Sturm, Vulkane und heiße Quellen

Dass Neuseeland ein Land der Extreme ist, erfahren wir jeden Tag, im positiven wie negativen Sinne. Nach zwei sonnigen Tagen an der Golden Bay fahren wir weiter nach Nelson mit Zwischenstopp an den Pupu Springs, den größten Quellen Asiens und Ozeaniens. Nelson ist mit etwa 50.000 Einwohnern zwar die größte Stadt im Norden der neuseeländischen Südinsel, allerdings schließen hier die meisten Läden und Cafés bereits um 17h, auch am Freitag. Aus unserem Plan, in der Hafenstadt ein paar Fish & Chips zu essen, wird leider nichts und der wieder einsetzende Regen macht die leer gefegte Stadt noch trostloser. Immerhin hat der Supermarkt noch geöffnet und ein riesiger, leckerer Schokomuffin hebt die Laune zumindest kurzfristig.

Wir fahren die Küstenstraße weiter Richtung Picton, vorbei an großen abgeholzten Waldflächen. In dem kleinen Ort Havelock bekommen wir dann doch noch unsere Fish & Chips, allerdings sind diese so fettig, dass das schlechte Gewissen bei jedem Bissen größer wird. Mehr oder weniger zufällig biegen wir kurz nach Havelock in eine kleine Straße ein, die sich praktischer Weise als „Queen Charlotte Drive“ herausstellt. Wir suchen die Hausnummer 1.419 und werden nach einigen halsbrecherischen Kurven schließlich tatsächlich fündig: Auf der Smiths Farm erwartet uns Besitzerin Barbara mit zwei ofenwarmen Banane-Schoko-Muffins und einem blitzblanken Campingplatz inmitten eines riesigen Farmgeländes.

Nachdem es die ganze Nacht aus allen Eimern geschüttet hat, geht es den ganzen Tag erbarmungslos genauso weiter. Eigentlich wollten wir ein Stück des Queen Charlotte Tracks gehen, doch bei dem Wetter nutzen wir die Zeit stattdessen zum Wäsche waschen, machen einen kurzen Abstecher nach Picton, kaufen Impregnierspray für unsere Regenjacken und versuchen zurück auf dem Campingplatz bei einem kleinen Feuer im Küchenofen irgendeinen Geschmack in unseren blassen Kartoffeln mit Quark herauszuschmecken. Als der Regen etwas leichter wird, schauen wir bei den Schafen und der Ziege vorbei, die über die überflutete Wiese staksen. Nur das Schwein Molly zeigt sich vom Mistwetter unbeeindruckt. Nachmittags unternehmen wir mit unserem Camper einen kleinen Ausflug entlang des Kenepuru Sounds und erwischen mit ein wenig Glück doch noch die ein oder andere Aussicht auf unzählige schöne Buchten. Abends trauen wir uns in den einzigen Pub von Linkwater, um das Rugby-Spiel zwischen Neuseeland und Australien zu sehen. Im Pub hat sich eine Handvoll Einheimischer bereits häuslich eingerichtet, das Kaminfeuer brennt, das Bier wird per Klingel geordert, und wer es sich nicht in Socken gemütlich macht, der sitzt eben barfuß auf seinem Hocker.

Stürmische Überfahrt von der Nord- auf die Südinsel

Wegen des sintflutartigen Regens setzen wir bereits einen Tag früher als ursprünglich geplant mit der Fähre von Picton nach Wellington auf die Nordinsel über. Im Gegensatz zu gestern scheint heute natürlich die Sonne, allerdings werden die Bedingungen der Überfahrt mit „moderate“ angegeben, sodass mit drei Meter hohen Wellen zu rechnen ist. Was das konkret bedeutet, merken wir ziemlich schnell: Gegenüber von uns sitzt eine Mutter mit ihren beiden Söhnen, die während der weiteren Überfahrt an die zehn Kotztüten zum Abfalleimer balanciert. Die beiden Jungs sind in bester Gesellschaft, auf allen Passagierdecks wird sich ordentlich übergeben und auf dem schaukelnde Schiff riecht es mittlerweile ziemlich erbärmlich. Zum Glück bleiben wir beide verschont und sind verdammt froh, als wir schließlich 3,5 Stunden später bei Wind und Sonnenschein in Wellington einlaufen. Nachdem wir uns einen Stellplatz für die Nacht gesucht haben, nutzen wir den restlichen regenfreien Tag und schlendern die Waterfront und die Innenstadt entlang.

Am nächsten Morgen sichern wir uns als Early Bird für 10$ einen Platz im Parkhaus direkt in Zentrum und verbringen die nächsten fünf Stunden im Te Papa, Wellingtons großartiges Museum. Auf mehreren Ebenen gibt es alles Mögliche rund um Neuseelands Geschichte, Natur, Tierwelt und Maori-Kultur zu entdecken. Im „Erdbebenhaus“ wird simuliert, wie sich ein relativ kleines Erdbeben anfühlt und auch sonst wird uns immer klarer, wie sehr Vulkane, Überflutungen, Erosionen und sonstige Naturkatastrophen zum neuseeländischen Alltag gehören. Schwer von Te Papa beeindruckt fahren wir mit der Cable Car zum Botanischen Garten hoch, von wo aus wir einen wunderbar klaren Überblick über die Stadt und den Hafen haben.

Am frühen Abend verlassen wir die Hauptstadt um gerade noch rechtzeitig auf dem Campingplatz am Strand bei Warangi einzuchecken. Es stürmt bereits ziemlich und wir erwarten eine kalte Nacht.

Schneebedeckte Vulkane bei bestem Postkartenwetter

Der nächste Morgen begrüßt uns wolkenverhangen, als wir ganz in den Westen der Nordinsel zum Mount Taranaki aufbrechen. Als wir bis auf wenige Kilometer an den Berg herangefahren sind, zeigt sich Mount Taranaki in seiner ganzen Pracht und wir haben einen Spitzenblick auf den perfekt geformten Vulkankegel. Auch die weitere Fahrt zum Tongariro Nationalpark beschert und beste Aussichten auf drei weitere schneebedeckte Vulkane im Landesinneren. Wir freuen uns bereits auf die Tour, die wir für morgen geplant haben. Die Tongariro Alpine Crossing müssen wir uns jedoch aus dem Kopf schlagen, da Sturmböhen mit bis zu 110 km/h vorausgesagt sind.

Am nächsten Morgen ist tatsächlich eher „Mordor“ angesagt: Von der beeindruckenden Vulkanlandschaft, die als Kulisse für die Verfilmung von „Herr der Ringe“ diente, ist im Gegensatz zu gestern rein gar nichts mehr zu erkennen, alles in Nebel, Regen und Kälte getaucht. Da die oberen Touren am Berg wegen Sturmwarnung gesperrt sind, machen wir uns auf den Weg zum Taranaki Waterfall und den Tama Lakes auf. Das Wetter wird immer schlechter, man sieht nur ein paar Meter weit, Wind und Regen werden immer stärker. Als ein Schild verkündet, dass wir den Lower Lake Tama erreicht haben, sehen wir nur einen nebligen Abgrund ohne Boden.

Kein Grund sich lange aufzuhalten, also bringen wir den 2,5-stündigen Rückweg schnell hinter uns und fahren weiter nach Waikite Valley, das uns heiße Thermalquellen verspricht. Und tatsächlich, an unseren Campingplatz sind sechs Pools mit Wasser um die 40 Grad angeschlossen, die wir bis 21h kostenlos nutzen dürfen.

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