Raus aufs Land zur Angkor Thom Junior Highschool

Vier Wochen wollen wir als Freiwillige den deutschen Verein Hilfe für Kinder in Kambodscha unterstützen, so lange, wie unser Touristenvisum erlaubt. Den Kontakt haben wir über Kais Arbeitgeber Knorr-Bremse geknüpft, dessen Verein Global Care die Organisation beim Bau der Angkor Thom Junior Highschool 2007 finanziell unterstützt hat.

Die Angkor Thom Junior Highschool liegt etwas außerhalb des Dorfes Peak Sneng und ist unser zentraler Anlaufpunkt für diverse Aufgaben, mit denen wir uns einen Monat lang beschäftigen. Da wir in Peak Sneng selbst nicht wohnen dürfen, pendeln wir täglich von Siem Reap aus mit dem Moped zur Schule. Es sind nur 30 km, die das Dorf vom Touristenmekka Siem Reap entfernt ist, und doch liegt nur wenige Kilometer hinter den berühmten Tempelanlagen von Angkor Wat eine ganz andere Welt, die die wenigsten Touristen zu sehen bekommen.

Fahrtraining auf der Sandpiste

Das erste Stück der unbefestigten Straße verläuft schnurgerade, allerdings sehen wir meist nicht sehr weit, der rötliche Staub, den die LKWs aufwirbeln, hüllt alles regelmäßig in eine riesige Staubwolke. Die Sicht ist gleich Null, der Staub knirscht trotz Mundschutz auf unseren Zähnen, unser Moped drückt sich durch die zentimeterdicke Sandschicht, während Kai versucht, irgendeinen befahrbaren Weg durch die unzähligen Schlaglöcher zu finden ohne dabei anderen Moped- und Radfahrern oder Traktoren in die Quere zu kommen. Ab und an passieren wir ein mit Glöckchen behangenes Kuhgespann oder müssen einer zehnköpfigen Wasserbüffelherde ausweichen.

Noch voller wird es, wenn die Schüler der umliegenden Dörfer sich auf den Weg zu Schule machen oder auf dem Heimweg sind. Oftmals legen sie mehrere Kilometer auf der buckligen Schotterpiste zurück, meist auf klapprigen, viel zu großen Rädern, auf dem Gepäckträger noch ein kleines Geschwisterchen oder den Banknachbar balancierend. Wer kein Rad hat, geht zu Fuß, auch die allerkleinsten marschieren tapfer durch die Hitze, viele barfuß, da sie sich keine Schuhe leisten können. Allerdings gehen bei Weitem nicht alle Kinder zur Schule. Oftmals sehen wir, wie sie ihren Eltern auf dem Acker oder beim Fischen in schlammigen Wasserlöchern helfen, wenn sie eigentlich die Schulbank drücken sollten.

Leben entlang des Schlagloch-Highways

Rechts und links der Straße stehen größtenteils einfache Holzhäuser, dazwischen finden sich vereinzelt ein- oder zweistöckige Steinhäuser, die deutlich luxuriöser wirken. Dazwischen liegt der obligatorische Müll verstreut, hin und wieder kokelt eine Feuerstelle leise vor sich hin. Vor den Häusern sieht man oftmals Frauen, die per Hand Wasser aus der Quelle pumpen. Die Tankstellen erkennt man an dem aufgereihten Schnapsflaschensammelsurium an der Straße, die „schickeren Restaurants“ an den roten Plastikstühlen und natürlich darf bei diesen schlechten Straßenverhältnissen auch die ein oder andere Mopedwerkstatt nicht fehlen.

Alles, was sich innerhalb weniger Meter direkt an der Straße befindet, ist von einer roten Staubschicht überzogen. Hin und wieder kommen wir an einen Tümpel vorbei, in dem braunes Wasser stillsteht, wenn darin nicht gerade ein paar Fischer mit Netzen auf Jagd gehen. In einem Wasserloch haben sich erfreulicher Weise unzählige Lotusblumen angesiedelt, die je nach Sonnenstand wunderschön lila blühen.

Ruhiges Landleben? Von wegen

Schon von weitem hört man die Verkäufer auf ihren Mopeds, die über Lautsprecher ihr Sortiment anpreisen, was von Körben über Backwaren, Regale, Kleidung oder Küchenutensilien praktisch alles sein kann. Noch lauter ist nur die Musik, die aus riesigen Lautsprechern dröhnt, um eine Hochzeit oder Beerdigung kundzutun. Die freilaufenden Hunde lassen sich von alldem nicht stören, sie stehen oder liegen mitten auf der Fahrbahn und weichen erst in letzter Sekunde aus. Zum Glück sind sie überhaupt nicht aggressiv wie die keifenden Straßenköter, denen wir auf Fiji vorsichtig aus dem Weg gegangen sind.

Nach insgesamt knapp eineinhalb Stunden Fahrt erreichen wir verschwitzt, verstaubt und etwas abgekämpft aber glücklich die Angkor Thom Junior Highschool in Peak Sneng. Schnell aus den Überziehklamotten raus, Hände und Gesicht ein wenig säubern, ein Wasser hinunterstürzen und schon kann es mit der Arbeit losgehen.

Fortsetzung folgt.

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