Auf den Fijis zwischen Luxus, Armut, Tradition und Zyklonen

Laut Tourismusbranche erwarten Reisende zu den Fiji-Inseln ein „warm welcome“ durch die immer gut gelaunten, freundlichen Einwohner und das fast durchgängig sonnige Südseewetter. Zumindest was das „warm welcome“ betrifft, werden unsere Erwartungen bereits am ersten Abend übererfüllt, als auf dem Nachbargrundstück unseres Hotels in Nadi plötzlich ein Feuer ausbricht. Lange Zeit scheinen wir die einzigen zu sein, die die lichterloh brennenden Palmen rund um einen Gastank ziemlich beunruhigend finden. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit trifft endlich ein Feuerwehrauto ein und vermittelt uns eine erste Lektion, was unter der Lebensphilosophie „Fiji time“ zu verstehen ist: Statt einem zackigen „Wasser Marsch“ läuft erstmal ein Feuerwehrmann auf dem Gelände herum und versucht die Flammen auszuklopfen. Als die Mannschaft schließlich einsieht, dass diese Ein-Mann-Klopf-Methode nichts bringt, wird schließlich doch noch die Wasserpumpe angeworfen und der Brand notdürftig gelöscht. Dass danach noch immer einige Stellen kokeln, scheint bis auf die besorgten Touris niemand zu stören, denn die Mannschaft zieht schnell wieder ab und nimmt beim Wegfahren noch das halbe Eingangstor mit.

Wer in Nadi landet und traumhafte Zustände wie aus dem Werbeprospekt erwartet, wird erstmal schwer enttäuscht. Statt einsamer Palmeninseln in grünblauem Meer gibt es leider nur einen vermüllten und dunkelgrauen Strand. Fijis zweitgrößte Stadt dient hauptsächlich einem Ziel, nämlich Besucher möglichst schnell woanders hinzuschaffen – mit Erfolg. Den Weg zu unserem Hotel, dem Beachside Resort, hätten wir ohne Taxifahrer niemals gefunden, da es nur ein einziges Hinweisschild auf halbem Weg gibt, man zunächst am Strand entlang und weiter über eine üble Schotterpiste fährt, bis man schließlich bei einem kleinen, netten Hotel mit Pool landet. Schuld an der abenteuerlichen Wegführung sind eine Überschwemmung, die im März die Straße mitsamt Strommasten weggespült hat und die Regierung, die es bis jetzt nicht geschafft hat, die Zufahrt wieder herzustellen. So verlangen die Taxifahrer weiterhin einen zusätzlichen Dollar „Schmerzensgeld“ oder fahren zu den am Wailoaloa Beach gelegenen Hotels erst gar nicht hin.

Wir halten uns nicht lange in Nadi auf, sondern mieten ein Auto, um die Südseite der Hauptinsel Viti Levu mit seiner Coral Coast zu erkunden. Der sogenannte Mietwagen, den wir morgens am Hotel in Empfang nehmen, hat seine besten Tage bereits hinter sich. „Schlüssel gegen Cash auf die Hand“ heißt es, und der junge Typ mit Headset am Ohr teilt uns empört mit, dass wir die ersten seien, die auf einen Mietvertrag bestehen würden und dass es sich garantiert um einen offiziellen Mietwagen handeln würde. Nach einiger Diskussion erklärt er sich schließlich bereit, mit uns zu McDonalds zu fahren, um dort seinen Chef zu treffen. Ins Büro könne man auf keinen Fall. Auf dem Parkplatz treffen wir dann tatsächlich ein dünnes Männchen mit Goldkettchen und Badelaschen, das uns eine Quittung mit dem Betrag, der Mietdauer und seiner Handynummer ausstellt. Das Auto am Büro abgeben? Nein, einfach anrufen, er wird uns dann schon finden.

