Fijis Hauptstadt Suva. Kurz nach dem Ortseingang von Suva befindet sich ein Gefängnis mit Stacheldraht und hohen Mauern, auf der sich eine riesig große Werbung von Vodafone befindet. Ob die Insassen ein Handy benutzen dürfen, ist uns leider nicht bekannt. Außer einem Hafen, ein paar Shoppingmalls und einem Kino hat Suva leider nicht allzu viel zu bieten. Da Feiertag ist – Diwali, Lichterfest der Hindus – läuft bereits am Nachmittag der neue James Bond, den wir uns für umgerechnet nicht mal 2€ ansehen. Dazu gibt es Kindergeschrei, Handyklingeln und -telefonate sowie Simultanübersetzungen für nicht-englischsprachige Freundinnen rund um uns herum, aber „Skyfall“ macht alles wieder wett.

Der Rückweg in unser ca. 80 km entferntes Hotel wird dann auch zu einem ziemlich riskanten Unterfangen. Bei der Queensroad handelt es sich zwar um die Hauptverbindungsstraße der Insel, allerdings lässt ihr übler Zustand mit hunderten von Schläglöchern und Verwerfungen nicht unbedingt darauf schließen. Der Regen, die nicht wirklich funktionierenden Lichter und Scheibenwischer unseres Autos, der Rauch des Diwali-Feuerwerks und die Massen an Menschen und herrenlosen Hunden, die im Dunkeln auf der Straße herum marschieren, halten an jeder Kurve neue Überraschungen bereit, sodass wir wirklich froh sind, als wir abends wieder heil in unserem Hotel landen.

Durchs wilde Hinterland

Am nächsten Tag fahren wir noch mal ein paar Kilometer ins Hinterland von Viti Levu, was ebenfalls nicht ganz einfach ist, da unsere Landkarte nicht viel hergibt, die Ortsnamen zum Teil von den Namen auf der Karte abweichen, es natürlich so gut wie keine Wegweiser gibt und selbst die Einheimischen sich nicht einig sind, in welche Richtung wir weiter fahren sollten, um zurück nach Nadi zu gelangen. Außerdem suchen wir ein kleines Dorf namens Naidiri. Bereits kurz nachdem wir die Hauptstraße verlassen, kommt uns die Gegend irgendwie bekannt vor. Über die verstaubten Schotterpisten waren wir bereits ein paar Tage zuvor in die andere Richtung geholpert, als wir den Strand von Natadola gesucht hatten. Zu unserer großen Überraschung ist Naidiri genau das Nachbardorf von Malomalo, in dem wir die Kinder getroffen hatten.

Diesmal sind wir auf der Suche nach dem Lehrer Napoleon, zu dem wir über den Freund eines Arbeitskollegen den Kontakt hergestellt bekommen hatten. Allerdings unterrichtet Napoleon gerade außerhalb von Naidiri an der Schule und ist telefonisch nicht zu erreichen. Eine Dorfbewohnerin führt uns trotzdem freundlicherweise zum Haus von Napoleons Bruder Joe. Der ist leicht überrumpelt, als wir unangekündigt auftauchen, nimmt sich dann aber hilfsbereit die Zeit, führt uns herum und erzählt uns vom Dorfleben. Für unser Verständnis ist hier die Zeit ein wenig stehen geblieben und das Leben der Bewohner ist mitunter sehr bescheiden. Die Leute leben von dem, was sie anpflanzen, was das Meer ihnen gibt und was sie auf dem Markt im nächst größeren Ort verkaufen können. Jeder hat irgendeine Aufgabe (woraus auch immer diese besteht) und das, was erwirtschaftet wird, wird innerhalb des Clans aufgeteilt. Eine Grundversorgung ist somit vorhanden, auf materiellen Reichtum lässt die teilweise zerschlissenen Kleidung allerdings nicht schließen und ein eigenes Auto findet sich nur äußerst selten. Es gibt Trinkwasser und Strom, eine Grundschule in der Nähe und eine Busanbindung. Die Geschicke des Dorfes werden nach wie vor vom Chief geleitet, mit dem die normalen Dorfbewohner nur über den Spokesman kommunizieren dürfen und dessen Position weiterhin vererbt wird. Nachdem wir eine Runde durch Naidiri gedreht haben, verabschieden wir uns voll neuer Eindrücke von Joe und hoffen, dass unsere Gastgeschenke wie Kava, Kaffee, Kekse und andere Süßigkeiten die passenden Mitbringsel für seine Familie sind.

Das krasse Kontrastprogramm zum Dorfleben erwartet uns wenig später, als wir Fijis Hochglanzort Denarau erreichen. Hier treffen sich vor allem Amerikaner, Australier und Neuseeländer, um auf manikürten Golfplätzen und in einheitlichen Nobelhotels oder auf schicken Jachten abseits des normalen Lebens hinter hohen Mauern und Security-Schranken ihren Urlaub zu verbringen.

Und ne Buddel voll Rum

Da wir uns eine Übernachtung in Denaraus Hotels aus Prinzip nicht leisten möchten, quartieren wir uns für eine Nacht in den Escape Beach Villas ein, das wir über hostelz.com gebucht haben. Als wir dort ankommen, werden wir freundlich und leicht vorwurfsvoll begrüßt, dass sie auf uns am Flughafen gewartet hätten, wobei wir niemals irgendwie angedeutet hatten, dass wir mit dem Flieger anreisen würden. Warum sie uns so sehnsüchtig erwartet hatten, wird uns ein paar Tage später klar, als wir unsere Mails checken: Die Betreiberin hatte uns gefragt, ob wir am Flughafen im Duty-Free-Shop nicht zwei Flaschen Rum besorgen könnten, sie würde uns abholen und wir bekämen das Geld sicher erstattet.

