Von Tollwut, Malaria und Tripper: Ein Besuch im Tropeninstitut

Tropeninstitut MünchenKaum hat man den Raum betreten, schallt einem schon ein  „In die Liste eintragen, das Formular da ausfüllen und warten, bis Sie aufgerufen werden“ im strengsten Sekretärinnenton entgegen. Im Tropeninstitut der Münchner Universität geht es zu wie auf einer typisch deutschen Behörde, nur, dass man (noch) keine Nummer ziehen muss und es erfreulicherweise kostenloses WLAN gibt. Das ist sehr praktisch, da es beim ersten Besuch doch über eine Stunde dauert, bis ich an der Reihe bin. Dabei spielt es keine Rolle, ob man Kassen- oder Privatpatient ist. Warten und bezahlen müssen hier alle.

Bewaffnet mit meinem eselsohrigen aber bestens gepflegten Impfpass ergattere ich einen Sitzplatz im Vorzimmer. Vor mir sind etwa 20 andere Impfwillige, die überraschenderweise größtenteils nicht der Gattung typischer Backpacker angehören, sondern eher der Kategorie Bürogeher, Lehrer oder Rentner. Im Fünf- bis Zehn-Minuten-Takt huscht ein Arzt oder eine Ärztin in den Raum und ruft die Wartenden auf, bemüht die mitunter krakeligen Hieroglyphen in der Anmeldeliste richtig zu interpretieren.

Nach gut einer Stunde bin ich endlich an der Reihe und werde von einem hemdsärmeligen Arzt in ein Nebenzimmer begleitet. Dort stehen zwei große abschließbare Kühlschränke, auf denen sich bereits etliche aufgerissene Verpackungen verschiedenster Injektionen stapeln. Nach einer kurzen Begrüßung, einem Blick auf das ausgefüllte Formular und in meinen ziemlich voll beschriebenen Impfpass möchte der Arzt wissen, wohin die Reise geht und für wie lange.

„Ein halbes Jahr reisen? Hört sich nach Krise an“, lautet seine erste Diagnose. Nachdem ich ihm versichert habe, dass es sich in meinem Fall nicht um eine Auszeit zur Krisenbewältigung handelt, stimmt er mir zu, dass mein Vorhaben eine sehr gute Idee ist und er vor vielen Jahren selbst einmal 13 Monate mit einem Bus durch Südamerika getingelt ist. Nachdem wir die empfohlenen und noch fehlenden Impfungen durchgegangen sind, einigen wir uns auf zwei erste Injektionen gegen Tollwut und Japanische Enzephalitis. Gegen andere Klassiker wie Tetanus, Diphterie, Masern, Röteln, Mumps, Hepatitis A & B, Polio und Typhus bin ich bereits gewappnet. Immunisierungen gegen Gelbfieber und Cholera benötigt man derzeit glücklicherweise nicht für unsere Reiseziele (Momentan stehen folgende Länder fest: Neuseeland, Samoa, Fiji und China. Auf der Shortlist befinden sich Tibet, Myanmar, Malaysia, Indien,  Laos, Kambodscha, Thailand und Singapur.)

ImpfbuchNach zwei kurzen Picksern und dem Vermerk im Impfbuch ist das Kapitel Impfungen für heute abgeschlossen. Kurz besprechen wir noch das Thema Malaria. Er empfiehlt mir ein Medikament für die notfallmäßige Selbstbehandlung, das ich praktischerweise noch von meiner letzten Südostasienreise zu Hause habe. Auf meine Frage hin, was er denn für die Reiseapotheke empfehle, gibt mir der Pragmatiker drei Tipps: Ibuprofen für Schmerzen und Entzündungen aller Art, eine Ebenol-Salbe für Hautverletzungen und Azithromycin. „Die Tabletten helfen auch gegen Tripper“, meint er in einem Nebensatz und schaut dabei nicht gerade lachend über seinen Brillenrand. „Das fragen viele Männer nach, die nach Thailand reisen“, erklärt er mir dann. Naja, hier im Tropeninstitut bekommen die Ärzte wohl einiges an unliebsamen Urlaubsmitbringseln zu sehen. Was auch immer man vorhat: Zweifelsohne sollte man das Tropeninstitut in jedem Fall besser vor Beginn einer Reise aufsuchen als hinterher, denn dann führt oftmals kein Weg mehr daran vorbei.

Leider kann so ein Impfmarathon eine recht kostspielige Angelegenheit seine, da viele Krankenkassen nur die Kosten für Immunisierungen übernehmen, die in Deutschland erforderlich sind. Wenn man bedenkt, dass z.B. wie in meinem Fall eine Tollwut-Impfung 70€ kostet und man davon drei Injektionen benötigt, sowie zwei Spritzen zu je 95€, um sich gegen Japanische Enzephalitis zu schützen, dann ist die Reisekasse schnell mal eben um 400€ leichter.

Alternativ zum Tropeninstitut kann man die Immunisierung auch über einen spezialisierten Reisemediziner oder Hausarzt erledigen. Allerdings sollte man in diesen Fällen etwas mehr Zeit einplanen, da nicht jede Praxis immer alle Impfstoffe vorrätig hat und diese ggf. erst bestellt werden müssen.

Generell sollte man das Thema Immunisierung nicht erst in den letzten Wochen vor der Abreise in Angriff nehmen, um noch genug Zeit für alle empfohlenen Impfungen zu haben. So benötigt man etwa gegen Hepatitis B zwei Injektionen im Abstand von mindestens einem Monat vor der Abreise. Eine weitere Injektion nach frühestens sechs Monaten sorgt für einen bis zu zehn Jahren  umfassenden Schutz. Außerdem sollte man seinen Körper nicht über Gebühr mit zu vielen Immunisierungen auf ein Mal strapazieren.

Um sich einen aktuellen Überblick über Impfempfehlungen, Sicherheitshinweise sowie Einreisebedigungen für alle Herren Länder zu verschaffen, lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch auf den Webseiten des Auswärtigen Amts. Die Informationen werden regelmäßig aktualisiert und enthalten unter anderem offizielle Reisewarnungen. Weiteres Wissenswertes rund um das Thema Gesundheitsvorsorge stellt auch das Robert Koch Institut zur Verfügung.

Ein Hinweis nur der Vollständigkeit halber: Diese kurze Übersicht ersetzt auf keinen Fall eine individuelle Beratung durch einen entsprechend ausgebildeten Arzt.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Manche Krankenkassen zahlen Impfungen für Auslandsreisen. Schaut einfach mal auf die Webseiten oder ruft an.

    • Danke für den Tipp! Hatte ich schon nachgefragt. Leider übernimmt meine Krankenkasse die Kosten nur für Impfungen, die für Deutschland vorgesehen sind.

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