Samoa: Kleine Schatzinsel irgendwo im Pazifik

„Willkommen auf Jamaika!“ steht auf Kais Telefon, als unser Flieger auf Samoa landet. Dass Samoa deutlich kleiner und noch weniger touristisch erschlossen ist, als die bekannteren Südseeinseln Hawaii
und Fiji, war uns zwar bewusst, trotzdem wundern wir uns, dass es anscheinend auch heutzutage noch schwierig ist, Samoa im Südpazifik korrekt zu lokalisieren. Was ebenfalls verwundert ist die Tatsache, dass Samoa einst deutsche Kolonie zu war. Ein Stück Geschichte, das auch heute noch in Namen wie Schmidt und Bismark auf Samoa zu finden ist. Bei der Ankunft verwirrt uns Air New Zealand noch mehr, indem uns die Fluggesellschaft zwei verschiedene Ortszeiten nennt (Wir wissen auch fünf Tage später noch nicht, wie spät es tatsächlich ist, da uns niemand übereinstimmend die Zeit nennen kann, was aber nicht schlimm ist.) Auf dem Weg ins kleine Flughafengebäude schlägt uns die Schwüle ins Gesicht und die Kamera beschlägt innerhalb von Sekunden. In der Ankunftshalle spielt bereits eine Vier-Mann-Band in bunten Hemden und Lavalava, dem traditionellem Rock für weibliche und männliche Samoaner, und lacht uns ein „Talofa!“ entgegen. Willkommen in der Südsee!

Mit der Fähre setzen wir zunächst auf Savaii, die ursprünglichere Insel der beiden samoanischen Hauptinseln, über. Dass wir die einheimische und nicht die größere Touri-Fähre haben, merken wir daran, dass fast ausschließlich Locals und einige LKWs an Bord sind, die gefährlich hin- und herrollen – was einige Samoaner aber nicht daran hindert, ein Mittagsschläfchen im Schatten unter den LKWs zu halten. Mit dem Taxi brettern wir in den Norden der Insel (Höchstgeschwindigkeit auf Samoa ist 56 km/h, wir fahren um die 100 km/h) bis nach Manase, wo uns bei „Tanu Beach“ Mama Frieda unter ihre Fittiche nimmt. Wir bekommen eine traditionelle Fale direkt am Strand, wobei eine Fale aus einem Dach auf ein paar Stelzen besteht, die seitlich je nach Bedarf mit geflochtenen Palmfächern geschlossen werden kann. Zwei Matratzen und ein Moskitonetz vervollständigen die Einrichtung, einziger Luxus ist ein Lichtschalter. Das Meer vor unsere Nase ist so klar, dass man die neugierigen Fische vom weißen Strand aus beobachten kann. Ein paar Meter weiter beginnt das Korallenriff in dem sich exotisch bunte Fische und blaue Seesterne tummeln. Nachts gehen die Milliarden Sterne direkt ins schwarze Meer über und ein paar Krabben patrouillieren unter den Palmen, die vom Vollmond beleuchtet werden.

Geregeltes Dorfleben auf Savaii

Unser Aufenthalt wird noch perfekter, als wir die beiden Holländer Martine und Fedde kennen lernen und die uns verraten, wie lecker Bacardi in einer frischen Kokosnuss schmeckt. Neben frischen Kokosnüssen und Ananas gibt es morgens und abends deftige samoanische Hausmannskost mit Brotfrucht, Reis, Gemüse, Fisch und grausligen gebratenen Würsten oder Cornedbeef. Wer zwischendurch Hunger bekommt, reißt sich einfach ein paar Bananen ab, die entlang der Dorfstraße an jeder Bushaltestelle zur freien Verfügung hängen. Ob die Bananensnacks auch von Tanu, dem Chief des Dorfes und Besitzer unserer Unterkunft angeordnet wurden, wissen wir zwar nicht. Aber man kann sich auf jeden Fall darauf verlassen, dass er morgens und abends in seinem Toyota-Pickup zusammen mit seiner Frau eine Runde dreht, um nachzusehen, ob im Familienbetrieb und im Dorf alles seine Richtigkeit hat. Eine Tochter von Frieda erzählt uns, dass der ganze Tanu-Clan aus rund 50 Leuten besteht, die sich alle an Weihnachten bei Tanu Beach treffen, um gemeinsam in die Kirche zu gehen, zu essen und zu feiern.

Dass Samoa ganz im Zeichen unterschiedlicher christlicher Glaubensgemeinschaften steht, merkt man spätestens sonntags, wenn alle weiß gekleidet vormittags und nachmittags in ihre jeweilige Kirche gehen. Zwischen Mormonen, Siebentageadventisten, Methodisten, Zeugen Jehovas und anderen herrscht offenbar ein Wettbewerb, wer die größere, schönere Kirche hat. Dabei lebt der überwiegende Teil der Samoaner zusammen mit mindestens Großeltern, Onkeln und Tanten weiterhin in einfachen Fales oder Bungalows, ohne Waschmaschine oder Fernseher, dafür aber mit Familiengrab vor der nicht vorhandenen Haustür.