Von Denarau starten wir am nächsten Morgen zu den Yasawas, einer Insel-Gruppe, die genau dem Bild entspricht, das die Tourismusbranche von Fiji vermitteln möchte. Wir haben uns den Bula-Pass von Awesome Adventures besorgt, mit dem wir für sieben Tage die Inseln mit der Fähre erkunden und uns sechs Übernachtungen in unserer Preiskategorie in verschiedenen Resorts nach Lust und Laune aussuchen können. Unsere erste Wahl erweist sich gleich als Volltreffer: Die Barefoot Lodge verfügt über drei Strände, sodass man jederzeit baden oder schnorcheln kann, unabhängig ob es gerade Ebbe oder Flut ist. Rund herum gibt es ein abwechslungsreiches Riff, das unter Naturschutz steht und an dem man super schnorcheln kann. Wir entdecken sogar einen Oktopus und um kleine Haie oder blau gepunktete Rochen zu sehen, müssen wir noch nicht mal ins Wasser, wir können sie einfach vom Strand aus beobachten. Das Essen ist sehr westlich, wenn auch nicht besonders abwechslungsreich. Innerhalb einer Woche gibt es zwei Mal Würstchen mit Kartoffelsalat. Abends speisen wir auf dem Sunset Deck am Strand und genießen den Sonnenuntergang. Wem Bier und Cocktails zu westlich sind, der kann zusammen mit den einheimischen Mitarbeitern bei Lagerfeuer, Gitarren- und Ukulelenmusik ein paar Runden Kava trinken, Fijis Nationalgetränk, das wie Schlammwasser aussieht, ähnlich schmeckt und eine beruhigende bzw. betäubende Wirkung auf Körper und Geist haben soll. Kai wird mal eben zum Chief der Runde ernannt, der vorgibt wie viele Runden Kava getrunken wird und dem jeweils der erste Becher zusteht. Zum Glück hat Zeremonienmeister Lai Verständnis, dass Kai seinen Kava „low tide“ ordert, also eine nur wenig gefüllte Kokosnusshälfte mit dem Gebräu. Dementsprechend fit verabschieden wir uns später in unsere Doppel-Bure, die direkt am Sunrise Beach gelegen ist.

Nach drei Nächten beschließen wir noch ein anderes Resort auf einer Insel weiter im Norden auszuprobieren. Außer uns beiden hat sich Pauline ebenfalls das „Gold Coast Resort“ ausgesucht, die wir bereits aus Nadi kennen und die wir zufälligerweise wieder auf der Fähre treffen. Wir werden mit einem kleinen Boot abgeholt und stellen schnell fest, dass es sich um einen sehr kleinen Familienbetrieb handelt und wir die einzigen Gäste sind. Es gibt keinen Strom, dafür Solarlampen, außer Wasser nichts zu trinken (andere Getränke gibt es bei Lo’s Teehaus am Strand um die Ecke) und Pauline entdeckt leider auch ein paar Bettwanzen in ihrer Bure. Zum Abendessen bei Solarlampenschein gibt es Fisch, dessen Gräten man zum einen kaum erkennen kann und der zum anderen leider so dermaßen nach Käse riecht, dass wir ihn nicht anrühren. Zum Glück hatten wir zuvor ein leckeres Stück Schokoladenkuchen bei Mama Lo gegessen, sodass wir nicht mit knurrendem Magen ins Bett müssen.

Überraschender Weise bekommen wir am nächsten Morgen das leckerste Frühstück serviert, das es je auf ganz Fiji gab. Mangos, Papayas, frische Pfannkuchen und Scones mit Kaffe und Tee machen den letzten Abend wieder wett. Als uns die Besitzerin jedoch fragt, in welchem Resort wir heute übernachten wollen, beschließen wir zu Barefoot zurück zu kehren. Vorher marschieren wir noch in brütender Hitze über die Insel, um ein Mal in der berühmten Blauen Lagune zu schnorcheln, die nichts besonderes zu bieten hat, außer ein paar Resorts der gehobenen Preisklasse.

Zyklon im Anmarsch

Zurück auf Barefoot werden wir von Joey, Ruben, Lai und dem Rest der Mannschaft herzlich begrüßt und dürfen gleich mal mit Hand anlegen. Ein Zyklon wird erwartet und wir müssen die drei Boote an Land ziehen. Fenster und Eingang der Hauptbure werden notdürftig vernagelt, ab jetzt wird auch nur noch hier gegessen. Falls es ganz schlimm kommen sollte, gibt es vor Ort einen Bunker, erfahren wir beim Abendessen. Die Nacht über stürmt und regnet es zwar ordentlich und am nächsten Morgen liegen einige herab gerissene Palmzweige und Kokosnüsse überall verstreut auf dem Boden, ansonsten hat uns zum Glück wohl nur ein sehr kleiner Ausläufer der Zyklons gestreift. Positiver Nebeneffekt: Ab sofort kann man mit Regenwasser duschen und Zähne putzen, was bislang leider nur mit einem Salzwassergemisch möglich war.

Wir genießen die letzten beiden Tage auf der Insel, wissend, dass dies wohl die entspanntesten Tage für längere Zeit sein werden, bevor wir über Hongkong in den chinesischen Winter weiterreisen werden.

Samoa: Kleine Schatzinsel irgendwo im Pazifik

„Willkommen auf Jamaika!“ steht auf Kais Telefon, als unser Flieger auf Samoa landet. Dass Samoa deutlich kleiner und noch weniger touristisch erschlossen ist, als die bekannteren Südseeinseln Hawaii
und Fiji, war uns zwar bewusst, trotzdem wundern wir uns, dass es anscheinend auch heutzutage noch schwierig ist, Samoa im Südpazifik korrekt zu lokalisieren. Was ebenfalls verwundert ist die Tatsache, dass Samoa einst deutsche Kolonie zu war. Ein Stück Geschichte, das auch heute noch in Namen wie Schmidt und Bismark auf Samoa zu finden ist. Bei der Ankunft verwirrt uns Air New Zealand noch mehr, indem uns die Fluggesellschaft zwei verschiedene Ortszeiten nennt (Wir wissen auch fünf Tage später noch nicht, wie spät es tatsächlich ist, da uns niemand übereinstimmend die Zeit nennen kann, was aber nicht schlimm ist.) Auf dem Weg ins kleine Flughafengebäude schlägt uns die Schwüle ins Gesicht und die Kamera beschlägt innerhalb von Sekunden. In der Ankunftshalle spielt bereits eine Vier-Mann-Band in bunten Hemden und Lavalava, dem traditionellem Rock für weibliche und männliche Samoaner, und lacht uns ein „Talofa!“ entgegen. Willkommen in der Südsee!