Auf Umwegen zum Strand

Endlich aus der Stadt heraus suchen wir eine Möglichkeit, um zu Natadola Beach zu kommen. Anscheinend handelt es sich tatsächlich um den schönsten Strand von Viti Levu, denn die großen Hotels haben sich den alleinigen Zugang zu diesem Küstenabschnitt gesichert. Wir versuchen es trotzdem auf eigene Faust und folgen einer Schotterpiste, nur um einige Kilometer später direkt am Loch 12 des Golfplatzes des Intercontinental Hotels herauszukommen. Wir winken den Spielern kurz zu, drehen um und nehmen eine andere Abzweigung, die uns durch ein kleines Dorf namens Malomalo führt. Kurz hinter den Dorf finden wir schließlich doch noch einen Zugang zum Strand und werden sofort von ein paar Kindern in Beschlag genommen, die relativ gut Englisch sprechen. Die teilweise zerrissenen Klamotten der Kinder lassen uns vermuten, dass es in deren Leben leider nicht allzu viel Luxus gibt, ganz im Gegensatz zu den Touristen, die sich in unmittelbarer Nähe in den Nobelhotels verwöhnen lassen.

Wir gönnen uns ebenfalls ein kleines bisschen Luxus und quartieren uns für die nächsten paar Tage an der Coral Coast im Mango Bay Resort ein, dem nach eigener Beschreibung „resort for flashpackers“, was es ganz gut trifft. Von dort aus erkunden wir die Südküste und Fijis Hauptstadt Suva. Kurz nach dem Ortseingang von Suva befindet sich ein Gefängnis mit Stacheldraht und hohen Mauern, auf der sich eine riesig große Werbung von Vodafone befindet. Ob die Insassen ein Handy benutzen dürfen, ist uns leider nicht bekannt. Außer einem Hafen, ein paar Shoppingmalls und einem Kino hat Suva leider nicht allzu viel zu bieten. Da Feiertag ist – Diwali, Lichterfest der Hindus – läuft bereits am Nachmittag der neue James Bond, den wir uns für umgerechnet nicht mal 2€ ansehen. Dazu gibt es Kindergeschrei, Handyklingeln und -telefonate sowie Simultanübersetzungen für nicht-englischsprachige Freundinnen rund um uns herum, aber „Skyfall“ macht alles wieder wett.

Der Rückweg in unser ca. 80 km entferntes Hotel wird dann auch zu einem ziemlich riskanten Unterfangen. Bei der Queensroad handelt es sich zwar um die Hauptverbindungsstraße der Insel, allerdings lässt ihr übler Zustand mit hunderten von Schläglöchern und Verwerfungen nicht unbedingt darauf schließen. Der Regen, die nicht wirklich funktionierenden Lichter und Scheibenwischer unseres Autos, der Rauch des Diwali-Feuerwerks und die Massen an Menschen und herrenlosen Hunden, die im Dunkeln auf der Straße herum marschieren, halten an jeder Kurve neue Überraschungen bereit, sodass wir wirklich froh sind, als wir abends wieder heil in unserem Hotel landen.

Durchs wilde Hinterland

Am nächsten Tag fahren wir noch mal ein paar Kilometer ins Hinterland von Viti Levu, was ebenfalls nicht ganz einfach ist, da unsere Landkarte nicht viel hergibt, die Ortsnamen zum Teil von den Namen auf der Karte abweichen, es natürlich so gut wie keine Wegweiser gibt und selbst die Einheimischen sich nicht einig sind, in welche Richtung wir weiter fahren sollten, um zurück nach Nadi zu gelangen. Außerdem suchen wir ein kleines Dorf namens Naidiri. Bereits kurz nachdem wir die Hauptstraße verlassen, kommt uns die Gegend irgendwie bekannt vor. Über die verstaubten Schotterpisten waren wir bereits ein paar Tage zuvor in die andere Richtung geholpert, als wir den Strand von Natadola gesucht hatten. Zu unserer großen Überraschung ist Naidiri genau das Nachbardorf von Malomalo, in dem wir die Kinder getroffen hatten.