Mit einem Mietwagen fahren wir an einem Sonntag einmal um die Insel, was mit durchschnittlich 50 km/h ein paar Stunden dauert. Viele der sogenannten Attraktionen können sonntags nicht besichtigt werden, grundsätzlich kosten sie aber immer ein paar Tala Eintritt, was der Dorfgemeinschaft zu gute kommt, auf deren Grund sich die Attraktion befindet. An der Peapea-Höhle trägt unser Guide zum Beispiel ordentlich in ein DIN A4-Heft ein, wie viele Besucher da waren, woher sie kommen und wie viel sie bezahlt haben. Insgesamt haben Savaii und Upolu, die andere Hauptinsel, nicht allzu viele Sehenswürdigkeiten zu bieten oder die Attraktionen sind zum Teil so unscheinbar, dass man sie ohne Hinweis gar nicht erkennt. Hinzu kommt, dass sie ziemlich schlecht ausgeschildert sind. Allerdings findet sich immer irgendwo ein Einheimischer, der den Touris erklärt, was Sache ist. Wirklich beeindruckend sind die Blowholes im Südwesten von Savaii. Dort prallt das Meer mit voller Wucht auf ein paar ausgewaschene Löcher im schwarzen Lavagestein, sodass meterhohe Fontänen nach oben gedrückt werden. Wie viel Energie dahinter steckt, zeigt sich besonders deutlich, als der „Security Guy“ gekonnt ein paar Kokosnüsse in die Blowholes wirft, von wo aus sie wenig später in die Luft und in zig Teile gesprengt werden.

Wiederaufbau nach dem Tsunami

Nach ein paar Tagen setzen wir zusammen mit Martine und Fedde mit der Fähre wieder nach Upolu über. Diesmal sind nur wenige Leute an Bord, dafür aber ein LKW mit Kokosnussabfällen, die erbärmlich stinken. Am Hafen einigen wir uns mit einem Taxifahrer auf einen Preis, für den er uns auf die andere Seite der Insel bringt. Bevor es jedoch richtig losgeht, bekommt jeder noch eine frische Mango in die Hand und schon brettern wir durch den Regen vorbei an „Speed kills“-Schildern zur Südost-Küste. Wir quartieren uns bei den „Taufua Beach Fales“ ein, wieder direkt am Meer, allerdings etwas weniger familiär als bei Mama Frieda. Die Gegend rund um Lalomanu wurde 2009 von einem Tsunami verwüstet, was man teilweise noch recht deutlich sieht: viele Fale- und Bungalow-Ruinen, einige wenige Neubauten, kaum ältere Bäume und ein Tsunami-Fluchtweg, der leider nur auf samoanisch ausgeschildert ist. Die meisten ehemaligen Einwohner sind inzwischen weg vom Strand hoch auf den Berg in das neue Dorf umgesiedelt. Ob ein Tsunami zwei Mal an der selben Stelle zuschlägt? Zumindest schlafen wir in der ersten Nacht, in der ein Sturm über die Küste fegt, ziemlich unruhig. Am nächsten Morgen sehen wir dafür vom Frühstückstisch aus die Fontänen von ein paar Walen, die in der Ferne vorüberziehen.

Tags darauf müssen unsere beiden holländischen Begleiter zurück nach Neuseeland und wir begleiten sie in die Hauptstadt Apia. Auf der Fahrt erzählt uns der Taxifahrer, dass gestern der Präsident nebenan in seinem Heimatdorf gewesen sei, um Palolowürmer zu fangen, eine lokale Spezialität, die nur ein Mal im Jahr an der Küste Samoas auftritt. Wir erfahren noch mehr über samoanisches Politikverständnis, das Gesundheitswesen, Energieversorgung, Auswirkungen der Klimaveränderung und das Dorf, in dem heute noch als einziges Hunde gegessen werden.

In Apia besorgen wir uns auf eine Empfehlung hin einen Mietwagen bei Budget, was leider ziemlich schief läuft. Auf Samoa benötigt jeder Ausländer einen zusätzlichen, lokalen Führerschein, den normalerweise die Autovermietung für 20 Tala mit ausstellt. In unserem Fall vermieten sie uns das Auto, um uns dann mitzuteilen, dass sie uns leider keinen lokale Erlaubnis ausstellen können. Wir sollen in zwei Stunden noch mal vorbeikommen oder uns die Bescheinigung bei der Post besorgen. Gleichzeitig stellen sie den Wagen mitten auf der Straße vor dem Büro ab und drängen uns, schnell Platz zu machen. Da Fedde der einzige aus unserer Truppe ist, der bereits einen lokalen Führerschein hat, versucht er das Auto an der Straßenseite zu parken. Da steht schon der Polizist neben unserem Auto, zückt seinen Stift und teilt uns mit, dass Fedde soeben gegen vier Punkte der Verkehrsordnung verstoßen hat. Nach einiger Diskussion können wir den Polizisten überzeugen, dass Budget den Wagen einfach mitten auf der Straße abgestellt hat, ohne uns die Bescheinigung auszustellen und ohne uns einen Blick darauf werden zu lassen, ob überhaupt alles in Ordnung ist. Großzügig belässt er es schließlich bei einer Verwarnung, steigt zu seiner Familie in den Polizeiwagen und düst davon.