Mit der Fähre setzen wir zunächst auf Savaii, die ursprünglichere Insel der beiden samoanischen Hauptinseln, über. Dass wir die einheimische und nicht die größere Touri-Fähre haben, merken wir daran, dass fast ausschließlich Locals und einige LKWs an Bord sind, die gefährlich hin- und herrollen – was einige Samoaner aber nicht daran hindert, ein Mittagsschläfchen im Schatten unter den LKWs zu halten. Mit dem Taxi brettern wir in den Norden der Insel (Höchstgeschwindigkeit auf Samoa ist 56 km/h, wir fahren um die 100 km/h) bis nach Manase, wo uns bei „Tanu Beach“ Mama Frieda unter ihre Fittiche nimmt. Wir bekommen eine traditionelle Fale direkt am Strand, wobei eine Fale aus einem Dach auf ein paar Stelzen besteht, die seitlich je nach Bedarf mit geflochtenen Palmfächern geschlossen werden kann. Zwei Matratzen und ein Moskitonetz vervollständigen die Einrichtung, einziger Luxus ist ein Lichtschalter. Das Meer vor unsere Nase ist so klar, dass man die neugierigen Fische vom weißen Strand aus beobachten kann. Ein paar Meter weiter beginnt das Korallenriff in dem sich exotisch bunte Fische und blaue Seesterne tummeln. Nachts gehen die Milliarden Sterne direkt ins schwarze Meer über und ein paar Krabben patrouillieren unter den Palmen, die vom Vollmond beleuchtet werden.

Geregeltes Dorfleben auf Savaii

Unser Aufenthalt wird noch perfekter, als wir die beiden Holländer Martine und Fedde kennen lernen und die uns verraten, wie lecker Bacardi in einer frischen Kokosnuss schmeckt. Neben frischen Kokosnüssen und Ananas gibt es morgens und abends deftige samoanische Hausmannskost mit Brotfrucht, Reis, Gemüse, Fisch und grausligen gebratenen Würsten oder Cornedbeef. Wer zwischendurch Hunger bekommt, reißt sich einfach ein paar Bananen ab, die entlang der Dorfstraße an jeder Bushaltestelle zur freien Verfügung hängen. Ob die Bananensnacks auch von Tanu, dem Chief des Dorfes und Besitzer unserer Unterkunft angeordnet wurden, wissen wir zwar nicht. Aber man kann sich auf jeden Fall darauf verlassen, dass er morgens und abends in seinem Toyota-Pickup zusammen mit seiner Frau eine Runde dreht, um nachzusehen, ob im Familienbetrieb und im Dorf alles seine Richtigkeit hat. Eine Tochter von Frieda erzählt uns, dass der ganze Tanu-Clan aus rund 50 Leuten besteht, die sich alle an Weihnachten bei Tanu Beach treffen, um gemeinsam in die Kirche zu gehen, zu essen und zu feiern.

Dass Samoa ganz im Zeichen unterschiedlicher christlicher Glaubensgemeinschaften steht, merkt man spätestens sonntags, wenn alle weiß gekleidet vormittags und nachmittags in ihre jeweilige Kirche gehen. Zwischen Mormonen, Siebentageadventisten, Methodisten, Zeugen Jehovas und anderen herrscht offenbar ein Wettbewerb, wer die größere, schönere Kirche hat. Dabei lebt der überwiegende Teil der Samoaner zusammen mit mindestens Großeltern, Onkeln und Tanten weiterhin in einfachen Fales oder Bungalows, ohne Waschmaschine oder Fernseher, dafür aber mit Familiengrab vor der nicht vorhandenen Haustür.

Mit einem Mietwagen fahren wir an einem Sonntag einmal um die Insel, was mit durchschnittlich 50 km/h ein paar Stunden dauert. Viele der sogenannten Attraktionen können sonntags nicht besichtigt werden, grundsätzlich kosten sie aber immer ein paar Tala Eintritt, was der Dorfgemeinschaft zu gute kommt, auf deren Grund sich die Attraktion befindet. An der Peapea-Höhle trägt unser Guide zum Beispiel ordentlich in ein DIN A4-Heft ein, wie viele Besucher da waren, woher sie kommen und wie viel sie bezahlt haben. Insgesamt haben Savaii und Upolu, die andere Hauptinsel, nicht allzu viele Sehenswürdigkeiten zu bieten oder die Attraktionen sind zum Teil so unscheinbar, dass man sie ohne Hinweis gar nicht erkennt. Hinzu kommt, dass sie ziemlich schlecht ausgeschildert sind. Allerdings findet sich immer irgendwo ein Einheimischer, der den Touris erklärt, was Sache ist. Wirklich beeindruckend sind die Blowholes im Südwesten von Savaii. Dort prallt das Meer mit voller Wucht auf ein paar ausgewaschene Löcher im schwarzen Lavagestein, sodass meterhohe Fontänen nach oben gedrückt werden. Wie viel Energie dahinter steckt, zeigt sich besonders deutlich, als der „Security Guy“ gekonnt ein paar Kokosnüsse in die Blowholes wirft, von wo aus sie wenig später in die Luft und in zig Teile gesprengt werden.