Diesmal sind wir auf der Suche nach dem Lehrer Napoleon, zu dem wir über den Freund eines Arbeitskollegen den Kontakt hergestellt bekommen hatten. Allerdings unterrichtet Napoleon gerade außerhalb von Naidiri an der Schule und ist telefonisch nicht zu erreichen. Eine Dorfbewohnerin führt uns trotzdem freundlicherweise zum Haus von Napoleons Bruder Joe. Der ist leicht überrumpelt, als wir unangekündigt auftauchen, nimmt sich dann aber hilfsbereit die Zeit, führt uns herum und erzählt uns vom Dorfleben. Für unser Verständnis ist hier die Zeit ein wenig stehen geblieben und das Leben der Bewohner ist mitunter sehr bescheiden. Die Leute leben von dem, was sie anpflanzen, was das Meer ihnen gibt und was sie auf dem Markt im nächst größeren Ort verkaufen können. Jeder hat irgendeine Aufgabe (woraus auch immer diese besteht) und das, was erwirtschaftet wird, wird innerhalb des Clans aufgeteilt. Eine Grundversorgung ist somit vorhanden, auf materiellen Reichtum lässt die teilweise zerschlissenen Kleidung allerdings nicht schließen und ein eigenes Auto findet sich nur äußerst selten. Es gibt Trinkwasser und Strom, eine Grundschule in der Nähe und eine Busanbindung. Die Geschicke des Dorfes werden nach wie vor vom Chief geleitet, mit dem die normalen Dorfbewohner nur über den Spokesman kommunizieren dürfen und dessen Position weiterhin vererbt wird. Nachdem wir eine Runde durch Naidiri gedreht haben, verabschieden wir uns voll neuer Eindrücke von Joe und hoffen, dass unsere Gastgeschenke wie Kava, Kaffee, Kekse und andere Süßigkeiten die passenden Mitbringsel für seine Familie sind.

Das krasse Kontrastprogramm zum Dorfleben erwartet uns wenig später, als wir Fijis Hochglanzort Denarau erreichen. Hier treffen sich vor allem Amerikaner, Australier und Neuseeländer, um auf manikürten Golfplätzen und in einheitlichen Nobelhotels oder auf schicken Jachten abseits des normalen Lebens hinter hohen Mauern und Security-Schranken ihren Urlaub zu verbringen.

Und ne Buddel voll Rum

Da wir uns eine Übernachtung in Denaraus Hotels aus Prinzip nicht leisten möchten, quartieren wir uns für eine Nacht in den Escape Beach Villas ein, das wir über hostelz.com gebucht haben. Als wir dort ankommen, werden wir freundlich und leicht vorwurfsvoll begrüßt, dass sie auf uns am Flughafen gewartet hätten, wobei wir niemals irgendwie angedeutet hatten, dass wir mit dem Flieger anreisen würden. Warum sie uns so sehnsüchtig erwartet hatten, wird uns ein paar Tage später klar, als wir unsere Mails checken: Die Betreiberin hatte uns gefragt, ob wir am Flughafen im Duty-Free-Shop nicht zwei Flaschen Rum besorgen könnten, sie würde uns abholen und wir bekämen das Geld sicher erstattet.

Von Denarau starten wir am nächsten Morgen zu den Yasawas, einer Insel-Gruppe, die genau dem Bild entspricht, das die Tourismusbranche von Fiji vermitteln möchte. Wir haben uns den Bula-Pass von Awesome Adventures besorgt, mit dem wir für sieben Tage die Inseln mit der Fähre erkunden und uns sechs Übernachtungen in unserer Preiskategorie in verschiedenen Resorts nach Lust und Laune aussuchen können. Unsere erste Wahl erweist sich gleich als Volltreffer: Die Barefoot Lodge verfügt über drei Strände, sodass man jederzeit baden oder schnorcheln kann, unabhängig ob es gerade Ebbe oder Flut ist. Rund herum gibt es ein abwechslungsreiches Riff, das unter Naturschutz steht und an dem man super schnorcheln kann. Wir entdecken sogar einen Oktopus und um kleine Haie oder blau gepunktete Rochen zu sehen, müssen wir noch nicht mal ins Wasser, wir können sie einfach vom Strand aus beobachten. Das Essen ist sehr westlich, wenn auch nicht besonders abwechslungsreich. Innerhalb einer Woche gibt es zwei Mal Würstchen mit Kartoffelsalat. Abends speisen wir auf dem Sunset Deck am Strand und genießen den Sonnenuntergang. Wem Bier und Cocktails zu westlich sind, der kann zusammen mit den einheimischen Mitarbeitern bei Lagerfeuer, Gitarren- und Ukulelenmusik ein paar Runden Kava trinken, Fijis Nationalgetränk, das wie Schlammwasser aussieht, ähnlich schmeckt und eine beruhigende bzw. betäubende Wirkung auf Körper und Geist haben soll. Kai wird mal eben zum Chief der Runde ernannt, der vorgibt wie viele Runden Kava getrunken wird und dem jeweils der erste Becher zusteht. Zum Glück hat Zeremonienmeister Lai Verständnis, dass Kai seinen Kava „low tide“ ordert, also eine nur wenig gefüllte Kokosnusshälfte mit dem Gebräu. Dementsprechend fit verabschieden wir uns später in unsere Doppel-Bure, die direkt am Sunrise Beach gelegen ist.

