Tokelau: Isoliert und leider wohl bald „Land unter“

Wer von der Außenwelt isoliert ist, muss für ein gutes Miteinander untereinander sorgen. Tokelau mit seinen drei Inseln und knapp 1.500 Einwohnern ist dafür ein gutes Beispiel. Als letzter Staat der Erde wurde Tokelau im Jahr 1994 mit dem internationalen Telefonnetz verbunden. Im Zuge dessen lernten die Bewohner nicht nur die Vorteile technischer Neuerungen kennen, sondern auch die weniger angenehmen Begleiterscheinungen. So hatte eine Familie angeblich als die ersten Telefonrechnungen eintrafen, bereits ein zweifaches Jahreseinkommen vertelefoniert. Großer Beliebtheit erfreut sich nach wie vor das „Tokelauische Telefon“: In und um die Klohäuschen am Rand der Lagune werden die wichtigsten Neuigkeiten ausgetauscht und natürlich jede Menge Tratsch und Klatsch.

Eine gute Kommunikation untereinander hatte auf Tokelau schon immer einen hohen Stellenwert. Dies mag einer der Gründe gewesen sein, die dazu beigetragen haben, dass das Atoll als letztes Land der Erde Bargeld einführte. Bis zur Einführung galt das sogenannte „Inati“, bei dem Nahrungsmittel, die die Dorfbewohner geerntet oder erlegt haben, gerecht an alle Bewohner verteilt wurden. Auch die Aufgaben wurden – und werden zum Teil auch heute noch – innerhalb der Dorfgemeinschaft gerecht verteilt. In Zeiten der Globalisierung waren die Einwohner jedoch immer mehr auf Handelsbeziehungen mit anderen Staaten angewiesen. Zu den wichtigsten zählen sicherlich Neuseeland und Australien. Zumindest wechselte der Tokelau zusammen mit Samoa im Dezember 2011 auf die westliche Seite der Datumsgrenze, um sich besser an die beiden Haupthandelspartner anzupassen.

Die Anbindung an umliegende Inselnachbarn gestaltet sich (zumindest bislang) relativ schwierig, denn Tokelau hat keinen Flughafen. Das Atoll besitzt auch keinen Hafen, sondern nur einen schmalen Kanal im Riff. Dort dürfte es eher ruhig zugehen, zumal die Schiffsfahrt zum nächstgelegenen Nachbarn Samoa 26 Stunden dauert. Ruhe ist ein gutes Stichwort für Tokelau, es gibt weder Fernseher, noch Waffen, noch ein Gefängnis. Sollte jemand die Inselidylle stören, so ist Steine schleppen die gängigste Strafarbeit, die der Ältestenrat verhängt. Wer sich partout nicht an die Regeln des Insellebens hält, wird für immer verbannt.

Die größte Gefahr droht Tokelau mittlerweile jedoch von ganz anderer Seite: Wie einige andere Inseln des Südpazifiks ist das äußerst Flache Eiland vor allem durch den steigenden Meerespiegel im Zuge der Erderwärmung gefährdet. Die Inseln Tokelaus ragen gerade einmal drei bis fünf Meter aus dem Meer heraus. Experten gehen deshalb davon aus, dass es noch im Laufe des 21. Jahrhunderts leider „Land unter“ für Tokelau heißen wird.

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