Wiederaufbau nach dem Tsunami

Nach ein paar Tagen setzen wir zusammen mit Martine und Fedde mit der Fähre wieder nach Upolu über. Diesmal sind nur wenige Leute an Bord, dafür aber ein LKW mit Kokosnussabfällen, die erbärmlich stinken. Am Hafen einigen wir uns mit einem Taxifahrer auf einen Preis, für den er uns auf die andere Seite der Insel bringt. Bevor es jedoch richtig losgeht, bekommt jeder noch eine frische Mango in die Hand und schon brettern wir durch den Regen vorbei an „Speed kills“-Schildern zur Südost-Küste. Wir quartieren uns bei den „Taufua Beach Fales“ ein, wieder direkt am Meer, allerdings etwas weniger familiär als bei Mama Frieda. Die Gegend rund um Lalomanu wurde 2009 von einem Tsunami verwüstet, was man teilweise noch recht deutlich sieht: viele Fale- und Bungalow-Ruinen, einige wenige Neubauten, kaum ältere Bäume und ein Tsunami-Fluchtweg, der leider nur auf samoanisch ausgeschildert ist. Die meisten ehemaligen Einwohner sind inzwischen weg vom Strand hoch auf den Berg in das neue Dorf umgesiedelt. Ob ein Tsunami zwei Mal an der selben Stelle zuschlägt? Zumindest schlafen wir in der ersten Nacht, in der ein Sturm über die Küste fegt, ziemlich unruhig. Am nächsten Morgen sehen wir dafür vom Frühstückstisch aus die Fontänen von ein paar Walen, die in der Ferne vorüberziehen.

Tags darauf müssen unsere beiden holländischen Begleiter zurück nach Neuseeland und wir begleiten sie in die Hauptstadt Apia. Auf der Fahrt erzählt uns der Taxifahrer, dass gestern der Präsident nebenan in seinem Heimatdorf gewesen sei, um Palolowürmer zu fangen, eine lokale Spezialität, die nur ein Mal im Jahr an der Küste Samoas auftritt. Wir erfahren noch mehr über samoanisches Politikverständnis, das Gesundheitswesen, Energieversorgung, Auswirkungen der Klimaveränderung und das Dorf, in dem heute noch als einziges Hunde gegessen werden.

In Apia besorgen wir uns auf eine Empfehlung hin einen Mietwagen bei Budget, was leider ziemlich schief läuft. Auf Samoa benötigt jeder Ausländer einen zusätzlichen, lokalen Führerschein, den normalerweise die Autovermietung für 20 Tala mit ausstellt. In unserem Fall vermieten sie uns das Auto, um uns dann mitzuteilen, dass sie uns leider keinen lokale Erlaubnis ausstellen können. Wir sollen in zwei Stunden noch mal vorbeikommen oder uns die Bescheinigung bei der Post besorgen. Gleichzeitig stellen sie den Wagen mitten auf der Straße vor dem Büro ab und drängen uns, schnell Platz zu machen. Da Fedde der einzige aus unserer Truppe ist, der bereits einen lokalen Führerschein hat, versucht er das Auto an der Straßenseite zu parken. Da steht schon der Polizist neben unserem Auto, zückt seinen Stift und teilt uns mit, dass Fedde soeben gegen vier Punkte der Verkehrsordnung verstoßen hat. Nach einiger Diskussion können wir den Polizisten überzeugen, dass Budget den Wagen einfach mitten auf der Straße abgestellt hat, ohne uns die Bescheinigung auszustellen und ohne uns einen Blick darauf werden zu lassen, ob überhaupt alles in Ordnung ist. Großzügig belässt er es schließlich bei einer Verwarnung, steigt zu seiner Familie in den Polizeiwagen und düst davon.

Kühles Nass unter der Oberfläche

Nachdem wir uns von unseren holländischen Freunden verabschiedet haben, machen wir uns noch immer verärgert auf den Weg Richtung Ostküste. Für eine kleine Erfrischung zwischendurch stoppen wir an den Piula Cave Pools, zwei wassergefüllten Höhlen, die miteinander verbunden sind und sich direkt unter einem Methodisten-Kolleg befinden. Während wir unten im glasklaren Wasser mit ein paar Fischen plantschen, ertönen von oben Kirchengesänge, was zusammen und bei rund 30 Grad im Schatten ziemlich skurril wirkt.

Abends übernachten wir bei Mama Rosella bei den „Faofao Beach Fales“. Außer uns gibt es nur einen weiteren Gast, eine Australierin, die quasi zur Familie gehört, da sie schon öfters hier war und ein wenig beim Wiederaufbau nach dem Tsunami hilft. Am nächsten Morgen geht es weiter zum To Sua Ocean Trench, einem weiteren riesigen Wasserloch an der Küste, zu dem man über eine 20 m lange Leiter hinunter klettern muss. Unten angekommen, erwartet uns erfrischend glasklares Wasser und ein paar leuchtend blaue Fische, die sich von uns aber nicht stören lassen. Unsere weitere Fahrt führt in den Westen von Upolu, vorbei an bunten kleinen Dörfern und großen, herausgeputzten Kirchen. Es wird immer wärmer und ruhiger, sogar die streunenden Hunde und Schweine ziehen sich in den Schatten zurück. Generell tut sich zwischen 12 und 17 Uhr so gut wie gar nichts mehr, fast alle halten ein Mittagsschläfchen, um der Hitze zu entgehen. Erst gegen Abend wird dann in beinahe jedem Dorf Volleyball oder Rugby gespielt und die kleinen Obststände am Straßenrand sind wieder besetzt.