Nach drei Nächten beschließen wir noch ein anderes Resort auf einer Insel weiter im Norden auszuprobieren. Außer uns beiden hat sich Pauline ebenfalls das „Gold Coast Resort“ ausgesucht, die wir bereits aus Nadi kennen und die wir zufälligerweise wieder auf der Fähre treffen. Wir werden mit einem kleinen Boot abgeholt und stellen schnell fest, dass es sich um einen sehr kleinen Familienbetrieb handelt und wir die einzigen Gäste sind. Es gibt keinen Strom, dafür Solarlampen, außer Wasser nichts zu trinken (andere Getränke gibt es bei Lo’s Teehaus am Strand um die Ecke) und Pauline entdeckt leider auch ein paar Bettwanzen in ihrer Bure. Zum Abendessen bei Solarlampenschein gibt es Fisch, dessen Gräten man zum einen kaum erkennen kann und der zum anderen leider so dermaßen nach Käse riecht, dass wir ihn nicht anrühren. Zum Glück hatten wir zuvor ein leckeres Stück Schokoladenkuchen bei Mama Lo gegessen, sodass wir nicht mit knurrendem Magen ins Bett müssen.

Überraschender Weise bekommen wir am nächsten Morgen das leckerste Frühstück serviert, das es je auf ganz Fiji gab. Mangos, Papayas, frische Pfannkuchen und Scones mit Kaffe und Tee machen den letzten Abend wieder wett. Als uns die Besitzerin jedoch fragt, in welchem Resort wir heute übernachten wollen, beschließen wir zu Barefoot zurück zu kehren. Vorher marschieren wir noch in brütender Hitze über die Insel, um ein Mal in der berühmten Blauen Lagune zu schnorcheln, die nichts besonderes zu bieten hat, außer ein paar Resorts der gehobenen Preisklasse.

Zyklon im Anmarsch

Zurück auf Barefoot werden wir von Joey, Ruben, Lai und dem Rest der Mannschaft herzlich begrüßt und dürfen gleich mal mit Hand anlegen. Ein Zyklon wird erwartet und wir müssen die drei Boote an Land ziehen. Fenster und Eingang der Hauptbure werden notdürftig vernagelt, ab jetzt wird auch nur noch hier gegessen. Falls es ganz schlimm kommen sollte, gibt es vor Ort einen Bunker, erfahren wir beim Abendessen. Die Nacht über stürmt und regnet es zwar ordentlich und am nächsten Morgen liegen einige herab gerissene Palmzweige und Kokosnüsse überall verstreut auf dem Boden, ansonsten hat uns zum Glück wohl nur ein sehr kleiner Ausläufer der Zyklons gestreift. Positiver Nebeneffekt: Ab sofort kann man mit Regenwasser duschen und Zähne putzen, was bislang leider nur mit einem Salzwassergemisch möglich war.

Wir genießen die letzten beiden Tage auf der Insel, wissend, dass dies wohl die entspanntesten Tage für längere Zeit sein werden, bevor wir über Hongkong in den chinesischen Winter weiterreisen werden.

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