Kühles Nass unter der Oberfläche

Nachdem wir uns von unseren holländischen Freunden verabschiedet haben, machen wir uns noch immer verärgert auf den Weg Richtung Ostküste. Für eine kleine Erfrischung zwischendurch stoppen wir an den Piula Cave Pools, zwei wassergefüllten Höhlen, die miteinander verbunden sind und sich direkt unter einem Methodisten-Kolleg befinden. Während wir unten im glasklaren Wasser mit ein paar Fischen plantschen, ertönen von oben Kirchengesänge, was zusammen und bei rund 30 Grad im Schatten ziemlich skurril wirkt.

Abends übernachten wir bei Mama Rosella bei den „Faofao Beach Fales“. Außer uns gibt es nur einen weiteren Gast, eine Australierin, die quasi zur Familie gehört, da sie schon öfters hier war und ein wenig beim Wiederaufbau nach dem Tsunami hilft. Am nächsten Morgen geht es weiter zum To Sua Ocean Trench, einem weiteren riesigen Wasserloch an der Küste, zu dem man über eine 20 m lange Leiter hinunter klettern muss. Unten angekommen, erwartet uns erfrischend glasklares Wasser und ein paar leuchtend blaue Fische, die sich von uns aber nicht stören lassen. Unsere weitere Fahrt führt in den Westen von Upolu, vorbei an bunten kleinen Dörfern und großen, herausgeputzten Kirchen. Es wird immer wärmer und ruhiger, sogar die streunenden Hunde und Schweine ziehen sich in den Schatten zurück. Generell tut sich zwischen 12 und 17 Uhr so gut wie gar nichts mehr, fast alle halten ein Mittagsschläfchen, um der Hitze zu entgehen. Erst gegen Abend wird dann in beinahe jedem Dorf Volleyball oder Rugby gespielt und die kleinen Obststände am Straßenrand sind wieder besetzt.

Die Straße zum Matareva Beach kostet uns 30 Tala Benutzungsgebühr, die an das Dorf geht, dafür erwartet uns aber eine Buckelpiste, die diese Bezeichnung auf jeden Fall verdient hat. Nachdem wir und der Mietwagen sie heil hinter uns gebracht haben, landen wir an einen wunderbaren weißen Sandstrand wie aus dem Bilderbuch. Leider hängen am Resort nur ein paar besoffene Locals rum und spielen Pool, keiner fühlt sich zuständig, uns eine Unterkunft zu vermieten. Enttäuscht packen wir nach einem kurzen Bad im Meer wieder unsere Sachen und fahren weiter. Da es auf Samoa nicht allzu viele Unterkünfte gibt, vor allem nicht in der Budget-Klasse, landen wir somit bereits einen Tag früher als geplant in Apia. Eine weitere Eigenheit macht es Touristen mitunter etwas schwer, sich in der Hauptstadt zurechtzufinden: Es gibt so gut wie keine Straßenschilder und auf den Flyern, auf denen Hotels & Co. werben, sind erst gar keine Adressen angegeben. Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, ist das Hotel, das wir suchen, zudem nur von einer Straßenseite einsehbar ausgeschildert, sodass wir erst drei Mal daran vorbei fahren, bevor wir endlich das „Samoan Outrigger Hotel“ finden. Auf der Suche nach einem bestimmten Restaurant, das wir letztendlich gar nicht finden, landen wir schließlich im „Seafood Gourmet“ in der Nähe des Hafens. Es gibt hervorragendes Oka, roher Fisch in Kokosmilch mit Chili und Tomaten, und Samoas einziges aber leckeres Bier, Vailima, das ursprünglich von Deutschen gebraut wurde.

Zu Besuch beim Autor der Schatzinsel

An unserem letzten Tag besuchen wir die Villa von Robert Louis Stevenson, in der der Autor von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ und „Die Schatzinsel“ seine letzten fünf Lebensjahre verbrachte und die heute ein Museum ist. Es ist bereits unerträglich heiß und schwül, als wir gegen 10 h den Hügel zu Stevensons Grab hochsteigen. Der Weg dauert zwar nur 30 Minuten, trotzdem rennt uns bereits nach wenigen Metern der Schweiß in Strömen herunter und die Moskitos stürzen sich gierig auf uns. Etwa auf der Hälfte des Weges kommen und zwei ältere und durchaus rundliche Damen entgegen, ohne einen einzigen Schweißtropfen auf der Stirn. Sie lachen, als wir erschöpft und klatschnass erzählen, dass wir aus Deutschland kommen und so ein Klima nicht gewöhnt sind. Die beiden Damen stammen von der Nachbarinsel Tuvalu und raten uns vorausschauend, die Temperaturen zu genießen und in guter Erinnerung zu bewahren.

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