Die Straße zum Matareva Beach kostet uns 30 Tala Benutzungsgebühr, die an das Dorf geht, dafür erwartet uns aber eine Buckelpiste, die diese Bezeichnung auf jeden Fall verdient hat. Nachdem wir und der Mietwagen sie heil hinter uns gebracht haben, landen wir an einen wunderbaren weißen Sandstrand wie aus dem Bilderbuch. Leider hängen am Resort nur ein paar besoffene Locals rum und spielen Pool, keiner fühlt sich zuständig, uns eine Unterkunft zu vermieten. Enttäuscht packen wir nach einem kurzen Bad im Meer wieder unsere Sachen und fahren weiter. Da es auf Samoa nicht allzu viele Unterkünfte gibt, vor allem nicht in der Budget-Klasse, landen wir somit bereits einen Tag früher als geplant in Apia. Eine weitere Eigenheit macht es Touristen mitunter etwas schwer, sich in der Hauptstadt zurechtzufinden: Es gibt so gut wie keine Straßenschilder und auf den Flyern, auf denen Hotels & Co. werben, sind erst gar keine Adressen angegeben. Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, ist das Hotel, das wir suchen, zudem nur von einer Straßenseite einsehbar ausgeschildert, sodass wir erst drei Mal daran vorbei fahren, bevor wir endlich das „Samoan Outrigger Hotel“ finden. Auf der Suche nach einem bestimmten Restaurant, das wir letztendlich gar nicht finden, landen wir schließlich im „Seafood Gourmet“ in der Nähe des Hafens. Es gibt hervorragendes Oka, roher Fisch in Kokosmilch mit Chili und Tomaten, und Samoas einziges aber leckeres Bier, Vailima, das ursprünglich von Deutschen gebraut wurde.

Zu Besuch beim Autor der Schatzinsel

An unserem letzten Tag besuchen wir die Villa von Robert Louis Stevenson, in der der Autor von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ und „Die Schatzinsel“ seine letzten fünf Lebensjahre verbrachte und die heute ein Museum ist. Es ist bereits unerträglich heiß und schwül, als wir gegen 10 h den Hügel zu Stevensons Grab hochsteigen. Der Weg dauert zwar nur 30 Minuten, trotzdem rennt uns bereits nach wenigen Metern der Schweiß in Strömen herunter und die Moskitos stürzen sich gierig auf uns. Etwa auf der Hälfte des Weges kommen und zwei ältere und durchaus rundliche Damen entgegen, ohne einen einzigen Schweißtropfen auf der Stirn. Sie lachen, als wir erschöpft und klatschnass erzählen, dass wir aus Deutschland kommen und so ein Klima nicht gewöhnt sind. Die beiden Damen stammen von der Nachbarinsel Tuvalu und raten uns vorausschauend, die Temperaturen zu genießen und in guter Erinnerung zu bewahren.

Das bunte Leben an der Datumsgrenze

Willkommen und Talofa an der Datumsgrenze

 

Gleich ab ins Gewusel und auf Savaii rüber geschippert

 

Erstbezug mit Meerblick – was will man mehr

 

Was für ein Ausblick…fast wie zu Hause

 

Ach ja, Samoa war mal deutsch…und was für schmückende Namen man hier findet – gerade als Norddeutscher

 

Gerade beim MVV zur Durchsicht als neue Geschäftsidee – Busstop mit kostenloser Zwischenverpflegung

 

Wie in der Werbung – wir tranken den Barcadi aus den frischgeköpften Kokosnüssen  (Thanks Fedde und Martine for the idea, the Vol-% and your hospitality)

 

Nix Fototapete: Vollmond über unserer Fale (sehr schöne Langzeitbelichtung von Maufi)

 

Natürlich geht es sonntags in die Kirche – vormittags UND nachmittags

 

Fedde, Herr der Gezeiten an den Blowholes

 

Tanu Beach: Wann gibt’s endlich Abendessen?

 

Der inoffizielle Mercedes-Stern Samoas – etwas auffälliger und schlechtere Widerstandswerte im Windkanal

 

…und plötzlich prangte auf der anderen Seite der Erde etwas Vertrautes an der Wand…

 

Männer haltet Eure Frauen fest! Hier kommt der samoanische Pierre Brice

 

So gepflegt muss ein Vorgarten aussehen, dann kommen die Nachbarn gerne mal auf ein Gläschen Cherry (oder einen Rum) vorbei.

 

Die Folgen des Tsunamis von 2009 sind noch allerorts an der Küste deutlich zu sehen

 

Farbenfrohe Natur…

 

…und komische Vögel

 

Ja mei, schöner geht’s kaum noch

 

Jetzt wissen wir endlich, was er auf seine alten Tage so macht.

 

Der erste Kamin Samoas (natürlich unbenutzt bei der Hitze) im Sterbe- und Arbeitszimmer von Robert Louis Stevenson („Die Schatzinsel“)

 

Eine Straße Richtung Strand…mal schauen, wohin sie führt.

 

Ein Abschlussbuidl am Strand … Tofa Samoa!

Abschiedstour durch den Norden Neuseelands

Sonnenuntergang an der letzten Ruhestelle der „Rainbow Warrior“

Hier könnte auch Michel aus Lönneberga wohnen

…wo ist denn schon wieder mein Freund abgeblieben…

Der „Ninety Mile Beach“ in voller Pracht

Ein Blick hinter den „Ninety Miles Beach“

Dichter Urwald und die schönsten Dünen der Gegend – nur von etwas Wasser getrennt

Stolz thront der Mast der „Rainbow Warrior“ über Dargaville

Rangitoto: Alpenerprobtes Schuhwerk für Aucklands jüngsten Vulkan

Deutsche Interpretation eines maorischen Haka

In Auckland trifft Tradition auf Moderne

The“beautiful/awesome“ skyline of Auckland

 

 

Das Ende vom Ende der Welt

Fast 6.000 km haben wir im vergangenen Monat mit unserem Camper auf Neuseelands Straßen zurückgelegt. Die meiste Zeit zwar leider im Regen, letzten Endes hat sich die Sonne aber dann doch noch blicken lassen. Nachdem wir uns an den heißen Quellen rund um Rotorua etwas aufgewärmt haben, machen wir uns auf den Weg in den Norden ins Umland von Hamilton, um Sandra, eine Freundin aus Studientagen, die dort mit ihrer Familie lebt, zu besuchen. Als wir bei stürmischem Wetter durch ein Waldstück fahren, liegt plötzlich ein halber Baum auf der Straße. Zwei Minuten vorher kam uns gerade noch ein Auto entgegen. Also erstmal die Fahrbahn frei räumen, bevor es weitergeht.

Auf Abwegen

Auf unserem Weg nach Hamilton kommen wir bei den berühmten Waitomo Caves vorbei, die eigentlich auf jeder Touri-To-Do-Liste stehen und entsprechend viel Eintritt kosten. Wir haben jedoch keine Lust auf viele Leute und schauen uns stattdessen die Piripiri-Höhle an, die gleich um die Ecke liegt, keinen Eintritt kostet und menschenleer ist. Unser Weg abseits der Touri-Routen führt uns allerdings auch über eine kilometerlange unbefestigte Straße ohne Wegweiser, auf der uns jeder entgegenkommende Autofahrer freundlich grüßt. Nachdem wir uns ziemlich sicher sind, dass wir uns verfahren haben, schlagen wir einen anderen Weg ein, bis wir zu ein paar Pfählen kommen, auf denen ein Ziegenschädel und ein paar undefinierbare Tierfelle angebracht sind. Wir sehen ein, dass das Schild „No Access Road“ zu Beginn der Straße wohl ernst gemeint ist.

Über ein paar Umwege trudeln wir schließlich doch noch auf der Farm von Sandra und Conrad ein, bei denen wir die nächsten drei Tage verbringen werden. Mit den beiden Jungs Tama und Shane, Philipp, einem Wwoofer aus Deutschland, den fünf Katzen, einem Hund, einem Schaf, zwei Ziegen, Hühnern und etwa 500 Rindern ist ihr Zuhause für unser Verständnis zwar bereits gut bevölkert, nichtsdestotrotz bekommen wir ein eigenes Zimmer, werden in die heimischen Risiko- und Starwars-Spiele integriert und fataler Weise auch noch bestens verköstigt. Daran, dass es nach jedem Abendessen auch noch leckeren Nachtisch gibt, gewöhnen wir uns leider viel zu sehr und nicht überall hat Kuh-Fan Kai die Möglichkeit, ein Kälbchen mit der Flasche zu füttern. Entsprechend schwer fällt uns der Abschied, als wir uns nach dem Labour-Weekend schließlich wieder auf den Weg Richtung Coromandel machen.

Unser nächster Stopp ist zur Abwechslung mal wieder ein Must-See jedes Neuseelandbesuchers: Am Hot Water Beach graben bereits die ersten Touris nach warmem Wasser, das von einer unterirdischen heißen Quelle nach oben gedrückt wird. Wir halten uns nicht lange auf und fahren über den „legendären“ Highway 309 (laut unseres Wohnmobilführers) von der Ost- an die Westküste der Coromandel-Halbinsel, wo wir bereits wieder vom Regen erwartet werden. Beste Voraussetzungen also für einen Tag auf der Straße, der uns bis in den Norden von Auckland nach Mangawhai bringt, einem verschlafenen Ferienort in der Vorsaison.

Kunst und Geschichte

Auf unserer Suche nach einem DOC-Campingplatz an einem kleinen Strand bei Whananaki (ausgesprochen Fänänäki) landen wir mal wieder auf den tollsten Schotterpisten im fast unbewohnten Hinterland ohne Wegweiser, bis auf das ermutigende Schild, dass es sich zumindest noch um eine „Milk Tank Route“ handelt. Und tatsächlich kommen wir wie geplant am Otamure Beach raus, allerdings auf der falschen Seite der Lagune. Unser weiterer Weg in den Norden führt uns anschließend über das Städtchen Kawakawa, das außer einer außergewöhnlichen Toilette, die vom Künstler Friedensreich Hunderwasser gestaltet wurde, wenig zu bieten hat.

Nur ein paar Kilometer weiter wurde in Waitangi neuseeländische Geschichte geschrieben. Dort unterzeichneten 1840 Vertreter der englischen Regierung und einiger Maori-Stämme einen Vertrag, der unter anderem Zugehörigkeit und Landnutzung regeln sollte. Fataler Weise stimmten die maorische und englische Version in einigen Punkten nicht überein, was wohl bis heute zu Spannungen führt. Da wir bereits im Te Papa Museum einiges über den Vertrag von Waitangi erfahren haben, sparen wir uns die $35 Eintritt pro Person und verlassen die Bay of Islands.

Erinnert sich noch jemand an die „Rainbow Warrior“, das Greenpeace-Schiff, das 1985 vom französischen Geheimdienst im Hafen von Auckland versenkt wurde? Von einem kleinen Hügel direkt neben unserem Campingplatz kann man auf die Stelle blicken, an der das Wrack 1987 letzten Endes in der Matauri Bay versenkt wurde. Heute dient es Fischen und anderen Meeresbewohnern als Lebensraum und ist ein beliebtes Tauchrevier. Auf dem Hügel selbst steht ein Denkmal für das Schiff und die Person, die bei dem Anschlag getötet wurde.

Sonniger Norden

Nördlich der Doubtless Bay zeigt das Thermometer erfreulicher Weise zum ersten Mal 21 Grad, was wir mit mehreren Stopps an einigen kleinen Stränden sofort auskosten. Zwar fahren wir nicht bis ganz hoch zum Cape Reinga, Neuseelands nördlichsten Punkt, stattdessen quartieren wir uns auf halber Strecke des berühmten 90 Mile Beach im Wagener Holiday Park bei Houhora Heads ein. Mal wieder befinden wir uns auf historischem Terrain. Auf dem unscheinbaren Anwesen nebenan leben Nachfahren der polnischen Königsfamilie, die nach Neuseeland geflüchtet waren. Auf dem Gelände des Campingplatzes selbst befinden sich einige Stellen, die von den Maori rituell genutzt wurden (deshalb durfte dort auch der Swimmingpool nicht gebaut werden, erzählt uns der Besitzer). Außerdem weisen Funde auf der Landzunge gegenüber darauf hin, dass es sich um eine der ältesten Maori-Siedlungen an diesem Ende der Welt überhaupt handeln dürfte. Nichts davon ist irgendwo beschrieben, alles erfahren wir von Colin, der den Campingplatz mit Herz und Seele leitet. Wir leihen uns ein Kajak, paddeln rüber auf die geschichtsträchtige Landzunge und klettern auf den Hügel. Leider finden wir außer ein paar Überresten eines Kuhskeletts nichts, was uns Nicht-Archäologen mehr erzählen könnte.

Zurück in den Süden

Ab jetzt führt unser Weg wieder Richtung Süden, da wir am 1. November 2012 von Auckland nach Samoa abfliegen werden. Davor machen wir noch einmal bei den beiden größten Stränden, dem 90 Mile Beach und dem Baylys Beach Halt und lassen uns den Wind um die Nase wehen. Vor Dargaville führt der Highway durch den Waipoa Kauri Forest, dem größten zusammenhängenden Kauri-Wald Neuseelands. Der beeindruckende „Tane Mahuta“, der Gott des Waldes, ist mit seinen rund 2000 Jahren und 245 m3 der größte lebende Kauri-Baum und wir fühlen uns davor winzig klein.

Unser letzter Stopp vor Auckland ist das verschlafene Örtchen Dargaville. Hier bezahlen wir nur $15 für den Campingplatz (sonst haben wir zwischen $24 und $46 bezahlt), dafür sind die „Facilities“ schon deutlich in die Jahre gekommen. Was uns besonders freut und überrascht: Als wir im Supermarkt eine Dose Bier kaufen, müssen wir den Ausweis zeigen. In Neuseeland darf man Alkohol nämlich erst ab 18 erwerben. Scheinbar ist uns das Klima hierzulande gut bekommen uns wir fahren fröhlich im Regen weiter zu unserer letzten Station: Auckland.

Großstadt zum Abschluss

Im Vergleich zum restlichen Land ist Auckland wirklich eine Großstadt mit Hafen, zweispuriger Autobahn, ein paar Hochhäusern, seriösen Anzugträgern, vielen Asiaten und Polizeisirenen. Allerdings werden selbst in Neuseelands größter Stadt die Bürgersteige zeitig hochgeklappt, die meisten Läden und Foodcourts in der City schließen bereits um 18 Uhr. Ein kühles Bier, Burger, Fish & Chips und zum Glück auch Sushi bekommt man immerhin auch noch zu späterer Stunde.

An unserem letzten Tag setzen wir mit der Fähre nach Rangitoto über, die mit gerade mal 600 Jahren jüngste Vulkaninsel in Aucklands Umgebung. Als wir nach einer halben Stunde Fußmarsch am Gipfel des bewaldeten Kraters ankommen, zeigt sich noch mal die Sonne und eröffnet uns einen phantastischen Blick über das blaugrüne Hafenbecken auf die „City of Sails“. Ein wunderbarer Abschied von diesem Ende der Welt – auf nach Samoa!

Wellington, Vulkane und weites Land

Einsame Buchten in den Marlborough Sounds nach einigen heftigen Regenschauern

Das letzte Festland der Südinsel

Erste Schnappschüsse in Wellington

Cable Car Wellington: Ein Muss für jeden Touristen

Für einen kurzen Moment zeigt der Mount Taranaki an diesem Tag seine ganze Schönheit

Wie geschaffen für Hobbits und Teletubbies

Mordor sieht an diesem Tag gar nicht so düster aus wie im Film

Mordor Tag 2: Oh ja, lass uns ein wenig durch den Regen gehen

Mordor Tag 2: In welcher Richtung liegt noch mal der Vulkan?

Kraterlandschaft in Waiotapu: Die Erde trägt ihr Innerstes in leuchtenden Farben nach außen

Auf den Geysir Lady Knox kann man(n) sich verlassen – jeden Tag

Sturm, Vulkane und heiße Quellen

Dass Neuseeland ein Land der Extreme ist, erfahren wir jeden Tag, im positiven wie negativen Sinne. Nach zwei sonnigen Tagen an der Golden Bay fahren wir weiter nach Nelson mit Zwischenstopp an den Pupu Springs, den größten Quellen Asiens und Ozeaniens. Nelson ist mit etwa 50.000 Einwohnern zwar die größte Stadt im Norden der neuseeländischen Südinsel, allerdings schließen hier die meisten Läden und Cafés bereits um 17h, auch am Freitag. Aus unserem Plan, in der Hafenstadt ein paar Fish & Chips zu essen, wird leider nichts und der wieder einsetzende Regen macht die leer gefegte Stadt noch trostloser. Immerhin hat der Supermarkt noch geöffnet und ein riesiger, leckerer Schokomuffin hebt die Laune zumindest kurzfristig.

Wir fahren die Küstenstraße weiter Richtung Picton, vorbei an großen abgeholzten Waldflächen. In dem kleinen Ort Havelock bekommen wir dann doch noch unsere Fish & Chips, allerdings sind diese so fettig, dass das schlechte Gewissen bei jedem Bissen größer wird. Mehr oder weniger zufällig biegen wir kurz nach Havelock in eine kleine Straße ein, die sich praktischer Weise als „Queen Charlotte Drive“ herausstellt. Wir suchen die Hausnummer 1.419 und werden nach einigen halsbrecherischen Kurven schließlich tatsächlich fündig: Auf der Smiths Farm erwartet uns Besitzerin Barbara mit zwei ofenwarmen Banane-Schoko-Muffins und einem blitzblanken Campingplatz inmitten eines riesigen Farmgeländes.

Nachdem es die ganze Nacht aus allen Eimern geschüttet hat, geht es den ganzen Tag erbarmungslos genauso weiter. Eigentlich wollten wir ein Stück des Queen Charlotte Tracks gehen, doch bei dem Wetter nutzen wir die Zeit stattdessen zum Wäsche waschen, machen einen kurzen Abstecher nach Picton, kaufen Impregnierspray für unsere Regenjacken und versuchen zurück auf dem Campingplatz bei einem kleinen Feuer im Küchenofen irgendeinen Geschmack in unseren blassen Kartoffeln mit Quark herauszuschmecken. Als der Regen etwas leichter wird, schauen wir bei den Schafen und der Ziege vorbei, die über die überflutete Wiese staksen. Nur das Schwein Molly zeigt sich vom Mistwetter unbeeindruckt. Nachmittags unternehmen wir mit unserem Camper einen kleinen Ausflug entlang des Kenepuru Sounds und erwischen mit ein wenig Glück doch noch die ein oder andere Aussicht auf unzählige schöne Buchten. Abends trauen wir uns in den einzigen Pub von Linkwater, um das Rugby-Spiel zwischen Neuseeland und Australien zu sehen. Im Pub hat sich eine Handvoll Einheimischer bereits häuslich eingerichtet, das Kaminfeuer brennt, das Bier wird per Klingel geordert, und wer es sich nicht in Socken gemütlich macht, der sitzt eben barfuß auf seinem Hocker.

Stürmische Überfahrt von der Nord- auf die Südinsel

Wegen des sintflutartigen Regens setzen wir bereits einen Tag früher als ursprünglich geplant mit der Fähre von Picton nach Wellington auf die Nordinsel über. Im Gegensatz zu gestern scheint heute natürlich die Sonne, allerdings werden die Bedingungen der Überfahrt mit „moderate“ angegeben, sodass mit drei Meter hohen Wellen zu rechnen ist. Was das konkret bedeutet, merken wir ziemlich schnell: Gegenüber von uns sitzt eine Mutter mit ihren beiden Söhnen, die während der weiteren Überfahrt an die zehn Kotztüten zum Abfalleimer balanciert. Die beiden Jungs sind in bester Gesellschaft, auf allen Passagierdecks wird sich ordentlich übergeben und auf dem schaukelnde Schiff riecht es mittlerweile ziemlich erbärmlich. Zum Glück bleiben wir beide verschont und sind verdammt froh, als wir schließlich 3,5 Stunden später bei Wind und Sonnenschein in Wellington einlaufen. Nachdem wir uns einen Stellplatz für die Nacht gesucht haben, nutzen wir den restlichen regenfreien Tag und schlendern die Waterfront und die Innenstadt entlang.

Am nächsten Morgen sichern wir uns als Early Bird für 10$ einen Platz im Parkhaus direkt in Zentrum und verbringen die nächsten fünf Stunden im Te Papa, Wellingtons großartiges Museum. Auf mehreren Ebenen gibt es alles Mögliche rund um Neuseelands Geschichte, Natur, Tierwelt und Maori-Kultur zu entdecken. Im „Erdbebenhaus“ wird simuliert, wie sich ein relativ kleines Erdbeben anfühlt und auch sonst wird uns immer klarer, wie sehr Vulkane, Überflutungen, Erosionen und sonstige Naturkatastrophen zum neuseeländischen Alltag gehören. Schwer von Te Papa beeindruckt fahren wir mit der Cable Car zum Botanischen Garten hoch, von wo aus wir einen wunderbar klaren Überblick über die Stadt und den Hafen haben.

Am frühen Abend verlassen wir die Hauptstadt um gerade noch rechtzeitig auf dem Campingplatz am Strand bei Warangi einzuchecken. Es stürmt bereits ziemlich und wir erwarten eine kalte Nacht.

Schneebedeckte Vulkane bei bestem Postkartenwetter

Der nächste Morgen begrüßt uns wolkenverhangen, als wir ganz in den Westen der Nordinsel zum Mount Taranaki aufbrechen. Als wir bis auf wenige Kilometer an den Berg herangefahren sind, zeigt sich Mount Taranaki in seiner ganzen Pracht und wir haben einen Spitzenblick auf den perfekt geformten Vulkankegel. Auch die weitere Fahrt zum Tongariro Nationalpark beschert und beste Aussichten auf drei weitere schneebedeckte Vulkane im Landesinneren. Wir freuen uns bereits auf die Tour, die wir für morgen geplant haben. Die Tongariro Alpine Crossing müssen wir uns jedoch aus dem Kopf schlagen, da Sturmböhen mit bis zu 110 km/h vorausgesagt sind.

Am nächsten Morgen ist tatsächlich eher „Mordor“ angesagt: Von der beeindruckenden Vulkanlandschaft, die als Kulisse für die Verfilmung von „Herr der Ringe“ diente, ist im Gegensatz zu gestern rein gar nichts mehr zu erkennen, alles in Nebel, Regen und Kälte getaucht. Da die oberen Touren am Berg wegen Sturmwarnung gesperrt sind, machen wir uns auf den Weg zum Taranaki Waterfall und den Tama Lakes auf. Das Wetter wird immer schlechter, man sieht nur ein paar Meter weit, Wind und Regen werden immer stärker. Als ein Schild verkündet, dass wir den Lower Lake Tama erreicht haben, sehen wir nur einen nebligen Abgrund ohne Boden.

Kein Grund sich lange aufzuhalten, also bringen wir den 2,5-stündigen Rückweg schnell hinter uns und fahren weiter nach Waikite Valley, das uns heiße Thermalquellen verspricht. Und tatsächlich, an unseren Campingplatz sind sechs Pools mit Wasser um die 40 Grad angeschlossen, die wir bis 21h kostenlos nutzen dürfen.